Luke Littler hat 2026 bislang alle sechs Premier-Events der PDC gewonnen und bei seinen beiden bisherigen Teilnahmen an den World Series of Darts Finals jeweils das Endspiel erreicht. Wer die Nummer eins der Welt in Amsterdam stoppen will, muss daher Außergewöhnliches leisten. Jonny Clayton weiß allerdings ganz genau, wie das geht: Der Waliser hat Littler allein in diesem Jahr bereits dreimal bezwungen.
Nun könnte es erneut zum direkten Duell kommen. Die beiden früheren Champions wurden in dieselbe Turnierhälfte gelost und könnten am Sonntagnachmittag im Viertelfinale aufeinandertreffen. Littler eröffnet sein Turnier gegen Danny Noppert, anschließend würde Nathan Aspinall oder Raymond Smith warten. Clayton bekommt es zunächst mit Maik Kuivenhoven zu tun, ehe Callan Rydz oder Motomu Sakai sein nächster Gegner wäre.
Clayton auf Kollisionskurs mit Littler
Littler krönte sich 2024 gleich bei seinem Debüt zum Champion und erreichte auch im vergangenen Jahr das Finale. Dort musste er sich jedoch Michael van Gerwen geschlagen geben, der vor heimischem Publikum mit 11:7 triumphierte. Claytons bislang einziger Titel in Amsterdam stammt aus seiner herausragenden Saison 2021, in der die World Series Finals einer von insgesamt vier TV-Titeln des Walisers waren.
In Episode 10 des DartsNews Podcasts legten sich sowohl Nicolas Gayer als auch Samuel Gill auf Littler als ihren Favoriten auf den Titel fest. Bei der Frage, welcher Spieler den Weltranglistenersten tatsächlich stoppen könnte, rückte allerdings Clayton besonders in den Fokus. Kieran Wood ging sogar noch einen Schritt weiter und prognostizierte, dass der Waliser Littlers Erfolgsserie bereits vor dem Finale beenden könnte.
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Clayton hat Littler 2026 bereits dreimal geschlagen
„Ich werde nie wieder jemand anderen als Luke Littler tippen, denn das war offenbar die letzte Lektion, die ich lernen musste“, räumte Gayer mit Blick auf seinen gescheiterten Versuch ein, beim World Matchplay gegen die Nummer eins der Welt zu setzen. „Um das vorwegzunehmen: Ich nehme selbstverständlich Luke Littler als meinen Titelträger. Aber wir können auch unsere beste Nicht-Littler-Leistung küren, was 2026 eine großartige Kategorie im Darts ist.“
Auch Gill geht davon aus, dass Littler Amsterdam mit der Trophäe verlassen wird – allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung. „Wenn jemand Luke Littler schlägt, dann Jonny Clayton“, erklärte er. „In der unteren Turnierhälfte ist er für mich einer der Spieler, die aus dem Nichts ein Topniveau abrufen und liefern können, wenn es am meisten zählt.“
Clayton gewann drei der ersten vier Duelle mit Littler in der Premier League 2026. In Glasgow fertigte er den Weltmeister mit 6:1 ab, in Belfast folgte ein 6:4-Erfolg und im Finale von Rotterdam setzte sich der Waliser erneut mit 6:4 durch.
Jonny Clayton erwies sich 2026 bereits dreimal als Stolperstein für Luke Littler – nun könnte es in Amsterdam zum nächsten Duell der beiden kommen.
Anschließend drehte Littler das direkte Duell und schloss die Premier-League-Saison mit einer 4:3-Siegbilanz gegen Clayton ab. Dafür sorgten Erfolge mit 6:4 in Cardiff, 6:1 in Liverpool, 6:5 in Leeds und 6:0 in Birmingham. Dennoch gehört Clayton gemeinsam mit Luke Humphries, Gerwyn Price und Gian van Veen zu jener kleinen Gruppe von Spielern, denen es wiederholt gelungen ist, Littlers Dominanz auf der TV-Bühne zu durchbrechen.
Der frühere Champion der Premier League, des World Grand Prix, des Masters und der World Series Finals bewies zudem erst im vergangenen Monat seine starke Form. Beim New Zealand Darts Masters setzte sich Clayton im Finale mit 8:4 gegen Price durch und sicherte sich damit seinen zweiten individuellen Titel auf der World Series.
Wood traut Clayton nun sogar zu, Littler in einem möglichen Viertelfinale aus dem Turnier zu werfen. „Ich tippe darauf, dass Jonny Clayton Luke Littler schlägt – und Luke Littler nicht einmal das Finale erreicht“, sagte er.
Claytons Auslosung, seine erfolgreiche Vergangenheit in Amsterdam und die drei Siege gegen Littler in diesem Jahr sorgen damit für eine brisante Konstellation: Der Champion von 2021 befindet sich auf Littlers Weg zu einem weiteren Titel unmittelbar auf Kollisionskurs mit der Nummer eins der Welt.
„Dann ist die Jagdsaison eröffnet“
Littler reist zudem ausgeruhter nach Amsterdam als einige seiner größten Konkurrenten. Der Weltmeister hatte seine Teilnahme an der Flanders Darts Trophy am vergangenen Wochenende abgesagt. James Wade und Ross Smith absolvierten in Antwerpen dagegen jeweils sechs Partien auf ihrem Weg ins Finale, während van Gerwen nach seiner Auftaktniederlage gegen Damon Heta erneut früh die Segel streichen musste.
