Wie in den vergangenen vier Jahren gehen auch in diesem Sommer wieder zwei deutsche Spieler beim
World Matchplay in Blackpool an den Start. Das zweitgrößte PDC-Turnier des Jahres zählt zu den prestigeträchtigsten Veranstaltungen im Dartsport. Auch wenn die deutsche Bilanz noch viel Luft nach oben lässt und der bislang letzte deutsche Sieg aus dem Jahr 2020 stammt, richten sich die Hoffnungen auf
Martin Schindler und
Niko Springer.
Am Samstag beginnt das Turnier traditionell mit dem Auftakt des Titelverteidigers
Luke Littler. Für Niko Springer steht dabei direkt ein ganz besonderes Debüt an. Der Deutsche trifft bei seiner ersten Teilnahme ausgerechnet auf die Nummer eins der Welt. Mit einem Rekordpreisgeld von einer Million Pfund besitzt das
World Matchplay mehr Strahlkraft denn je. Der Sieger erhält 225.000 Pfund, jeder Teilnehmer nimmt mindestens 12.500 Pfund mit nach Hause.
Debüt für den Meenzer Bub
Für den Mann aus Siefersheim geht es in seinem zweiten Tourkartenjahr erstmals in die
legendären Winter Gardens von Blackpool. Erst einmal standen sich Springer und Littler bislang gegenüber. Bei Players Championship 5 im Jahr 2025 gewann Littler mit 6:5 und einem Average von 102 Punkten. Selbst ein Average von 105 Punkten reichte Springer damals nicht zum Sieg.
Seitdem hat Springer jedoch weitere wichtige Erfahrungen gesammelt. Er spielte bereits beim Grand Slam of Darts, der Darts WM und dem World Grand Prix auf den größten Bühnen des Sports.
Gerade bei der Darts WM zeigte sich allerdings auch eine Schwäche. Als Außenseiter spielt Springer häufig befreit auf. Beim Grand Slam besiegte er Michael van Gerwen und Gary Anderson. Bei der Weltmeisterschaft hingegen zerbrach er unter dem Favoritendruck und verlor überraschend mit 1:3 gegen Joe Comito.
Diese Niederlage warf den 26-Jährigen nach eigenen Aussagen in ein tiefes Loch. Mittlerweile hat er sich jedoch wieder stabilisiert und zeigt regelmäßig starke Leistungen. Ein gutes Beispiel lieferte er am vergangenen Wochenende bei den
European Darts Open in Leverkusen. Nach einer kurzen Urlaubspause und dem Verzicht auf die letzten Players Championships meldete er sich mit einem Average von 105 Punkten gegen Darius Labanauskas eindrucksvoll zurück.
Auch die anschließende Partie gegen Gian van Veen war spielerisch stark. Springer erzielte einen Average von 102 Punkten, ließ jedoch in den entscheidenden Momenten zu viele Chancen ungenutzt. Genau dort liegt aktuell seine größte Schwachstelle.
Die Zahlen der vergangenen drei Monate sprechen dennoch eine positive Sprache: Sein Average liegt inzwischen bei starken 92,78 Punkten und bringt ihn wieder in Reichweite der Top-32 der Welt. Die Doppelquote von 37,36 Prozent zeigt allerdings, wo noch Verbesserungspotenzial besteht. Sein Scoring bewegt sich seit Monaten auf Topniveau, doch auf die Doppel kann er sich nicht immer verlassen.
Gibt sein Debüt in Blackpool: Niko Springer
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Springer findet häufig nur schwer in seine Spiele. Gegen Gian van Veen lag er beispielsweise bereits mit 0:3 und 1:4 zurück. In einem Match über die Distanz "Best of 11 Legs" ist eine Aufholjagd gegen Weltklassespieler enorm schwierig. Über längere Distanzen könnte ihm seine Comeback-Qualität künftig allerdings noch stärker helfen.
