Mit seinem
Triumph bei Players Championship 24 hat
Gabriel Clemens ein Stück deutsche Dartsgeschichte geschrieben. Nach neun Jahren auf der PDC-Tour gewann der „German Giant“ endlich seinen ersten Ranglisten-Titel – und das auf spektakuläre Weise: Im letzten Leg des Finals gegen Luke Woodhouse checkte Clemens 170 Punkte, den legendären „Big Fish“, und machte den 8:6-Erfolg perfekt.
In der neuesten Folge des Podcasts
„Darts auf die 1“ blickte der 42-Jährige gemeinsam mit
Robert Marijanovic und
Marcel Althaus auf den emotionalen Tag zurück. Dabei sprach Clemens über den Respekt vor Michael van Gerwen, die dramatische Schlussphase des Endspiels und darüber, warum er trotz zahlreicher Rückschläge nie aufgehört hat, an diesen Moment zu glauben.
„Ich habe immer daran geglaubt“
Auf die Frage, wie sich der erste PDC-Titel anfühlt, blieb Clemens – wie gewohnt – ganz bei sich. Große Euphorie oder überschäumende Emotionen waren vom Saarländer nicht zu hören – vielmehr überwog die Erleichterung.
Gabriel Clemens gewann bei Players Championship 24 seinen ersten PDC-Ranglistentitel und sprach nun ausführlich über den historischen Erfolg.
„Eigentlich fühle ich mich wie immer. Natürlich ist es etwas Besonderes, nach so langer Zeit und so vielen verlorenen Finals endlich gewonnen zu haben. Aber ich habe eigentlich immer daran geglaubt, dass irgendwann der Tag kommt, an dem einfach alles zusammenläuft.“
Auch Robert Marijanovic verfolgte den Turniertag mit großem Interesse. Besonders der Zweitrundensieg gegen Michael van Gerwen blieb ihm dabei in Erinnerung.
„Ich habe gesehen, dass du in der zweiten Runde gegen MvG ranmusst. Den zu schlagen, ist immer extrem schwer. Diese Aura ist einfach da. Im Nachhinein habe ich mich gewundert: Das war von den Zahlen her sogar dein schwächstes Spiel des Tages, oder?“
Clemens konnte dieser Einschätzung durchaus etwas abgewinnen. Vor allem die besondere Ausstrahlung des dreimaligen Weltmeisters habe das Match geprägt.
„Ich glaube auch. Danach bin ich direkt zu Lukas (Wenig; Anm. d. Red.) an den Tisch gegangen und habe gesagt: Das war heute am schwersten zu spielen. Ich weiß nicht warum, aber man hat einfach so viel Respekt vor MvG. Diese Aura am Board ist etwas Besonderes.“
Hinzu kam eine Partie, die aus Sicht des Deutschen kaum außergewöhnlicher hätte verlaufen können.
„Das Spiel war total komisch. Er startet überhaupt nicht gut, verpasst dann plötzlich einen 9-Darter, spielt anschließend wieder zwei 180er zum Start. Und genau das Leg, in dem er den 9-Darter verpasst, gewinne ich am Ende sogar noch.“
Auf Nachfrage von Marcel Althaus bestätigte Clemens, dass van Gerwen in diesem Leg acht perfekte Darts gespielt hatte. Anschließend ließ der Niederländer drei Würfe auf Doppel-6 ungenutzt, ehe Clemens den Durchgang mit einem 12-Darter für sich entschied.
Ein Turnier, in dem alles zusammenpasste
Während Marijanovic das Halbfinale als eine der „einfachsten“ Partien des Tages bezeichnete, erinnerte Clemens daran, dass bereits das Viertelfinale gegen Mickey Mansell deutlich entspannter verlief als erwartet.
„Er hat gegen mich einfach nicht gut gespielt. Mickey Mansell ist eigentlich ein sehr gefährlicher Gegner, aber da war bei ihm irgendwie ein bisschen die Luft raus.“
Entscheidend sei ohnehin gewesen, dass sich sein Spiel nicht nur an diesem einen Tag gut angefühlt habe.
