„Als ich jünger war, habe ich alles gespielt“ – Michael van Gerwen zweifelt an Luke Littlers Hunger und sieht den größten Unterschied zu sich selbst

PDC
Donnerstag, 17 September 2026 um 17:30
Michael van Gerwen & Luke Littler
Michael van Gerwen hat sich ausführlich zu Luke Littlers rasantem Aufstieg geäußert. Der Niederländer respektiert die Leistungen der aktuellen Nummer eins der Welt, hält einen direkten Vergleich mit seiner eigenen Karriere jedoch nur eingeschränkt für sinnvoll. Vor allem beim Turnierprogramm und bei der Motivation erkennt der dreifache Weltmeister deutliche Unterschiede.
Im Gespräch mit Oche180 erklärte Van Gerwen, dass Littlers Erfolge für ihn keine zusätzliche Motivation darstellen. Der 37-Jährige wolle sich nicht darauf konzentrieren, den jungen Engländer an weiteren Titeln zu hindern. Stattdessen müsse er sein eigenes Spiel verbessern, um Littler auf der Bühne tatsächlich gefährlich werden zu können.
„Nicht wirklich. Ich schaue einfach auf mich. Es wäre seltsam, wenn ich jetzt dies oder das herausposaunen würde. Ich konzentriere mich auf mich und meine eigenen Leistungen. Wenn ich gut spiele, kann ich ihn fordern. Das weiß ich. Nur darum muss ich mir Gedanken machen.“

Van Gerwen scherzt über Netflix-Show

Trotz seiner klaren Haltung gegenüber direkten Vergleichen zeigt Van Gerwen große Anerkennung für Littlers Leistungen. Der Engländer hat sich innerhalb kürzester Zeit an die Spitze des PDC-Circuits gespielt. Deshalb vergleichen ihn viele Beobachter bereits mit Van Gerwens stärksten Jahren oder mit der außergewöhnlichen Dominanz von Phil Taylor.
Van Gerwen hält solche Vergleiche über verschiedene Generationen hinweg für schwierig. Die Rahmenbedingungen hätten sich verändert, zudem unterschieden sich die Spieler und ihre Karrieren deutlich voneinander. „Es sind völlig unterschiedliche Epochen, denke ich. Aber versteht mich nicht falsch: Was er für den Sport und für sich selbst leistet, ist absolut großartig.“
Michael van Gerwen posiert bei den World Masters mit der World Masters-Trophäe.
Van Gerwen gewann in seiner Karriere sage und schreibe 49 Major-Titel.
Auch abseits der großen PDC-Turniere steht Littler derzeit im Mittelpunkt. Netflix produziert mit Beat Luke Littler eine Show, in der Amateure gegen den Weltmeister antreten können. Die Herausforderung besteht darin, Littler in einem einzelnen Leg von 501 Punkten zu bezwingen. Dem Sieger winkt ein Preisgeld von 501.000 Pfund. Die Sendung soll am 30. Oktober live auf Netflix ausgestrahlt werden.
Van Gerwen hat von dem Format gehört und reagierte mit einem Augenzwinkern. Er verwies auf Berichte, wonach nicht jeder Bewerber für die Challenge zugelassen werde. Zu starke Spieler sollen demnach bereits bei der Auswahl aussortiert werden.
„Ich habe davon gehört, aber nicht jeder darf mitmachen. Sie schicken Leute weg, die etwas zu gut sind und so weiter. Das ist schon ein bisschen speziell.“
Anschließend brachte Van Gerwen seinen ehemaligen Tourkollegen und engen Freund Vincent van der Voort ins Spiel. Der Niederländer könne schließlich selbst ein ordentliches Leg spielen und vielleicht die Chance auf das hohe Preisgeld nutzen.
„Sonst schicke ich Vincent für eine halbe Million. Dann teilen wir das Geld. Komm, ein Leg, hol ihn!“, scherzte Van Gerwen.
Ganz unmöglich hält er einen Erfolg gegen Littler allerdings nicht. In einem einzelnen Leg könne ein Amateur mit einem starken Start Druck aufbauen. Dafür müsse er jedoch sofort hohe Scores werfen und dürfe Littler keine Zeit geben, in seinen Rhythmus zu finden.
„Ein Leg, natürlich ist das möglich. Aber sie müssen gut starten. Wenn du einfach nur ein Amateur bist, ist das schon eine Herausforderung. Wenn du die Chance bekommst, gegen ihn zu spielen, musst du sofort sehr gut beginnen, um Druck zu machen. Natürlich geht es, aber die Wahrscheinlichkeit ist klein.“

„Ich war hungriger als Luke“

Besonders deutlich wurde Van Gerwen beim Vergleich zwischen seinem eigenen Aufstieg und Littlers Entwicklung. Auch der Niederländer schaffte bereits in jungen Jahren den Sprung an die Weltspitze und dominierte den PDC-Circuit später über mehrere Saisons. Dennoch sieht er einen entscheidenden Unterschied zwischen seinem jüngeren Ich und Littler.
Van Gerwen habe in seinen ersten Jahren auf der PDC Pro Tour nahezu jedes mögliche Turnier spielen wollen. Littler gehe mit seinen Einsätzen offenbar bewusster um und lasse manche Veranstaltungen aus.
„Ich glaube, dass ich, als ich jünger war, hungriger war als Luke. In meinem ersten, zweiten oder dritten Jahr habe ich alles gespielt. Wenn ich die Augen aufmachte, wollte ich zur Pro Tour. Luke denkt manchmal: Ich will eigentlich nicht hin. Wir sind völlig unterschiedliche Typen, also kann man das nicht vergleichen.“
Auch die Darts-Welt selbst habe sich stark verändert. Littler steht in einer Zeit im Rampenlicht, in der soziale Medien, Streaming und das kommerzielle Interesse am Sport deutlich größer sind. Ein direkter Vergleich der Karrieren sei deshalb kaum möglich.
Van Gerwen weiß dennoch, dass er auf seinem besten Niveau weiterhin zu den gefährlichsten Spielern der Welt gehört. Seine Saison 2016 gilt als eine der stärksten Spielzeiten der Darts-Geschichte. Auf die Frage, wann diese Version von ihm zurückkehren könne, antwortete der Niederländer mit Selbstironie:
„Erst muss ich meine Darts wieder gerade werfen, dann kommt der Rest.“
Ein Duell zwischen dem Van Gerwen von 2016 und dem heutigen Littler bleibt damit reine Theorie. Chancenlos würde sich „Mighty Mike“ allerdings nicht sehen: „Natürlich würde ich ihn auch oft schlagen. Vor allem in den entscheidenden Momenten.“
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