Genau hier wartet jedoch die wohl schwerste Aufgabe überhaupt. Luke Littler hat zuletzt im Oktober 2025 in Dortmund ein Match über längere Distanz verloren. Damals unterlag er James Wade. Zuvor musste er sich bei einem Ranking-Major lediglich Jonny Clayton im Januar 2025 geschlagen geben – trotz eines Averages von 108 Punkten. Wer Littler schlagen will, braucht nahezu ein perfektes Spiel.
Luke Littler gewann das World Matchplay 2025
Im vergangenen Jahr gewann "The Nuke" das World Matchplay mit Averages von 103, 107 und 107 Punkten in seinen letzten drei Partien. Bereits in Runde eins spielte er gegen Ryan Searle einen Average von 108,92 Punkten. Jermaine Wattimena, Andrew Gilding und Josh Rock brachten ihn zwar an seine Grenzen, letztlich setzte sich Littler im Finale jedoch mit 18:13 gegen James Wade durch. Gerade auf den größten Bühnen wirkt der Weltmeister oft nahezu unantastbar.
Interessanterweise startet auch Littler nicht immer gut in seine Spiele. Sowohl im Halbfinale als auch im Finale des vergangenen Jahres lag er bereits mit 0:5 zurück. Dennoch drehte er beide Partien eindrucksvoll. Sein Turnieraverage von 105,12 Punkten war der fünftbeste eines World-Matchplay-Siegers überhaupt. Lediglich Phil Taylor spielte 2009, 2010, 2011 und 2013 noch etwas besser.
In den vergangenen drei Monaten ist Littlers Average mit 99,27 Punkten erstmals wieder knapp unter die 100-Punkte-Marke gefallen. Auch seine Doppelquote sank auf rund 40 Prozent. Allerdings absolvierte der Engländer in dieser Zeit nur wenige Turniere. In den letzten drei Monaten bestritt er lediglich 22 Matches, den World Cup nicht eingerechnet. Seine aktuelle Form ist daher schwer einzuschätzen. Zum World Matchplay dürfte Littler jedoch wieder voll da sein.
Will Niko Springer die Nummer eins der Welt bezwingen, braucht er vor allem einen starken Start. Er muss jede Chance konsequent nutzen und sein hervorragendes Scoring über die gesamte Partie halten. Nur dann besitzt der Siefersheimer eine realistische Chance auf die große Überraschung.
Der Patient Martin Schindler
Aus Martin Schindler wird man im Jahr 2026 bislang nicht ganz schlau. Auf starke Auftritte folgen regelmäßig schwächere Leistungen. Dadurch werden die Fragezeichen hinter Deutschlands Nummer eins immer größer. Seine einst größte Stärke, die Konstanz, ist derzeit kaum noch vorhanden.
Während Schindler beim
World Cup of Darts noch die besten Zahlen aller 80 Teilnehmer auflegte, folgte am Samstag bei den European Darts Open der nächste Rückschlag. Bei der 3:6-Niederlage gegen Kevin Doets spielte er einen Average von unter 80 Punkten, seinen schlechtesten Wert auf der European Tour seit über 10 Jahren. Damit misslang auch die Generalprobe für das World Matchplay.
Inzwischen steht Schindler bei fünf Niederlagen in Serie. Seit dem World Cup gelangen ihm lediglich zwei Siege bei den Players Championships – gegen Tytus Kanik und Cor Dekker. Hinzu kommt, dass Blackpool bislang kein gutes Pflaster für den Deutschen war. Bei seinen bisherigen drei Teilnahmen konnte er noch kein einziges Match gewinnen.
| Jahr | Gegner | Ergebnis | Average |
| 2022 | Gerwyn Price | 8-10 | 95.21 |
| 2023 | Danny Noppert | 8-10 | 88.57 |
| 2024 | Dimitri van den Bergh | 6-10 | 94.81 |
| 2025 | Jonny Clayton | 7-10 | 103.45 |
Den Schwung vom World Cup nahm Schindler also nicht mit. Besonders die Anfangsphase gegen Kevin Doets war erschreckend schwach. Zwar steigerte er sich anschließend, gegen den Niederländer blieb er dennoch chancenlos.
