Der Empfang für
Luke Littler am elften Spieltag der
Premier League Darts in Rotterdam hat erneut eine Debatte über Buhrufe im Darts ausgelöst. Während der 19-jährige Weltmeister dort auf teils kritische Reaktionen aus dem Publikum traf, ordnete
Gabriel Clemens die Situation nun aus der Perspektive eines aktiven Profis ein – und zeigte sich dabei deutlich gelassener, als viele Beobachter erwarten würden.
Im
Podcast Darts auf die 1 sprach der „German Giant“ gemeinsam mit
Robert Marijanovic und
Marcel Althaus über die Wirkung von Pfiffen auf der Bühne – und darüber, warum solche Situationen für Spieler oft weniger dramatisch sind, als sie von außen wirken.
„Ob Buhen oder Jubeln – es ist einfach laut“
Clemens kennt entsprechende Szenen aus eigener Erfahrung. „In Holland wurde ich mal ausgepfiffen, da habe ich gegen Gian van Veen gespielt. Das war schon ein bisschen ungemütlich – aber ich habe gewonnen, von dem her war alles gut“, sagte er mit einem Lachen.
Gabriel Clemens ordnet im Podcast „Darts auf die 1“ die Pfiffe gegen Luke Littler ein – und erklärt, warum Buhrufe für Profis häufig kein entscheidender Faktor sind
Grundsätzlich misst der deutsche Topspieler Buhrufen jedoch keine allzu große Bedeutung bei. „Das ist gar nicht schlimm. Im Endeffekt ist es einfach nur laut – ob jetzt Buhen oder Jubeln.“
Aus seiner Sicht gibt es andere Formen der Störung, die deutlich problematischer sind. „Das Einzige, was stört, sind diese Zwischenrufe oder das Pfeifen – oder wenn sie Geld auf die Bühne werfen. Das kam ja auch schon vor. Wenn sie wenigstens Scheine werfen würden“, scherzte Clemens. „Es ist wirklich nur diese Zwischenpfeiferei, die stört. Alles andere – ob lautes Buhen oder lautes Jubeln – ist relativ egal.“
Seine Einschätzung passt zu den Eindrücken aus Rotterdam, wo Littler zwar beim Walk-on kritisch empfangen wurde, während der entscheidenden Momente im Match jedoch weitgehend faire Bedingungen herrschten. Auch Marcel Althaus ordnete die Situation entsprechend ein: „Das Ausbuhen am Anfang – er hatte Stress mit Gian van Veen, klar, dann kann ich das verstehen. Dieses Jubeln bei jedem Dart, der nicht in der Triple-20 ist, finde ich ein bisschen unnötig. Es wurde aber nicht extrem gepfiffen, wenn er auf die Doppel geworfen hat – also in das ganz Unfaire ging es eher nicht.“
Erfolg bringt Gegenwind
Für Clemens ist Littlers Situation zudem kein ungewöhnliches Phänomen. Vielmehr sieht er darin ein typisches Muster im Spitzensport. „Ist es nicht auch ein bisschen deswegen, weil er halt so dominiert oder so stark ist? Phil Taylor war zu seiner Prime ziemlich unbeliebt, Michael van Gerwen ähnlich, Gerwyn Price in seinen besten Jahren genauso. Die Leute wollen halt immer diesen Underdog gewinnen sehen.“
Dass sich die Wahrnehmung eines Spielers im Laufe der Karriere verändern kann, bestätigte auch Althaus. „Ja, bis er halt kein Underdog mehr ist. Dann dreht sich das wieder um. Genau wie bei van Gerwen: Bevor er seinen Durchbruch hatte 2012, 2013, war er auch der Gefeierte. Wenn du dann vier, fünf Jahre die Nummer eins bist, wird das weniger.“
Auch Marijanovic stellte klar, welchen Status Littler inzwischen im Sport erreicht hat. „Dieses Bashing von Littler finde ich ein bisschen übertrieben. Sind wir doch mal ehrlich: Du hast die Auswahl zwischen zwei Exhibitions – auf der einen ist Gian van Veen, auf der anderen Luke Littler. Egal, wie sehr du ihn nicht magst: Du gehst trotzdem zu Littler, weil er aktuell einfach der absolute Topstar ist. Er hat diesen Sport schon ganz schön nach oben gehoben.“