Jonny Clayton hat sich mit einer klaren Botschaft an die Dartsfans gewandt. Der Waliser schätzt die außergewöhnliche Atmosphäre, die das Publikum bei großen Turnieren schafft, warnt jedoch vor den Auswirkungen von Pfiffen während entscheidender Momente eines Matches. Aus seiner Sicht leidet darunter vor allem die Konzentration der Spieler, die sich dann mehr auf mögliche Störungen als auf ihren nächsten Wurf fokussieren.
Wie sich das anfühlt, musste „The Ferret“ selbst im Halbfinale der
Premier League Darts gegen Luke Humphries in der Londoner O2 Arena erleben. Auf dem Weg ins Finale wurde Clayton von Pfiffen aus dem Publikum begleitet und vergab wenig später einen entscheidenden Matchdart. Statt um den Titel zu spielen, musste der Waliser nicht nur das Aus hinnehmen, sondern verpasste auch die Chance auf das Preisgeld von 240.000 Pfund.
„Es gibt einen Unterschied zwischen Unterstützung und Störung“
Trotz der bitteren Niederlage richtete Clayton seinen Blick anschließend vor allem auf das Verhalten eines kleinen Teils der Zuschauer. Der 51-Jährige betonte, wie wichtig die Fans für den Dartsport seien, machte aber gleichzeitig deutlich, dass für ihn ein klarer Unterschied zwischen leidenschaftlicher Unterstützung und dem gezielten Stören eines Spielers besteht.
Jonny Clayton wünscht sich leidenschaftliche Unterstützung von den Fans – Pfeifkonzerte während wichtiger Würfe sieht der Waliser dagegen kritisch.
„Als Spieler hoffe ich, dass sie es nicht tun, denn es sät nur Zweifel im Kopf eines Spielers. Man wartet ständig auf einen Pfiff“, sagte Clayton in Zitaten, die von Oche180 gesammelt wurden. „Das ist noch nie zuvor passiert, warum also jetzt damit anfangen?“
Clayton lobt die einzigartige Atmosphäre im Darts
Dabei stellte der vierfache Major-Sieger ausdrücklich klar, dass er die Begeisterung der Fans keineswegs kritisiert. Im Gegenteil: Für Clayton gehört die besondere Stimmung in den Hallen zu den wichtigsten Gründen, warum sich der Dartsport weltweit so großer Beliebtheit erfreut. Gesänge, Anfeuerungsrufe und die enge Interaktion zwischen Spielern und Publikum seien ein wesentlicher Bestandteil des Sports.
„Wir sind da, um das Publikum zu unterhalten. Wir brauchen dieses Publikum hinter uns. Wir brauchen den Scherz, wir brauchen den Gesang und wir brauchen die Anfeuerungen. Warum pfeifen? Warum es kaputtmachen?“, sagte der Waliser.
Nach Ansicht Claytons können Profis zwar mit Druck und einer lautstarken Atmosphäre umgehen, doch gezielte Störungen während einer Aufnahme seien etwas völlig anderes. Wer ständig mit einem Pfiff rechne, verliere zwangsläufig seinen Rhythmus und die nötige Konzentration.
„Es bringt uns in gewisser Weise aus dem Gleichgewicht und verlangsamt unser Tempo“, erklärte Clayton. „Wenn du auf diesen Pfiff wartest, fragst du dich ständig, wann er kommt.“
Der erfahrene Waliser weiß aus eigener Erfahrung, welchen Stellenwert die Fans im Darts haben. Lange bevor er selbst auf den größten Bühnen der Welt spielte, verfolgte er die Turniere als Zuschauer und träumte davon, eines Tages selbst dort zu stehen.
„Ich war selbst ein Dartsfan und hatte das Glück, auf dieser Bühne zu stehen. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals auf der Weltbühne Michael van Gerwen gegenüberstehen würde“, sagte Clayton. „Von all den Erlebnissen, die ich hatte, habe ich jede Sekunde genossen.“
Clayton hofft auf mehr Respekt auf den Rängen
Deshalb hofft der Waliser, dass Pfeifkonzerte bei großen Turnieren nicht zum festen Bestandteil werden. Fans könnten einen enormen Beitrag zum Sport leisten – vorausgesetzt, ihre Unterstützung gelte den Spielern und nicht der gezielten Beeinflussung ihrer Leistung.
„Ohne die Fans sind wir nichts“, sagte Clayton. „Ehrlich gesagt hoffe ich, dass es aufhört. Ob es aufhört, weiß ich nicht, aber hoffentlich passiert es.“
Sein Wunsch ist klar: Die traditionelle Darts-Atmosphäre soll erhalten bleiben – laut, leidenschaftlich und emotional, gleichzeitig aber auch respektvoll gegenüber den Spielern auf der Bühne.
„Hoffentlich hört das Pfeifen auf, das Match zu ruinieren. Wir sind da, um Fans glücklich zu machen. Wir geben unser Bestes, um für sie zu performen.“
Schon am Sonntag bietet sich Clayton die Gelegenheit, sportlich die richtige Antwort zu geben. Beim
World Matchplay trifft der Waliser in der ersten Runde auf Damon Heta. Auch dort wird er wieder auf die Unterstützung des Publikums setzen – allerdings genau so, wie er sie sich wünscht: lautstark, voller Energie und mit Respekt für die Spieler auf der Bühne.