Der Aufreger um
Luke Littler und
Gian van Veen scheint schneller verraucht zu sein, als viele dachten. Laut Top-Schiedsrichter
Huw Ware erhalten beide Profis beim nächsten Aufeinandertreffen in der
Premier League Darts eine „schöne Lei“ – sprich: einen unvoreingenommenen Neuanfang.
Am neunten Spieltag der
Premier League Darts 2026 in Manchester gingen die Emotionen durch die Decke, als Littler und van Veen in einer Neuauflage des WM-Finals 2026 gegeneinander antraten. Beide vergaben Matchdarts, und die Spannung entlud sich sichtbar. Am Ende siegte van Veen knapp – doch das Duell blieb auch wegen eines kurzen Handgemenges auf der Bühne in Erinnerung, das für viel Diskussionsstoff sorgte.
„Ich dachte einfach, er will Stimmung machen“
Schiedsrichter
Huw Ware bekam die lautstarke Szene zunächst gar nicht richtig mit. „Aus meiner Perspektive habe ich eigentlich nicht genau mitbekommen, was da passierte“, erklärte der Waliser. „Ich schaute auf das Board – und das Erste, was ich sah, war Luke, der das Publikum antrieb. Ich dachte einfach: Er will Stimmung machen.“
Gian van Veen und Luke Littler nach ihrem hitzigen Premier-League-Duell in Manchester
Erst nach dem Spiel wurde Ware klar, dass es zwischen den beiden Youngstern ordentlich geknistert hatte. Einschreiten musste er aber nicht. „Es war nichts, bei dem ich tätig werden musste. Beide blieben professionell und gaben sich am Ende ganz normal die Hand.“
Für den erfahrenen Referee gehört so ein kurzer emotionaler Ausbruch schlicht zum Spitzensport dazu. „Meine Erfahrung zeigt, dass etwas Reibung das Spiel beleben kann – doch meist ist beim nächsten Auftritt alles wieder normal. Solange sie sich nicht wirklich auf der Bühne anlegen, bleibe ich außen vor.“
Keine Altlasten in Brighton
Auch beim nächsten Spieltag in Brighton erwartet Ware keinerlei Nachwirkungen. Neutralität sei für ihn das oberste Gebot. „Für mich ist es immer eine schöne Lei. Ich beurteile jede Begegnung für sich, ohne Vorurteile oder Präferenzen. Wenn sie erneut aufeinandertreffen und etwas passiert, bewerte ich die Situation, wie sie gerade ist.“
Dazu könnte es schon bald kommen: Wenn Littler und van Veen ihre Auftaktmatches gegen Stephen Bunting beziehungsweise Michael van Gerwen gewinnen, stünden sie sich im Halbfinale erneut gegenüber. Das hätte zweifellos Zündstoff – doch Ware rechnet mit einem rein sportlichen Kräftemessen.
Abseits des Zwischenfalls sprach der 39-Jährige auch über Littlers Einfluss auf den Sport. Der Teenager aus Warrington sorgt nicht nur mit seiner Spielfreude für Begeisterung, sondern fordert mit seinen unkonventionellen Wegen selbst die Schiedsrichter heraus. „Luke hat mich zu Beginn wirklich überrascht“, gesteht Ware. „Er wählt teilweise verrückte Finishes – etwa Doppel 15 über Triple 18. Das siehst du selten. Mittlerweile bin ich darauf vorbereitet, aber er bleibt unberechenbar.“
„Als Luke kam, hat sich der Sport verändert“
Der Einfluss des jungen Engländers geht für Ware weit über statistische Zahlen hinaus. „Als Luke Littler durchbrach, hat sich der Sport verändert – und das hält bis heute an.“ Besonders bei Jugendlichen habe er eine Welle der Begeisterung ausgelöst. „Ich war zuletzt an vielen Dartschulen und Akademien unterwegs. Die Zahl der Kinder dort ist unglaublich. Sie wollen spielen, weil sie Luke gesehen haben.“
Ware zieht den Vergleich zu seiner eigenen Jugend. „Als ich jung war, war Darts eher Nischensport. Ich war nicht allein mit meinem Interesse, aber die Szene war klein. Heute ist Darts fast schon ‚cool‘.“
Ein Besuch an einer Grundschule hat ihn besonders beeindruckt. „Als der Name Luke Littler fiel, jubelte der ganze Saal. Das war ein Gänsehautmoment. Früher reagierte man selbst bei den größten Namen nicht so – das zeigt, was Luke beim Nachwuchs auslöst.“
Damit meint er Größen wie Phil Taylor, die den Sport einst prägten, aber nie dieselbe jugendliche Begeisterung erzeugten. Littler dagegen verkörpert Nahbarkeit und Inspiration. „Er zeigt, dass man in jungen Jahren die Welt erobern kann – und das spricht unglaublich viele an“, so Ware.
Der neue Standard des Darts
Dank Littlers Erfolg, Charisma und Medienpräsenz habe sich Darts eine ganz neue Zielgruppe erschlossen. Die Halle wird jünger, die Stimmung frischer – und auch TV-Quoten profitieren spürbar.
Selbst Konflikte wie das kleine Gerangel mit van Veen ändern daran nichts, im Gegenteil: Sie illustrieren die Leidenschaft, die dieser Sport mittlerweile entfacht hat. „Es ist ein neues Spiel, ein neuer Moment. Alles beginnt wieder bei null“, fasst Ware abschließend zusammen – ein Satz, der sinnbildlich für das Momentum des modernen Darts steht.