„Es ist Teil des Jobs“ – Nach Pfiffen in Sindelfingen: Martin Schindler bezieht Stellung zur Debatte um deutsche Fans

PDC
durch Nic Gayer
Mittwoch, 22 April 2026 um 14:00
Martin Schindler (3)
Pfiffe während der Partie zwischen Gerwyn Price und Dave Chisnall sorgten beim European Darts Grand Prix 2026 in Sindelfingen erneut für Diskussionen. Schiedsrichter Huw Ware sah sich sogar gezwungen einzugreifen und kündigte an, in Austausch mit dem Sicherheitspersonal zu stehen, um störende Zuschauer konsequent aus der Halle entfernen zu lassen. Damit trat ein Thema erneut in den Fokus, das den Dartsport seit geraumer Zeit begleitet.
Zuletzt hatte auch Keith Deller deutliche Kritik am deutschen Publikum geäußert und sogar infrage gestellt, ob weiterhin so viele European-Tour-Events in Deutschland stattfinden sollten. In Sindelfingen nahm nun Martin Schindler im Exklusiv-Interview mit Dartsnews.de (YouTube) Stellung zur Rolle der Fans – und ordnete sowohl Unterstützung als auch Buhrufe differenziert ein.

„Das Publikum kann helfen – aber es macht es nicht automatisch leichter“

Schindler gehört zu den Spielern, die auf der European Tour regelmäßig außergewöhnlich starken Rückhalt vom Publikum erfahren. Dennoch sieht er die Wirkung der Fans differenziert. „Es ist schwierig, das in Zahlen auszudrücken“, erklärte die deutsche Nummer eins. „Es spricht auf jeden Fall dafür, dass es durch das Publikum sein kann, dass Gegner gegen mich prozentual häufiger auf Doppel vorbeiwerfen oder Ähnliches.“
Martin Schindler feiert vor den Fans im Sindelfinger Glaspalast – kaum ein Spieler wird auf der European Tour so lautstark unterstützt wie die deutsche Nummer eins
Martin Schindler feiert vor den Fans im Sindelfinger Glaspalast – kaum ein Spieler wird auf der European Tour so lautstark unterstützt wie die deutsche Nummer eins
Gleichzeitig relativiert er diesen Effekt mit Blick auf seine eigene Entwicklung. „Wenn ich mir die Vergangenheit anschaue: Erst ab einem Punkt haben sie das getan – als ich selber angefangen habe, besser zu spielen und erfolgreicher zu sein. Also ich würde es jetzt nicht immer prinzipiell aufs Publikum schieben.“
Dass Stimmung im Dartsport nicht immer einseitig positiv ausfällt, gehört für ihn ohnehin zum Alltag auf der Tour. „Ich habe auch schon in England gespielt, da haben mich die Fans ausgebuht. Es ist Teil des Jobs, es gehört einfach dazu. Man muss als Spieler lernen, damit umzugehen.“
Gerade internationale Spieler würden die Situation in Deutschland aus seiner Sicht manchmal missverstehen. „Ich habe viele andere Spieler darüber lamentieren hören, dass sie es hier teilweise nicht toll finden, wenn sie gegen Deutsche spielen und ausgepfiffen werden“, sagte Schindler. „Aber ich glaube, sie haben teilweise nicht realisiert: Das hat gar nichts mit ihnen persönlich zu tun – nicht mit der Art, wie sie sind oder wie sie sich verhalten – sondern einfach damit, dass die deutschen Fans wollen, dass ein Deutscher so weit wie möglich nach vorne kommt.“

Heimvorteil: die zwei Seiten der Medaille

Schindler betont, dass der enorme Zuspruch der Fans auch Ausdruck der starken Entwicklung des Dartsports in Deutschland ist. „Wir haben eine super große Nachfrage nach Darts hier im Land. Man sieht es an der European Tour, man sieht es an den Galas – die Leute haben Bock auf Darts hier“, erklärte er.
Gleichzeitig sieht er den Heimvorteil nicht ausschließlich als Vorteil. „Man will dem Ganzen natürlich auch immer gerecht werden, ich versuche immer mein Bestes“, sagte Schindler. „Aber es macht das Spiel natürlich nicht einfacher, wenn man weiß: Heute sind hier 3.500 Leute für dich – und man merkt dann, die Triple-20 ist heute das schwerste Feld der Welt. Das macht es nicht einfacher.“
Klatscht 1Besucher 1
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading