Ross Smith hat sich mit einem 6:3-Erfolg und einem Average von rund 96 Punkten souverän in die nächste Runde des European Darts Grand Prix gespielt. Auf dem Papier wirkt der Auftritt des Engländers kontrolliert und abgeklärt. Doch hinter den Zahlen verbirgt sich eine ganz andere Geschichte: Zufriedenheit kam bei Smith nach dem Match kaum auf.
Der ehemalige Major-Champion zeigte sich im Anschluss bemerkenswert offen. Trotz des klaren Sieges sprach er von einem fehlenden Spielgefühl und machte keinen Hehl aus seiner Frustration. „Es war ein frustrierendes Match“, erklärte Smith im Gespräch mit DartsNews.de. „Ich habe mich heute Abend einfach nicht wohlgefühlt. Es lief nicht rund.“
Sieg ohne Flow – Smith vermisst sein Spielgefühl
Während des Matches fehlte Smith vor allem eines: der Rhythmus. Im Darts ist dieses Gefühl entscheidend, um konstant hohe Scores zu spielen und Sicherheit auf die Doppel zu bringen. Genau dieser Flow blieb ihm an diesem Abend verwehrt.
Ross Smith trifft in der dritten Runde auf Josh Rock
„Ich fühlte mich ein wenig leer“, schilderte er. Phasenweise verlor er sogar kurz die Kontrolle über sein eigenes Spiel. „Es gab einen Moment auf der Bühne, in dem ich ein bisschen Selbstmitleid hatte, als die Scores nicht kamen.“ Solche Aussagen sind im Spitzensport selten – sie geben einen tiefen Einblick in die mentale Seite des Spiels.
Trotz dieser Schwierigkeiten brachte Smith die Partie professionell ins Ziel. Er hielt seinen Gegner auf Distanz und nutzte die sich bietenden Chancen konsequent. Am Ende zählt im Turnierverlauf vor allem das Ergebnis. „Ich bin einfach froh über den Sieg. Das ist das Wichtigste“, stellte er klar.
Keine Erklärung für das Formtief
Die Suche nach Ursachen gestaltet sich schwierig. Smith selbst konnte keinen klaren Grund für sein ungewohntes Gefühl benennen. Dabei lief die Vorbereitung auf das Turnier nach seinen eigenen Aussagen optimal.
„So etwas kann einfach passieren“, sagte er. „Ich habe mich gut vorbereitet, daran lag es nicht.“ Diese Ungewissheit gehört zum Leistungssport dazu – nicht jeder schwächere Tag lässt sich logisch erklären.
Als mögliche Einflussfaktoren nannte Smith äußere Bedingungen. „Es war warm und stickig im Practice-Room. Vielleicht hat das eine kleine Rolle gespielt.“ Eine endgültige Erklärung liefert das jedoch nicht. Vielmehr zeigt sich, wie komplex das Zusammenspiel aus Körper, Kopf und Umgebung im Darts ist.
Für Smith zählt deshalb vor allem der Blick nach vorne. „Ich muss mir ein Lächeln aufsetzen, mir selbst einen Tritt geben und mich auf den nächsten Tag konzentrieren.“ Eine klare Ansage, die seinen professionellen Umgang mit solchen Situationen unterstreicht.
Solider Saisonstart mit Luft nach oben
Ein Blick auf die bisherige Saison zeigt: Smith befindet sich insgesamt auf einem stabilen Kurs. Im Jahr 2026 konnte er bereits einen Titel auf der Pro Tour gewinnen und zusätzlich ein Viertelfinale erreichen. Nach der enttäuschenden Weltmeisterschaft im Alexandra Palace ist das ein wichtiger Schritt.
„Ich bin ordentlich ins Jahr gestartet“, bilanzierte er. Gleichzeitig sieht er noch deutliches Verbesserungspotenzial. Besonders auf der European Tour will er mehr erreichen.
„Ich gewinne meine Erstrundenspiele, aber danach komme ich nicht weiter. Da muss ich ansetzen“, erklärte Smith. Diese Konstanz im frühen Turnierverlauf bildet eine solide Grundlage, doch für größere Erfolge braucht es mehr.
Auffällig bleibt der Unterschied zwischen seinen Leistungen auf dem Floor und auf der Bühne. Bei den Players Championship-Turnieren zählt Smith seit Jahren zu den konstantesten Spielern und konnte mehrere Titel gewinnen. „Die Floor-Turniere waren nie wirklich ein Problem“, sagte er. „Aber auf der Bühne muss ich mich steigern.“
Bühne als mentale Herausforderung
Der Unterschied zwischen Floor und Bühne ist im Darts kein neues Phänomen. Während auf dem Floor eine ruhigere Atmosphäre herrscht, bringen große Bühnen zusätzliche Faktoren ins Spiel: Publikum, Druck und Emotionen.
Für manche Spieler wirkt das beflügelnd, andere müssen sich erst daran anpassen. Smith arbeitet aktuell daran, diese Herausforderung besser anzunehmen. „Vielleicht muss ich diese Partien einfach mehr genießen“, sagte er.
Der große Traum: European-Tour-Titel
Trotz seiner Erfolge fehlt Smith noch ein wichtiger Titel in seiner Karriere: ein Sieg auf der European Tour. Für ihn ist das mehr als nur eine Ergänzung seiner Trophäensammlung.
„Das würde mir wirklich alles bedeuten“, betonte er. Der Wunsch nach diesem Titel ist eng mit seiner bisherigen Laufbahn verbunden. Mehrfach stand er bereits kurz vor dem Triumph, konnte ihn jedoch nicht vollenden.
„Ich habe hier schon im Finale gestanden und insgesamt drei Endspiele auf der European Tour verloren“, erinnerte sich Smith.
Vergangene Resultate an bestimmten Austragungsorten spielen für ihn dabei kaum eine Rolle. „Jeder Tag ist anders“, erklärte er. „Man kann vielleicht abergläubisch sein, aber das hilft nicht wirklich.“
Der dichte Turnierkalender trägt dazu bei, dass einzelne Spielorte an Bedeutung verlieren. „Wir spielen so oft und an so vielen Orten, dass ich mich darauf nicht fokussiere“, sagte Smith.
Fans als konstanter Faktor
Eine Konstante bleibt für ihn jedoch bestehen: die Unterstützung der Zuschauer. „Die Fans sind überall großartig“, betonte Smith. Gerade auf der European Tour sorgt das Publikum regelmäßig für eine besondere Atmosphäre, die den Sport prägt.
Fokus auf den Finaltag
Mit Blick auf den weiteren Turnierverlauf zeigt sich Smith selbstbewusst, aber realistisch. Die Konkurrenz ist stark, und der Weg zum Titel erfordert mehrere Top-Leistungen.
„Natürlich habe ich Vertrauen in mich“, sagte er. „Ich weiß, dass ich Turniere gewinnen kann.“ Gleichzeitig weiß er, dass kleine Schwächen sofort bestraft werden. „Es gibt viele Spieler, die dieses Turnier gewinnen können. Ich muss mein bestes Spiel zeigen.“