Ganz so schlecht waren die übrigen Auftritte allerdings nicht. Bei Players Championship 22 schied er trotz eines Averages von 108 Punkten in Runde drei aus. Beim letzten Players Championship reichten selbst 97 Punkte im Average gegen Connor Scutt in Runde 1 nicht zum Sieg.
Die nackten Zahlen wirken insgesamt sogar ordentlich. In den vergangenen drei Monaten spielte Schindler einen Average von über 93 Punkten bei einer Checkoutquote von rund 36 Prozent. Auffällig ist jedoch die deutlich gesunkene Siegquote. Während er im Jahr 2025 noch 64 Prozent seiner PDC-Spiele gewann, liegt dieser Wert 2026 nur noch bei 46 Prozent.
Auch in der Weltrangliste hat er wieder den Anschluss an die Top-16 verloren. In der Jahresrangliste belegt Schindler derzeit lediglich Platz 34 und liegt dort sogar gleichauf mit Niko Springer. Das zeigt vor allem eines: Der Mann aus Rodgau gewinnt seine engen Spiele momentan zu selten.
Spielt Schindler stark, verliert er häufig trotzdem. Sowohl gegen Gian van Veen als auch gegen Michael van Gerwen spielte er in diesem Jahr einen Average von 108 Punkten und zog dennoch den Kürzeren. Trifft er dagegen auf nominell schwächere Gegner, passt er sich ihrem Niveau oft an. Deshalb ist nur schwer vorherzusagen, welche Version von Martin Schindler in Blackpool auftreten wird.
Mit
Gerwyn Price wartet zudem ein Gegner, der selbst einige Fragezeichen mitbringt. Nach einem starken Jahr 2025 und der Rückkehr in die Top-8 ist der Waliser 2026 deutlich seltener auf der Tour zu sehen. Entsprechend schwierig ist seine aktuelle Form einzuschätzen. Bereits bei Schindlers Debüt in Blackpool trafen die beiden aufeinander. Damals setzte sich der Waliser in einer lange ausgeglichenen Partie mit 10:8 durch. Bis zum 7:7 verlief das Duell auf Augenhöhe, ehe Price mit einem 11-Darter das entscheidende Break gelang. Wenig später machte er den Sieg mit einem 91er-Finish perfekt.
Bei Players Championship 23 verlor Price direkt in Runde eins gegen Harry Ward. Auf der European Tour trat er nach seinem Titel in Sindelfingen kaum noch in Erscheinung. Lediglich eine Auftaktniederlage bei den Slovak Darts Open gegen Cameron Menzies kam noch hinzu. Bei den US Darts Masters war im Viertelfinale gegen James Wade Schluss. Seit seinem Halbfinaleinzug in der Premier League Ende Mai gab es kaum noch Spiele des 41-jährigen. Auch den World Cup of Darts sagte er ab.
Trotzdem sprechen die Zahlen weiterhin für den Waliser. In den vergangenen drei Monaten spielte Price einen Average von 98,14 Punkten. Seine Doppelquote sank allerdings deutlich auf nur noch 39 Prozent. Im vergangenen Jahr erreichte er beim World Matchplay das Viertelfinale und verlor dort mit 11:16 gegen Luke Littler. Den Titel in Blackpool konnte Price bislang noch nie gewinnen. Am nächsten kam er dem Triumph 2022, als er erst im Finale Michael van Gerwen unterlag.
Auch dieses Duell bleibt deshalb schwer vorherzusagen. Gerwyn Price geht selbstverständlich als Favorit in die Partie. Genau das könnte jedoch Schindler in die Karten spielen. Ohne großen Erwartungsdruck hat Deutschlands Nummer eins in der Vergangenheit oft seine besten Leistungen gezeigt.