„Generell habe ich mich die letzten drei Tage richtig gut gefühlt. Auch wenn ich mich bei den European-Tour-Qualifiers wieder nicht durchsetzen konnte: Ich habe in keinem einzigen Spiel unter 90 Punkte im Average gespielt. Für insgesamt mehr als zehn Spiele in drei Tagen ist das definitiv ordentlich.“
Auch Marijanovic hob das konstante Niveau hervor.
„Dein Turnier-Average lag bei 95 Punkten. Das ist wirklich stark. Wenn man bedenkt, dass dein Jahres-Average bei knapp 92 liegt, war das schon ein richtig guter Tag. An einem Sahnetag geht bei dir noch mehr, aber diesmal hat einfach alles gepasst.“
„Typisch, dass es dann die 170 war“
Im Finale sollte die sportliche Spannung dann allerdings zurückkehren. Nachdem Clemens bereits mit 6:2 geführt hatte, kämpfte sich Luke Woodhouse noch einmal auf 6:6 heran.
Marijanovic hatte dabei das Gefühl, dass dem Deutschen die Erinnerungen an frühere Finalniederlagen durch den Kopf gingen. „Ich hatte das Gefühl, dein Blick hat gesagt: Bitte nicht schon wieder.“
Clemens widersprach. „Nein, eigentlich nicht. Natürlich sind solche Gedanken irgendwo im Hinterkopf. Aber es waren noch zwei Legs zu spielen und ich habe mir gesagt: Komm, noch zwei Legs, es ist immer noch alles drin.“
Dennoch gab es einen Moment, der ihn kurz nachdenklich machte.
„Als Luke das 6:3 macht, statt dass ich auf 7:2 davonziehe, denkt man natürlich schon: Jetzt wärst du eigentlich fast durch gewesen. Aber irgendwie geht es bei mir halt nie ohne Drama.“
Dass ausgerechnet die 170 Punkte am Ende über seinen ersten Titel entschieden, passte für Clemens deshalb perfekt ins Bild. „Es ist irgendwie typisch, dass es dann die 170 war zum Schluss.“
Marijanovic war sich sicher, dass der Bigfish möglicherweise sogar die Entscheidung bringen musste. „Ich hatte das Gefühl: Wenn das Bullseye nicht fällt, verlierst du das Match noch.“
Clemens konnte dem nicht widersprechen. „Kann alles sein, klar. Am Anfang kam er nicht so gut rein, aber Mitte des Matches war er dann richtig stark. Ich hätte ihm die 118 auf jeden Fall zugetraut.“
Auch Marcel Althaus war von diesem Moment begeistert. „Ich glaube geiler als mit einer 170 kann man den ersten Turniersieg nicht holen. Es gibt nicht viele, die ihren ersten Titel mit einer 170 geholt haben.“
Ein Titel trotz der Qualifikationsprobleme
Für Althaus hatte Clemens mit seinem Erfolg vor allem den deutschen Dartsfans einen besonderen Moment geschenkt. „Ich glaube, du hast da sehr vielen deutschen Dartsfans ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.“
Auch Marijanovic sprach von einem fast surrealen Augenblick.
„Viele konnten das gar nicht richtig fassen. Das letzte Finale ist ja schon zwei oder drei Jahre her. Danach wusste irgendwie keiner so richtig, wohin die Reise geht. Und dann kommt plötzlich dieser Turniersieg – ausgerechnet in einer Saison, in der die European-Tour-Qualifier überhaupt nicht funktionieren. Das ist wirklich deine Achillesferse in diesem Jahr.“
Clemens nahm die anhaltenden Qualifikationsprobleme gewohnt gelassen. „Es ist wieder so: Ich habe jetzt dreimal über 90 gespielt, andere qualifizieren sich mit 85. Das ist eben nicht zu ändern“, sagte er mit einem Lachen.