Gill stellte deshalb die Frage, wie groß die Motivation einiger Spieler für ein Turnier ohne Einfluss auf die Weltrangliste tatsächlich ist – insbesondere angesichts des eng getakteten Kalenders zwischen aufeinanderfolgenden Events der European Tour und den bevorstehenden Ranking-Majors. „James Wade vielleicht, aber ich finde, Littler hält die Balance gut“, sagte er mit Blick auf mögliche Herausforderer. „Er spielt nicht zu viel, und viele andere stehen seit Wochen im Dauereinsatz.“
„Die Debatte über die European Tour und Spieler, die sie links liegen lassen, haben wir immer wieder. Doch Akteure wie Luke Littler und Luke Humphries schaffen es, sich nach vorne zu spielen. Dann sind da Spieler wie Michael van Gerwen, die weiter durchspielen, wo es vielleicht etwas zäh wird“, fuhr Gill fort. „Aber van Gerwen hat letztes Jahr gezeigt, als er völlig außer Form war und trotzdem gewann, dass er es kann.“
Bereits ab dem 28. September steht in Leicester der World Grand Prix auf dem Programm. Anschließend folgen mit der European Championship, dem Grand Slam und den Players Championship Finals weitere große Turniere, bevor sich schließlich alles auf die Weltmeisterschaft im Alexandra Palace richtet.
„Für mich sind es die Motivationslevel“, führte Gill aus. „Willst du dich wirklich für ein ungeranktes Turnier aufraffen, wenn der World Grand Prix vor der Tür steht, danach die European Championship und die Players Championship Finals, für die man sich qualifizieren will? Welche Priorität hat das bei den Spielern? Vielleicht braucht es künftig ein Update, auch das ist ein Diskussionspunkt. Luke Littler wird gewinnen, wenn er motiviert ist – und wenn nicht, ist die Jagdsaison eröffnet.“
Littler bezwang 2024 Michael Smith und sicherte sich damit bei seinem Debüt den Titel. Im vergangenen September erreichte er erneut das Endspiel, musste sich dort allerdings van Gerwen geschlagen geben. Ein weiterer Triumph in Amsterdam würde zugleich bedeuten, dass seine perfekte Serie bei den Premier-Events der PDC im Jahr 2026 bestehen bleibt.
Ross Smith und Gian van Veen als Kandidaten für einen tiefen Lauf
Abseits von Littler setzt Gayer vor allem auf Ross Smith. Der frühere Europameister erreichte in Antwerpen sein bereits viertes Finale auf der European Tour in dieser Saison und befindet sich damit weiterhin in starker Verfassung.
Smith hat 2026 bereits zwei Turniere auf der European Tour gewonnen und führt die dortige Order of Merit mit deutlichem Vorsprung an. Damit befindet er sich auf Kurs, im Oktober als Nummer eins der Rangliste in die European Championship zu starten. Seine Mission in Amsterdam beginnt gegen Kevin Doets, ehe im Viertelfinale ein mögliches Duell mit van Gerwen warten könnte.
„Ich habe Ross Smith gewählt, weil er in der oberen Hälfte ist“, erklärte Gayer. „Er könnte frühestens im Finale auf Littler treffen, und ich sehe ihn als den stärksten Akteur aus dieser oberen Hälfte und als die beste Leistung neben Littler.“
Wood richtet seinen Blick dagegen auf van Veen. Der Niederländer erreichte bei der Flanders Darts Trophy das Halbfinale und zeigte dabei wieder einen Teil jener Form, die ihn im Januar bis ins Finale der Weltmeisterschaft getragen hatte.
„Ich habe mich rein wegen seiner Auftritte am Wochenende für Gian van Veen entschieden“, erklärte Wood. „Er scheint wirklich wieder zu der Form zurückgekehrt zu sein, die er Ende des vergangenen Jahres und zu Beginn dieses Jahres hatte, bevor die Nierenstein-Problematik kam.“
„Ich denke einfach, er trifft seinen Topform-Zeitpunkt genau richtig. Schaut man auf seine Auslosung, spielt er zuerst gegen Chris Dobey, der keine überragende Saison hat. Gewinnt er das, warten Karel Sedlacek oder Ben Robb, und danach dürfte im Viertelfinale Luke Humphries kommen“, führte Wood weiter aus. „Er hat eine gute TV-Bilanz gegen Humphries, und ich glaube, da könnte sich etwas öffnen.“
Van Gerwen, Stephen Bunting und Price stehen unterdessen ebenfalls früh vor anspruchsvollen Aufgaben. Ihre Auftaktgegner heißen Daryl Gurney, Josh Rock beziehungsweise Brody Klinge. Auch Littlers erstes Duell mit Noppert ist keineswegs ein Selbstläufer. Doch der bisherige Verlauf des Jahres 2026 hat die Perspektive längst verschoben: Bei einer Auslosung mit Littler stellt sich weniger die Frage, wen der Weltranglistenerste schlagen muss, sondern vielmehr, wer ihn überhaupt stoppen kann.
Clayton hat darauf in diesem Jahr bereits dreimal eine Antwort geliefert. Gewinnen beide in Amsterdam ihre ersten beiden Partien, treffen die früheren Champions am Sonntag im Viertelfinale erneut aufeinander. Dann geht es nicht nur um einen Platz im Halbfinale – auch Littlers makellose Bilanz bei den Premier-Events der PDC im Jahr 2026 steht unmittelbar auf dem Spiel.
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.