„Ich hatte keinen Spaß am Darts. Eigentlich wollte ich gar nicht dort sein“ – Keane Barry startet nach schwieriger Phase neu durch

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 11 März 2026 um 11:00
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Für Keane Barry fühlt sich die aktuelle Saison wie ein Neuanfang an. Der 23-jährige Ire gehört zwar seit Jahren zum Profi-Aufgebot des Dartsports, blickt jedoch offen auf eine schwierige Zeit zurück. Die vergangenen beiden Spielzeiten bereiteten ihm kaum Freude.
Nun fühlt sich Barry wieder wohler – sowohl auf als auch abseits der Bühne. Mit neuer Energie richtet er den Blick auf den weiteren Verlauf der Saison.

„Mein Spiel kommt wieder zurück“

Bei den jüngsten UK Open in Minehead zeigte Barry bereits deutliche Fortschritte. Sein Turnier endete zwar im Achtelfinale nach einer schmerzhaften Niederlage gegen Gerwyn Price, dennoch überwogen beim Iren die positiven Eindrücke.
Keane Barry blickt nach schwierigen Jahren wieder optimistisch nach vorn – der 23-jährige Ire spürt, dass sein Spiel langsam zu alter Stärke zurückkehrt
Keane Barry blickt nach schwierigen Jahren wieder optimistisch nach vorn – der 23-jährige Ire spürt, dass sein Spiel langsam zu alter Stärke zurückkehrt
Barry gilt als jemand, der nur selten Interviews gibt. Nach den UK Open nahm er sich jedoch Zeit, um über sein Turnier und seine Entwicklung zu sprechen.
„Das Ergebnis war natürlich nicht das, was ich wollte“, räumte er gegenüber TungstenTales ein. „Aber ich bin zufrieden damit, wie sich mein Spiel entwickelt. Ich hatte einen guten Lauf und habe im Grunde mein Ergebnis von vor zwei Jahren verteidigt. Das war etwas, womit ich mich während des Turniers nicht einmal wirklich beschäftigt habe.“
Für Barry zählt aktuell vor allem ein anderes Gefühl: sein gewohntes Niveau kehrt zurück. „Im Moment spüre ich, dass mein Spiel wieder näher an das Niveau herankommt, wo es hingehört. Wo ich selbst weiß, dass ich spielen kann.“

UK Open als Lieblingsjagdgrund

Die UK Open gehören seit Jahren zu den Turnieren, bei denen sich Barry besonders wohlfühlt. In Minehead gelangen ihm bereits mehrfach starke Ergebnisse – auch diesmal fühlte sich das Event für ihn vertraut an.
„Meine Resultate dort waren immer gut, daher genieße ich das Turnier wirklich“, sagte er. „Es ist auch ein bisschen ein einzigartiges Event. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber irgendwie spiele ich dort oft mein bestes Darts.“
Ein Grund dafür könnte das spezielle Format sein. Anders als bei vielen anderen Turnieren erfolgt die Auslosung offen, sodass Spieler in jeder Runde aufeinandertreffen können.
„Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Minehead ist Minehead“, sagte Barry mit einem Lachen. „Der Ort selbst ist in Ordnung, aber das Problem ist meist einfach, dorthin zu kommen und wieder wegzukommen.“

Die schmerzhafte Niederlage gegen Gerwyn Price

Eines der meistdiskutierten Matches des Turniers war Barrys Duell mit Gerwyn Price. Der Ire führte bereits mit 9:4 und stand kurz vor einer der größten Sensationen des Turniers – verlor das Spiel jedoch mit 9:10.
„Am Samstagabend war ich am Boden zerstört“, erzählte Barry offen. „Und am nächsten Tag eigentlich auch noch.“
Mit etwas Abstand erkennt er jedoch auch viele positive Aspekte.
„Wenn man zurückschaut, gibt es sehr viele positive Punkte. Ich habe eigentlich nicht viel falsch gemacht. In den letzten sechs Legs spielte Price einfach fantastisch. Ich glaube, ich selbst war in dieser Phase auch bei rund 100 oder 101 im Schnitt.“
Mit anderen Worten: Barry brach nicht ein – sein Gegner erhöhte schlicht das Niveau. „Seine Finishes waren unglaublich klinisch. Natürlich hätte ich es gern über die Ziellinie gebracht, aber so ist Darts manchmal.“

Der Druck des Publikums

Das Match fand auf der zweiten Bühne statt, wo das Publikum besonders nah an den Spielern sitzt. Gerade gegen einen beliebten Spieler wie Price kann die Atmosphäre schnell zum Faktor werden.
„Es waren viele Iren im Saal, also bekam ich auch viel Unterstützung“, erklärte Barry. „Aber es waren natürlich auch viele walisische Fans und viele Anhänger von Gerwyn da.“
Wenn Price Momentum bekommt, kann sich die Stimmung rasch verändern. „Man muss versuchen, es auszublenden“, sagte Barry. „Aber wenn jemand zurückkommt und das Publikum immer lauter wird, kann das schwierig sein.“
Dennoch betrachtet er die Erfahrung vor allem als wichtigen Lernmoment. „Ich glaube nicht, dass es mich wirklich aus meinem Spiel gebracht hat. Er hat in diesen letzten Legs einfach großartig gespielt. Es war eine gute Erfahrung und definitiv etwas, woraus ich lernen kann.“

Ein junger Spieler mit viel Erfahrung

Obwohl Barry erst 23 Jahre alt ist, gehört er bereits seit einigen Jahren zum Inventar der PDC Pro Tour. Entsprechend viel Erfahrung hat er trotz seines jungen Alters gesammelt.
Dennoch spürt er, dass seine Karriere nun in eine neue Phase übergeht. „Für mich geht es jetzt vor allem darum, dass mein Spiel wieder dorthin kommt, wo es sein muss“, sagte er. „Die letzten zwei Jahre waren eigentlich ein kompletter Fehlschlag.“
Diese Worte wählt Barry bewusst deutlich. „Ich hatte keinen Spaß am Darts. Eigentlich wollte ich gar nicht dort sein. Wenn man zu einem Turnier fährt, muss man sich darauf freuen. Man muss spielen wollen und gut performen wollen.“
Genau dieses Gefühl fehlte ihm lange. „In den letzten zwei Jahren war ich einfach nicht in guter Verfassung, und deshalb blieben die Ergebnisse auch aus.“

Veränderungen außerhalb des Darts

Die Wende begann vor etwa einem halben Jahr. Barry begann, stärker auf sich selbst zu achten – und bemerkte schnell positive Auswirkungen auf seine Leistungen. „Ich habe etwas Gewicht verloren und ernähre mich besser“, erklärte er. „Aber am wichtigsten ist, dass ich in meinem Privatleben wieder glücklich bin.“
Diese mentale Stabilität wirkt sich direkt auf sein Spiel aus. „Wenn man sich gut fühlt, sieht man das auch am Board.“
Eine wichtige Rolle spielt dabei seine Freundin Emily. „Seit ich Emily kennengelernt habe, haben sich die Dinge verändert. Mein Leben entwickelt sich jetzt in die richtige Richtung.“
Das Ergebnis: Barry freut sich wieder auf Turniere. „Ich hatte wieder Lust auf die UK Open. Ich hoffe auch, dass ich an diesem Wochenende vielleicht noch bei einem European-Tour-Turnier mitspielen kann. Die Begeisterung für Darts ist wirklich zurück.“

Die Bedeutung der European Tour

Die PDC European Tour hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Turnierserien im Kalender entwickelt. Hohe Preisgelder und wertvolle Ranglistenpunkte bieten Spielern die Chance, große Schritte in der Weltrangliste zu machen. „Sie sind enorm wichtig“, erklärte Barry. „Ein paar gute Runs und du kletterst sofort deutlich in der Rangliste.“
Gleichzeitig ist die Qualifikation schwieriger geworden. „Es ist heutzutage schwerer, sich zu qualifizieren, besonders seit die Kriterien geändert wurden. Viele Spieler haben dazu ihre Meinung, und ich auch. Aber ich werde mich nicht in die Politik des Darts einmischen.“
Sein Fokus bleibt klar. „Ich muss einfach so viele Spiele wie möglich gewinnen. Wenn ich weiter gewinne, kommt der Rest von selbst.“

Experimentieren mit Material

In der Vergangenheit experimentierte Barry auch mit seinem Material. Eine Zeit lang spielte er mit Darts, die auffällig aufrecht im Board steckten – ein ungewohnter Anblick für viele Fans. „Es spukte mir ein wenig im Kopf herum, dass ich es ausprobieren wollte“, erklärte er. „Im Training lief es eigentlich richtig gut.“
Auf der Bühne funktionierte das Setup jedoch nicht konstant. „Das eine Match spielte ich gut, das nächste war schrecklich. Ich konnte damit keine Konstanz finden.“
Schließlich kehrte Barry zu seinem früheren Material zurück. „Manchmal muss man etwas ändern, um zu erkennen, dass dein ursprüngliches Material eigentlich besser war.“

Beeindruckender Luke Littler

Der Titel bei den jüngsten UK Open ging an Luke Littler, der seinen Titel verteidigte und seine beeindruckende Trophäensammlung weiter ausbaute.
Barry kennt Littler noch aus gemeinsamen Zeiten bei der Junior Darts Corporation. „Ich habe einmal im Finale der Super 16 gegen ihn gespielt“, erinnerte er sich. „Ich habe dieses Match, glaube ich, mit 5-2 oder 5-3 gewonnen.“
Damals stand Littler noch nicht so im Rampenlicht wie heute. „Aber man konnte schon sehen, dass er ein großartiger Spieler war“, sagte Barry. „Doch was er jetzt erreicht … ich glaube nicht, dass das jemand hätte vorhersagen können.“
Trotzdem freut sich Barry über den Erfolg des jungen Engländers. „Er macht es fantastisch und es ist großartig für den Sport. Je mehr Menschen sich für Darts interessieren, desto besser.“

Schritt für Schritt voran

Für Barry ist die Mission in dieser Saison klar: Schritt für Schritt vorankommen. Er hat sich Ziele gesetzt, möchte vor allem aber wieder Freude am Spiel finden, das ihn schon früh auf die große Bühne gebracht hat.
„Ich bin immer noch erst 23“, sagte er. „Ich habe noch genug Zeit.“
Nach zwei schwierigen Jahren fühlt sich die aktuelle Phase wie ein neuer Anfang an. „Die vergangene Zeit war hart, aber ich bin froh, dass ich einen Neuanfang machen kann“, erklärte Barry abschließend. „Jetzt heißt es einfach wieder spielen und sehen, wie weit ich kommen kann.“
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