Das Aus bei
Michael van Gerwen beim
World Matchplay hat laut
Kim Huybrechts mehr offengelegt als nur eine verlorene Partie.
Der Belgier erkennt, dass der Niederländer in engen Duellen immer seltener selbstverständlich den längeren Atem hat und meint, dass sich auch seine Ausstrahlung auf der Tour verändert hat. Dennoch zweifelt Huybrechts nicht daran, dass der dreifache Weltmeister weiterhin in der Lage ist, die größten Titel zu gewinnen.
Van Gerwen scheiterte am Dienstag im Viertelfinale des
World Matchplay nach einer 12:14-Niederlage gegen Dirk van Duijvenbode. Durch dieses Aus fällt der Brabanter erstmals seit Dezember 2012 aus den Top Vier der PDC Order of Merit.
Huybrechts genoss das niederländische Duell in Blackpool, in dem das Momentum ständig kippte. „Zuerst dachtest du: Spieler A gewinnt, dann wieder Spieler B“, sagte er
bei Sportnieuws. Es ging in alle Richtungen. Chancen vergeben, der andere nutzt es nicht, dann wieder umgekehrt. Wirklich so ein Pingpong-Match.
„Das ist vielleicht ein bedenklicher Punkt“
Laut dem Belgier wurde das Duell am Ende über einen Aspekt entschieden, in dem Van Gerwen jahrelang besonders herausstach.
Van Gerwen hat sich in seiner Karriere den Ruf erarbeitet, gerade unter maximalem Druck seine besten Darts zu spielen. Huybrechts sieht jedoch, dass sich das langsam ändert. „Michael ist einer der Könige darin, enge Spiele zu gewinnen.“
Dennoch beobachtet er eine Entwicklung, die ihm Sorgen bereitet. „Aber die Münze fällt immer seltener auf seine Seite. Das ist vielleicht ein bedenklicher Punkt.“
Nach Ansicht von Huybrechts beeinflusst das auch, wie Gegner Van Gerwen heute sehen. „Früher wusstest du: Ich muss ein Weltklasse-Match spielen, um Michael zu schlagen. Jetzt denken die Spieler: Wenn ich einfach gut spiele, kann ich Michael auch schlagen.“
„Er lebt nicht mehr nach diesem Hunger“
Trotz der nachlassenden Ergebnisse glaubt Huybrechts nicht, dass das Problem im Talent oder in der Qualität von Van Gerwen liegt. Aus Sicht des Belgiers geht es inzwischen vor allem um die Entscheidungen, die der Niederländer abseits der Bühne trifft.
„Ich denke schon, dass Michael noch hungrig ist, aber er lebt nicht mehr nach diesem Hunger.“ Huybrechts betont dabei, dass Van Gerwen jedes Recht hat, das Leben mehr zu genießen, weist aber auch auf die Folgen hin. „Er genießt das Leben jetzt zu sehr, denke ich. Was auch vollkommen sein Recht ist.“
Laut dem Belgier verlangt ein Leben an der absoluten Weltspitze nun einmal große Opfer. „Er hat zwanzig Jahre lang alles für Darts geopfert und für seine Familie gelebt. Aber man kann nicht erwarten, dass man, während man ausgiebig Feiern, Urlaube und das freie Leben genießt, gleichzeitig jede Woche auf Topniveau performt.“
Deutlicher Unterschied seit der Trennung
Huybrechts erkennt auch eine Veränderung im Lebensstil von Van Gerwen seit dessen Trennung. „Ich glaube, dass Michael, seit er Single ist, das Leben viel mehr genießt.“
Damit wolle er kein Werturteil fällen, betont der Belgier, doch seiner Meinung nach gehört dazu eine Entscheidung. „Aber du musst hart arbeiten, um an der Spitze zu bleiben. Das ist am Ende eine Wahl, die nur Michael selbst treffen kann.“
Vertrauen in neue Weltmeisterschaft bleibt
Trotz seiner kritischen Analyse ist Huybrechts überzeugt, dass Van Gerwen noch lange nicht abgeschrieben ist. Der Belgier glaubt, dass der Niederländer weiterhin die Qualitäten besitzt, um erneut einen WM-Titel oder andere große Trophäen zu holen.
„Er droht auf eine Position zu fallen, auf der er noch nie stand. Aber das bedeutet nicht, dass er kein Weltmeister mehr werden kann. Diese Qualitäten hat er noch immer.“