„Auf der Bühne wurde er zu jemand anderem“ – Luke Woodhouse erkennt sich in Freddy Mercury von Queen

PDC
Mittwoch, 21 Januar 2026 um 12:45
Luke Woodhouse
In der jüngsten Folge des Tops & Tales-Podcasts von PDC-Schiedsrichter war Luke Woodhouse zu Gast. „Woody“ erreichte kürzlich seine höchste Platzierung in der Weltrangliste und gilt seit Jahren als feste Größe auf der Pro Tour. In diesem Gespräch sprach der Engländer offen darüber, wie Balance, Freundschaft und mentale Ruhe eine immer wichtigere Rolle in seiner Karriere spielen.
Abseits des Darts ist Woodhouse Fan einer anderen Sportart, nämlich Golf. „Ich bin wirklich ein riesiger Golffan“, sagt er. „Ich spiele so oft ich kann. Für mich steht es völlig losgelöst vom Dartsport.“
Er ist zudem Mitglied im Beaulieu Pines Golf Club, allerdings vor allem im Sommer, und spielt regelmäßig mit Kollegen aus der Dartswelt. Ein Name fällt sofort: Daz Rollings, PDC-Offizieller und fester Golfpartner. Auch Damon Heta stößt häufig dazu.
„Das Schöne am Golf ist, dass es mich mental völlig vom Darts abkoppelt“, erklärt Woodhouse. „Ich stecke mein Handy in die Tasche und schaue stundenlang nicht drauf. Man läuft, man redet, man ist draußen. Manchmal ist das Golfen fast Nebensache.“
Auffällig ist, wie bewusst Woodhouse mit Erholung umgeht. Obwohl er mit Heta und Rollings spielt, versucht er das Thema Darts gezielt zu meiden. „Man redet nicht die ganze Zeit über Form oder Ergebnisse“, sagt er. „Gerade mit Daz, der innerhalb der PDC arbeitet, will man es einfach locker halten. Das ist allgemeiner Smalltalk, nicht arbeitsbezogen.“

Spielen mit Schmerzen „Manchmal hilft es sogar“

Das Gespräch nimmt eine unerwartete Wendung, als es um Krankheit und Verletzungen geht. Ware merkt an, wie bemerkenswert es war, dass während der WM im Alexandra Palace kaum Spieler oder Offizielle krank wurden.
Woodhouse bestätigt, dass Spieler manchmal dennoch durchziehen müssen. „Wenn du krank wirst und die nächste Runde nicht spielst, bekommst du auch kein Preisgeld. Also machst du weiter, es sei denn, du kannst wirklich nicht stehen.“
Er spricht aus Erfahrung. Bei einem European Tour-Turnier in Graz hatte er Rückenprobleme. „Das Werfen ging, aber selbst dieses kleine Stöfchen bis zur Oche hast du gespürt.“
„Manchmal hilft es sogar“, sagt Woodhouse. „Man ist weniger damit beschäftigt, alles perfekt machen zu wollen. Man fokussiert sich aufs Überleben, aufs Schützen. Und dadurch spielt man manchmal sogar besser.“ Ware erinnert sich anschließend an ein Beispiel von Simon Whitlock, der einst mit einer Verletzung einen Durchschnitt von über 104 spielte.

Der Neundarter, der um die Welt ging

Einer der meistdiskutierten Momente in Woodhouses Karriere kam bei der WM, als er seinem guten Freund Damon Heta gegenüberstand. Heta warf einen Neundarter und Woodhouse reagierte ausgelassen. „Es wurde sofort suggeriert, ich hätte wegen des Preisgeldes gejubelt“, erzählt Woodhouse. „Aber das war es definitiv nicht. Ich war einfach so glücklich für ihn.“
Er betont, dass Heta in einem früheren Match eine Chance auf den Neundarter vergeben hatte. „Dann siehst du, wie dein Kumpel es doch noch schafft, auf der größten Bühne. Das ist pure Emotion.“ Dennoch gab es auch Selbstreflexion. „Im Nachhinein dachte ich kurz: Habe ich ihm sein Moment ein wenig genommen? Aber es ist alles gut ausgegangen. Es war aufrichtig.“
Luke Woodhouse ballt die Faust zum Publikum
Woodhouse ist nach einer starken Darts WM, bei der er die vierte Runde erreichte, inzwischen auf Platz 21 der Weltrangliste geklettert.
Was oft vergessen wird: Woodhouse gewann dieses Match dennoch, nach einem 1:3-Rückstand in Sätzen. Er schaltete seinen Freund aus, allerdings ohne Raum für Sentimentalität. „Auf dieser Bühne gibt es keine Freunde“, sagt er nüchtern. „Er will gewinnen, ich will gewinnen. Das ist alles.“
Gegen gute Freunde zu spielen, ist auf der Pro Tour fast unvermeidlich. Woodhouse sieht das pragmatisch. „Man spielt so oft gegeneinander, dass man sich daran gewöhnt.“
Für Plaudereien bleibt wenig Zeit, besonders bei der WM. Medienpflichten fressen die Minuten, und wenn Interviews beendet sind, ist der Gegner oft schon weg. „Das sehen die Leute nicht immer“, erklärt er. „Aber es gehört einfach zum Job.“

Queen und Freddie Mercury

Das Gespräch wechselt zur Musik, und dabei zeigen sich Ware und Woodhouse erstaunlich gleichgestimmt. Beide sind große Fans von Queen, mit Freddie Mercury als absolutem Idol. „Mein Vater hat immer Queen gehört“, erzählt Woodhouse. „Im Auto, auf Kassetten. Da hat es angefangen.“
Ihn berührt vor allem der Kontrast zwischen Mercurys Bühnenpräsenz und seiner Persönlichkeit abseits davon. „Er war ruhig, sogar schüchtern. Und dann betrat er die Bühne und wurde jemand anderes. Das hat mich fasziniert.“ Woodhouse erkennt sich darin wieder. „Man muss nicht immer extrovertiert sein. Er zeigte, dass man trotzdem groß sein kann.“
Sein Lieblingsstück? Barcelona aus Mercurys Solowerk, und von Queen selbst nennt er Now I'm Here – ein weniger bekannter, aber einflussreicher Track.
Während Ware Queen mit Adam Lambert mehrfach live gesehen hat, ist Woodhouse zurückhaltender. „Für mich ist Queen Freddie“, sagt er ehrlich. „Ich schaue nicht viel ohne ihn.“ Zugleich erkennt er Lamberts Qualitäten an. „Er versucht nicht, Freddie zu kopieren. Er ist er selbst. Das höre ich von allen, die dort waren.“
Klatscht 1Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading