„Das geschieht nicht aus Liebe zum Sport, sondern aus Liebe zum Geld“ – Roland Scholten nennt einen klaren Grund für die weltweite Expansion der PDC

PDC
Donnerstag, 17 September 2026 um 16:00
Roland Scholten WSDT 2
Die PDC baut ihre internationalen Ambitionen konsequent aus. Lange dominierten Großbritannien und einige europäische Länder das Profidarts, doch die World Series führt die Tour heute von Bahrain und Saudi-Arabien bis in die USA, nach Australien und Neuseeland.
Für Gian van Veen, aktuell Nummer drei der Weltrangliste, bedeutet dieser Kurswechsel vor allem eines: immer mehr Flugmeilen. An diesem Wochenende darf der Niederländer bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam endlich wieder vor heimischem Publikum ans Oche treten – der letzte Halt nach einer Saison, die ihn über tausende Kilometer führte. „Ich komme an schöne Orte, dafür macht man es. Aber ein Weltenbummler bin ich noch nicht“, sagt van Veen.

Kommerzielle Triebfedern und wachsende Märkte

Roland Scholten, ehemaliger Profi und heute Kommentator, benennt die Motivation der PDC unverblümt. „Das geschieht nicht aus Liebe zum Sport, sondern aus Liebe zum Geld. Wobei das nicht wirklich schlimm ist“, sagt der Niederländer. Scholten erlebte aus nächster Nähe, wie sich der Profidarts von einer Nischensportart zu einer Multimillionen-Industrie entwickelte. Aus seiner Sicht sind die großen wirtschaftlichen Interessen kein Problem: „Niemand ist dadurch schlechter gestellt.“
Brody Klinge grüßt das Publikum
Klinges Lauf ins Finale der Australian Darts Masters hat ihm einen Startplatz bei den World Series of Darts Finals an diesem Wochenende in Amsterdam eingebracht.
Die entscheidende Frage lautet, ob neue Länder tatsächlich warm mit dem Sport werden. Die Antworten fallen je nach Markt unterschiedlich aus. In Australien muss sich die PDC kaum Sorgen machen. Van Veen sah das Interesse aus erster Hand: „Da waren fünftausend Leute in der Halle. Komplett ausverkauft.“
Saudi-Arabien gehörte 2026 erstmals zum World-Series-Kalender, das öffentliche Interesse blieb jedoch überschaubar. PDC-Chef Matthew Porter sieht darin keinen Grund, solche Projekte zu stoppen. „Wir verstehen das als Aufbau eines nachhaltigen Interesses“, sagt Porter.

Darts im Klassenzimmer: Bahrain als Langzeitprojekt

Bahrain steht exemplarisch für einen Markt, der Geduld erfordert. Als die World Series dort vor einigen Jahren Station machte, spielte Darts kaum eine Rolle. Van Veen beobachtet inzwischen eine langsame Verschiebung. Bei einem Schulbesuch sah er den Sport sogar im Unterricht verankert: „Ich war Teil der Mathematikstunde und habe eine Art Demonstration gegeben.“
Die PDC versucht zusätzlich, das Interesse zu wecken, indem sie lokalen Spielern bei internationalen Events eine Bühne bietet. Diese Strategie kann Überraschungen hervorbringen. In Australien beeindruckte Brody Klinge mit seinem Finaleinzug bei den Australian Darts Masters. Zudem spielte er einen 104er Average gegen James Wade. „Er ist wirklich gut genug“, sagte van Veen.
Genau hier liegt eine der zentralen Herausforderungen des weltweiten Wachstumsplans. Wer aus Australien regelmäßig gegen die Elite antreten will, muss am Ende nach Europa übersiedeln. Die überwältigende Mehrheit der wichtigen PDC-Turniere findet dort statt. Ein Umzug nach Europa kann eine Karriere beflügeln, bedeutet aber auch, dass ein lokaler Publikumsmagnet seltener zu Hause auftritt.
Die PDC hofft, dass mehr Spieler diesen Schritt schaffen und dann als Aushängeschilder ihrer Länder dienen. „Zudem wird der Sport weltweit sichtbarer, weil immer mehr Länder in den Wettbewerben vertreten sind“, sagt Porter. Damon Heta hat bewiesen, dass es funktionieren kann. Der Australier schaffte nach einem World-Series-Sieg im eigenen Land 2019 den internationalen Durchbruch und ist seither eine feste Größe der PDC. Auch der Kenianer David Munyua zeigte bei der letzten Weltmeisterschaft, wie viel Begeisterung ein Spieler aus einer relativ neuen Dartsnation auslösen kann.

Nicht jeder Markt ist reif für große Events

Van Veen sieht die Vorteile der Globalisierung, äußert aber auch Vorbehalte. Nicht jedes Ziel eignet sich automatisch für ein großes Darts-Event. „Wenn man jetzt ein Turnier in Bangkok ausrichten würde, glaube ich nicht, dass man dort tausende Tickets verkauft“, sagt der Niederländer.
Ein Kalender wie im internationalen Tennis, bei dem Spieler fast das ganze Jahr von Kontinent zu Kontinent reisen, bleibt vorerst unrealistisch. Die PDC hat 128 Tour-Card-Inhaber und kann nicht erwarten, dass alle ständig um die Welt fliegen.
Die World Series bleibt daher das zentrale Instrument, um neue Märkte zu testen. Für van Veen bedeutet das viel Reisen, neue Länder und mehr Zeit fern der Heimat. An diesem Wochenende ist die Entfernung ausnahmsweise deutlich kürzer. Nach Monaten mit Flugzeugen und Hotels darf er in Amsterdam wieder vor eigenem Publikum ans Oche treten.
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