Die PDC prüft gemeinsam mit sozialen Medienplattformen Möglichkeiten, Topspieler besser vor Online-Missbrauch zu schützen. Anlass sind die jüngsten Aussagen von Weltmeister
Luke Littler, der offen berichtete, dass ihn die anhaltende Kritik, sowohl in der Halle als auch online, zeitweise an seiner Zukunft im Sport zweifeln ließ.
PDC-Chef
Matt Porter bestätigte, dass Gespräche mit verschiedenen Plattformen und Anbietern von Filtersystemen laufen, die
verletzende Nachrichten automatisch abfangen können, bevor Spieler sie zu sehen bekommen. Laut Porter ist der Einfluss sozialer Medien auf die mentale Gesundheit von Sportlern nicht länger zu ignorieren.
„Soziale Medien spielen ohne Zweifel eine große Rolle in der mentalen Wahrnehmung von Sportlern. Jeder geht damit auf seine eigene Weise um“, so Porter. „Es kann ein starkes Mittel sein, um den Kontakt zu Fans und Sponsoren zu halten, aber es wird problematisch, wenn Spieler ständig mit Beleidigungen und Drohungen konfrontiert werden.“
Littler dachte ans Aufhören
Die Debatte flammte erneut auf, nachdem Luke Littler in der vergangenen Woche nach seinem Sieg in der Premier League Darts zugab, dass es in der Saison Momente gab, in denen
er aufhören wollte. Der 19-jährige Engländer wurde im Laufe des Jahres regelmäßig mit Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum konfrontiert. Auch online war er häufig Zielscheibe negativer Reaktionen.
Littler zufolge wurde der Druck mitunter so groß, dass er zu Hause seine Zweifel äußerte. „Es gab Momente, in denen ich zu Faith sagte: ‚Ich kann das nicht mehr.‘“
Obwohl der junge Weltmeister inzwischen bewiesen hat, dem Druck der Weltspitze standzuhalten, machen seine Aussagen deutlich, dass selbst die größten Stars nicht immun sind gegen die Folgen ständiger Kritik und Online-Hass.
Neue Technologien sollen Spieler schützen
Die PDC prüft nun verschiedene Möglichkeiten, um Spieler besser zu schützen. Dabei wird unter anderem an fortschrittliche Filter gedacht, die schädliche Nachrichten automatisch blockieren oder verbergen, bevor sie den Posteingang eines Spielers erreichen.
„Wir haben Gespräche mit Anbietern geführt, die sich auf das Filtern von Online-Nachrichten für reichweitenstarke Accounts spezialisiert haben“, erklärte Porter. „Ziel ist es sicherzustellen, dass Spieler bestimmte schädliche Inhalte schlicht nicht mehr zu Gesicht bekommen. Das kann für ihr mentales Wohlbefinden einen großen Unterschied machen.“
Dennoch betont der PDC-Boss, dass er es lieber sähe, wenn solche Maßnahmen nicht nötig wären. „Es ist eigentlich traurig, dass wir an diesem Punkt angekommen sind, an dem wir über solche Lösungen nachdenken müssen. Aber die Realität ist, dass wir unsere Spieler schützen müssen.“
Matt Porter ist seit vielen Jahren CEO der PDC
Nicht nur Littler
Luke Littler ist nicht der einzige Darter, der offen über die Auswirkungen von Online-Missbrauch gesprochen hat. Auch Stephen Bunting zeigte zuvor bei einer Pressekonferenz der Darts-WM seine Emotionen, als er über die Menge negativer Nachrichten berichtete, die er über soziale Medien erhielt.
Für viele Spieler stammt die Kritik nicht nur von enttäuschten Fans, sondern auch von Wettenden, die Geld auf Partien verloren haben. Vor allem nach überraschenden Ergebnissen sehen sich Darter regelmäßig Beschimpfungen, Drohungen und persönlichen Angriffen ausgesetzt.
Die leichte Erreichbarkeit über soziale Medien sorgt dafür, dass Sportler unmittelbar adressiert werden können, was Experten zufolge sowohl Vorteile als auch Risiken mit sich bringt.
Breiteres Problem in der Sportwelt
Das Problem beschränkt sich längst nicht mehr auf Darts. In nahezu jeder Spitzensportart wird über die zunehmende Menge an Online-Hass gegenüber Athleten gesprochen. Ein jüngstes Beispiel kam aus dem Frauenfußball, wo die englische Nationalspielerin Jess Carter beschloss, Abstand von sozialen Medien zu nehmen, nachdem sie während der Europameisterschaft mit rassistischen Reaktionen konfrontiert worden war.
Ihre Teamkollegin Lucy Bronze forderte die Social-Media-Unternehmen anschließend auf, härter gegen Nutzer vorzugehen, die sich der Online‑Belästigung schuldig machen. Laut Bronze dürfen Menschen nicht ungestraft beleidigende oder rassistische Nachrichten versenden.
Signal an die Dartswelt
Mit den nun geführten Gesprächen scheint der Dachverband ein klares Signal zu setzen: Die mentale Gesundheit der Spieler erhält innerhalb des Sports einen immer höheren Stellenwert.
Darts hat sich in den vergangenen Jahren zu einem globalen Phänomen entwickelt, bei dem Spieler wie Luke Littler Millionen Follower erreichen und ständig im Rampenlicht stehen. Diese Popularität bietet Chancen, hat aber auch eine Kehrseite.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, welche konkreten Maßnahmen die PDC umsetzen kann. Eines steht jedoch fest: Die Zeit, in der Online-Hass als „Teil des Jobs“ galt, scheint allmählich vorbei. Für immer mehr Sportorganisationen ist der Schutz ihrer Athleten inzwischen genauso wichtig geworden wie die Austragung der Wettbewerbe selbst.