Der
Premier-League-Darts-Abend im Rotterdam Ahoy hätte aus Sicht vieler niederländischer Fans zu einem besonderen Heimspiel werden können. Stattdessen blieb vor allem Ernüchterung zurück – zumindest nach Einschätzung von
Vincent van der Voort.
Nicht nur schieden mit
Michael van Gerwen und
Gian van Veen beide niederländischen Teilnehmer früh aus, auch die Atmosphäre in der Halle konnte den früheren Erwartungen aus seiner Sicht nicht gerecht werden. Im Podcast
Darts Draait Door sprach van der Voort offen über einen Abend, der für ihn eher wie ein Antiklimax wirkte.
Publikum fokussiert sich auf Littler statt auf Local Heroes
Mit van Gerwen und van Veen auf der Bühne hatten viele Zuschauer auf einen starken niederländischen Auftritt gehofft. Doch beide unterlagen deutlich mit 2:6. Van der Voort fand dafür klare Worte. „Mit der niederländischen Beteiligung endete es natürlich zweimal 2:6, das war schon nicht viel. Und beide auch noch klar untergegangen.“
Gian van Veen und Michael van Gerwen schieden beim Premier-League-Abend in Rotterdam früh aus – Vincent van der Voort hatte sich mehr Unterstützung für die beiden Niederländer erhofft
Gleichzeitig erkannte er die starken Leistungen der Gegner an. „Ich denke, dass Clayton gegen van Gerwen großartig war und dass Humphries auch gut gegen van Veen war.“ Dennoch überwog für ihn die Enttäuschung darüber, dass die heimischen Spieler ausgerechnet vor eigenem Publikum nicht für eine Überraschung sorgen konnten. „Aber ja, wir hatten uns natürlich etwas mehr erhofft, das auf jeden Fall.“
Nach Einschätzung van der Voorts stand der gesamte Abend jedoch unter einem anderen Eindruck: den Pfiffen gegen
Luke Littler. Der junge Engländer war bereits zuvor Ziel kritischer Reaktionen gewesen – und auch in Rotterdam setzte sich das fort.
„Ja, das wirkte ein bisschen so, als hätte das den ganzen Abend beherrscht“, erklärte van der Voort. „Anstatt hinter den Niederländern zu stehen und daraus einen richtig schönen Abend zu machen. Sobald wir Littler sahen, wurde gepfiffen.“
Für ihn bedeutete das eine verpasste Gelegenheit. Statt einer stimmungsvollen Dartsnacht mit klarer Unterstützung für die eigenen Spieler habe sich die Aufmerksamkeit fast vollständig auf einen einzelnen Akteur konzentriert.
Gerade für van Veen hätte er sich mehr Rückhalt gewünscht. Der Niederländer absolvierte sein Premier-League-Debüt vor heimischem Publikum – erhielt nach Ansicht van der Voorts jedoch nicht die Unterstützung, die einem solchen Moment angemessen gewesen wäre.
„Das darf man ruhig, Littler ausbuhen“, sagte er. „Aber ich hatte eigentlich auch – es war van Veens erstes Mal – ein wenig gehofft, dass sie ein bisschen hinter ihm stehen. Seinen Namen ständig skandieren. Das hat mich enttäuscht.“
Auch van Gerwen, über Jahre hinweg einer der größten Publikumslieblinge im Ahoy, erhielt seiner Wahrnehmung nach deutlich weniger Unterstützung als früher. „Bei Michael war es auch viel weniger als normal.“
Verändertes Publikum
Van der Voort sieht die Ursache für diese Entwicklung vor allem im veränderten Publikum. Während in den ersten Jahren überwiegend leidenschaftliche Dartsfans die Halle gefüllt hätten, bestehe das Publikum heute häufiger aus Besuchern, die das Event als allgemeines Unterhaltungserlebnis wahrnehmen.
„Das wird wohl damit zu tun haben, dass man dieses Publikum von früher weniger hat. Die Leute wollen einfach mal so einen Abend miterleben.“
Damit gehe ein Teil jener besonderen Atmosphäre verloren, für die Rotterdam lange Zeit international bekannt gewesen sei. „In den ersten paar Jahren im Ahoy waren da wirklich die niederländischen Dartsfans. Die sorgten für richtige Stimmung. Alle sagten, so etwas hätten sie noch nie erlebt.“
Selbst innerhalb der internationalen Dartszene habe die Stimmung damals Eindruck hinterlassen. „Auch die englischen Manager sagten: wow. Die PDC sagte: Was passiert hier denn. Das ist jetzt nicht mehr so.“
Nach Einschätzung van der Voorts hat sich der Charakter der Veranstaltung spürbar verändert. „Das ist eben anders. Dann beschäftigen sie sich die ganze Zeit mit Littler.“ Wo früher der Sport stärker im Mittelpunkt gestanden habe, sei der Abend heute häufiger ein Eventcharakter mit Ausgehfaktor. Das wirke sich unmittelbar auf die Atmosphäre aus.
„Das können wir normalerweise“
Dennoch glaubt er weiterhin daran, dass die besondere Stimmung früherer Jahre zurückkehren kann. „Aber sie hätten besser den ganzen Abend daraus ein Fest machen können. Wofür die Niederländer auch bekannt sind. Das können wir normalerweise auch.“
Eine konkrete Lösung präsentierte van der Voort zwar nicht, brachte jedoch eine mögliche Maßnahme ins Gespräch. Entscheidend sei weniger der Veranstaltungsort als vielmehr die Zusammensetzung des Publikums.
„Ich glaube nicht, dass es mit dem Veranstaltungsort zu tun hat. Sondern mit den Leuten, die ein Ticket kaufen.“
Vorstellbar wäre aus seiner Sicht ein Modell, bei dem treue Besucher oder Mitglieder von Dartsorganisationen früher Zugang zu Tickets erhalten. „Dass man zum Beispiel Mitglied in einem Dartverband ist. Dass man dann früher eine Karte bekommt.“
Sein Wunsch ist klar formuliert: mehr leidenschaftliche Dartsfans auf den Rängen. „Ich hoffe natürlich, dass mehr Dartspublikum kommt. Dann bleibe ich bei den ersten zwei, drei Jahren. Das war dort wirklich ein Fest.“
„Das wäre das Schönste gewesen“
Trotz seiner Kritik am Publikum würdigte van der Voort zugleich die Leistung Littlers unter schwierigen Bedingungen. Der Engländer habe sich trotz der feindlichen Atmosphäre bemerkenswert behauptet. Aus sportlicher Sicht hätte ein Turniersieg für ihn sogar eine besonders reizvolle Geschichte ergeben. „Das wäre für den ganzen Abend das Schönste gewesen.“
Gemeint war ein Szenario, in dem Littler trotz der Widerstände den Abend für sich entscheidet. „Alle waren gegen ihn. Vielleicht hat er sich vor ein paar Wochen nicht gut benommen. Aber das wäre eine schöne Sportgeschichte gewesen.“
Im Finale schien sich diese Geschichte zunächst anzudeuten. „Ich dachte im Finale, am Anfang, wow. Er legt wieder so ein Match hin.“ Am Ende setzte sich jedoch Jonny Clayton durch. „Nur er brach ein und Clayton gewann das Match.“