„Dann werde ich gefährlich“ – Gary Anderson kontert Zweifel vor WM-Start

PDC
Sonntag, 30 November 2025 um 16:25
Gary Anderson
Gary Anderson geht mit einer klaren Botschaft in die neue Darts-Saison: Er ist noch lange nicht fertig. Der 54-jährige Schotte, zweimaliger Weltmeister und eine der prägenden Figuren seiner Generation, zeigt sich vor dem nächsten großen Angriff auf die Sid Waddell Trophy motivierter denn je. Zweifel von außen verwandelt er in Antrieb – und das, so sagt er selbst, mache ihn besonders gefährlich.
Nach dem verlorenen WM-Finale 2021 gegen Gerwyn Price erreichte Anderson kein weiteres Endspiel im Alexandra Palace. Trotzdem glaubt er fest daran, dass ein dritter Titel möglich ist. „Es wäre schön, noch einen zu gewinnen“, sagt er nüchtern gegenüber Sky Sports. „Neulich war ich ziemlich zufrieden mit dem, was ich erreicht hatte, und dachte: Ich habe meinen Job gemacht. Aber dann fingen die Leute an zu reden: ‚Er ist fertig, er wird es nie wieder tun.‘ Das hat in mir etwas ausgelöst – und dann kann ich nicht mehr aufhören zu spielen. Dann werde ich tatsächlich gefährlich.“

Anderson: Weniger Training, gleiche Überzeugung

Anderson weiß, dass er im Vergleich zu seinen Hochzeiten nicht mehr so intensiv trainiert. Doch anstatt dies als Limit zu sehen, nutzt er es als Perspektive. „Ich stecke nicht mehr so viel Zeit hinein, aber trotzdem kann ich immer noch mit den Besten mithalten“, erklärt der „Flying Scotsman“. „Für die Menge an Darts, die ich spiele, geht es mir einfach gut. Ich mache einfach weiter, immer weiter.“
Und die Ergebnisse geben ihm recht: 2025 holte Anderson sowohl auf der Pro Tour als auch auf der European Tour einen Titel. Seine Formkurve zeigt nach oben – rechtzeitig vor dem wichtigsten Turnier des Jahres.
Ein WM-Triumph im kommenden Jahr hätte historische Bedeutung. Mit einem dritten Weltmeistertitel würde sich Anderson in eine exklusive Reihe mit Phil Taylor und Michael van Gerwen einreihen – den einzigen Spielern, die drei Titel in der PDC-Ära vorweisen können. Diese Aussicht verleiht ihm zusätzliche Motivation.
„Ich denke, wenn alle nett wären und ‚ja, ja, ja‘ sagen würden, würde ich wahrscheinlich langsam aufhören“, sagt Anderson. „Aber es gibt immer jemanden, der sagt: ‚Er ist überfordert.‘ Und dann denke ich: Nein, das bin nicht ich.“
Gary Anderson gewann 2015 und 2016 den Weltmeistertitel <br>
Gary Anderson gewann 2015 und 2016 den Weltmeistertitel
Gary Anderson erlebt eine Darts-Welt, die sich in rasantem Tempo verändert hat – sportlich, strukturell und vor allem finanziell. Dass der Sieger der Weltmeisterschaft inzwischen eine Million Pfund erhält, hätte der Schotte früher niemals für möglich gehalten. Und doch bleibt für ihn eines unverändert: Der Zauber des Dezember und die besondere Emotion, wenn der Weg zum Alexandra Palace beginnt.
„Eine Million Pfund, fantastisch. Man hätte nie gedacht, dass es so weit kommen würde“, sagt Anderson beeindruckt. „Barry [Hearn] weiß, was er tut. Er liebt den Dartsport und hat ihn immer weiter vorangetrieben. Es ist jetzt wahrscheinlich die größte Sportshow der Welt.“
Trotz des enormen Preisgeldniveaus sieht der 54-Jährige den sportlichen Wert klar über dem finanziellen: Das Geld sei beeindruckend, aber nicht das, was ihn antreibt.

„Wenn man das Ally Pally sieht, fängt es an zu jucken“

Anderson beschreibt die Tage, an denen er sich dem Alexandra Palace nähert, mit spürbarer Leidenschaft. „Wenn man den Hügel hinauffährt und dort Ally Pally sieht, fängt es an zu jucken. Das ist es, worum es geht. Das ganze Jahr spielt keine Rolle. Der Dezember ist alles. Wenn man sich das nicht leisten kann, sollte man nicht spielen.“
Nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Weltelite wirkt Anderson weder müde noch abgeklärt. Stattdessen klingt er dankbar – und voller Respekt für die Reise, die der Sport ihm ermöglicht hat. „Vor fünf Jahren hätten wir nie gedacht, dass wir einmal nach Australien, Dubai, China oder Japan reisen würden. Wir haben die Welt gesehen. Heutzutage ist das Reisen für mich etwas schwieriger, aber dank des Darts bin ich an Orte gekommen, an die ich sonst nie gekommen wäre. Das war großartig.“
Dass sich Anderson mit zunehmendem Alter die Frage stellt, wie lange er sich den globalen Rhythmus noch zumuten möchte, liegt nahe. Dennoch zeigt er ein tiefes Bewusstsein dafür, wie außergewöhnlich seine Karriere war – und noch immer ist.

WM-Auftakt gegen Adam Hunt

Sportlich richtet sich sein Fokus nun voll auf die kommende Darts WM. Am Samstag, den 13. Dezember, trifft Anderson in Runde eins auf den Engländer Adam Hunt. Mit einem Sieg würde in Runde zwei Connor Scutt oder der erfahrene Simon Whitlock warten.
Nach seinen jüngsten Erfolgen auf der ProTour und der European Tour sowie seiner wiedergewonnenen Entschlossenheit zählt Anderson erneut zu den gefährlichen Outsidern. Und wenn der Schotte eines über sich selbst gelernt hat, dann das:
Sobald jemand ihn abschreibt, wird er „tatsächlich gefährlich“.
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