Michael van Gerwen kehrt als sechsmaliger Champion der
World Series of Darts Finals vor heimisches Publikum zurück und verteidigt dort seinen Titel. Der Niederländer startet einmal mehr als Nummer-1-Gesetzter ins Turnier, doch seine Auftritte auf der großen Bühne schüren zuletzt eher Zweifel als Zuversicht. Pünktlich vor der entscheidenden Phase der Saison sucht er die Wende.
Auf dem Circuit der
World Series lieferte van Gerwen in diesem Jahr starke Zahlen ab und sicherte sich damit den Top-Seed in Amsterdam. Er trat lediglich bei drei Events an, ließ New York, Auckland und Wollongong aus und holte trotzdem die Titel in Bahrain und Kopenhagen. Dazwischen lag eine Finalniederlage bei den erstmals ausgetragenen Saudi Darts Masters gegen Luke Littler – ausgerechnet gegen den Spieler, den er ein Jahr zuvor im Endspiel bezwungen hatte.
Van Gerwen als „Außenseiter" in Amsterdam
Viele erwarteten nach diesem Triumph einen Schub, der ihn am Oche wieder auf sein altes Niveau hebt. Eingetreten ist das nicht. „The Green Machine" findet sein Höchstniveau weiterhin nur in Ansätzen. Die Klasse blitzt auf, doch die fehlende Konstanz kann ihm in Amsterdam schnell zum Verhängnis werden.
Michael van Gerwen gewann den Titel bei den World Series Finals 2025 durch einen Sieg im Finale gegen Luke Littler
Ungewöhnlich wirkt vor allem die Rolle, die er selbst annimmt. Der sonst so selbstbewusste Niederländer geht als Außenseiter in ein Turnier und spricht das vor dem Start offen aus. „Es ist immer schön, als Nummer 1 gesetzt in ein Turnier zu gehen", sagte er dem
AD. „Das habe ich schon so oft gemacht. Aber ich bin nicht der Favorit für dieses Turnier, und das macht mich auch zum Außenseiter. Von dort aus hoffe ich, ein paar großartige Dinge zeigen zu können."
An seiner Ranglistensituation ändert ein Erfolg vor heimischer Kulisse ohnehin nichts. Der 37-Jährige steht so tief wie zuletzt 2013 und rutscht bei einem schwachen Verlauf womöglich sogar aus den Top 20. Ranglistenpreisgeld schüttet die PDC bei den World Series of Darts Finals nicht aus – dafür bietet die Bühne die Chance, dringend benötigtes Selbstvertrauen zurückzuholen.
„Ich finde, das ist eine sehr vereinfachte Sichtweise", kommentierte er die Debatte um seine Platzierung. „Du weißt einfach: Wenn du ein schlechtes Jahr hast, fällst du in der Weltrangliste. Das ist keine Raketenwissenschaft."
Stimmen die Leistungen, regelt sich der Rest nach seiner Überzeugung von selbst. „Wenn du gute Matches spielst und das kontinuierlich tust, kommen die Resultate ganz natürlich", weiß van Gerwen. „Natürlich sind bei diesem Turnier auch viele starke Spieler dabei, die locker ein Average von 100 werfen können. Aber ich bin mental stark genug, das ebenfalls abzurufen. Ich werde es wirklich genießen und versuchen, mein eigenes Spiel zu spielen."
Gewichtsverlust beeinflusst die Form nicht
Wie einige Kollegen stellte van Gerwen seinen Lebensstil um und nahm durch deutlich gesündere Gewohnheiten merklich ab. „Ich habe vor allem angefangen, etwas gesünder zu essen und mich mehr zu bewegen", erklärte er.
Einen negativen Effekt auf seine Form erkennt er darin nicht – anders als manche Beobachter. „Das würde ich noch nicht behaupten, und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht besonders", gab er zu.
Den Vergleich mit der Vorsaison zieht er selbst heran: „Wenn du nur auf meine Leistungen vom letzten Jahr schaust, waren die auch nicht immer gut. Und ich spiele jetzt nicht schlechter als im vergangenen Jahr. Daher denke ich, es hat sich positiv ausgewirkt. Ich fühle mich als Mensch jetzt auch viel besser. Ich fühle mich wohler in meiner Haut, und der Rest ergibt sich von selbst."
Hinter dem Umbau steht ein klares Ziel: wieder dauerhaft mit der absoluten Elite mithalten. „Ich trainiere jeden Tag hart und investiere viel Zeit, weil ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Es braucht etwas Zeit, aber es wird sich zu 100 Prozent auszahlen. Da bin ich mir sehr sicher."
Zum Auftakt sollte van Gerwen eigentlich auf den Philippiner Lourence Ilagan treffen, doch Visa-Probleme verhinderten dessen Antreten. Stattdessen wartet mit Daryl Gurney der Halbfinalist von 2017. Der Sieger dieser Partie bekommt es anschließend mit Ross Smith oder Kevin Doets zu tun, ehe in van Gerwens Viertel der Auslosung mit Stephen Bunting ein weiterer Gesetzter lauert.