„Die Tränen, das Bitten um Verständnis – ich hoffe, es ist ein Wendepunkt“: Luke Littler hofft auf Versöhnung mit den Fans
PDC
Luke Littler hat sich zum Premier-League-Champion 2026 gekrönt und damit einen der emotionalsten Siege seiner bisherigen Karriere gefeiert. In einem dramatischen Finale setzte sich der Engländer mit 11:10 gegen Titelverteidiger Luke Humphries durch und holte sich die Trophäe zurück, die er in seinem Debütjahr bereits gewonnen hatte.
Der Triumph war für den 19-Jährigen weit mehr als nur ein weiterer Titel. Nach schwierigen Monaten, zahlreichen Rückschlägen und belastenden Reaktionen aus dem Publikum sprach Littler offen darüber, wie sehr ihn die vergangenen Wochen mitgenommen hatten. Nun hofft „The Nuke“, dass sein Erfolg auch eine Wende im Verhältnis zu den Fans markiert.
Dramatisches Finale in der O2 Arena
Die Zuschauer in der ausverkauften O2 Arena in London erlebten einen außergewöhnlichen Finalabend. Alle drei Begegnungen gingen über die maximale Distanz, ehe Littler am Ende die Trophäe in die Höhe stemmen durfte.

Luke Littler präsentierte nach seinem dramatischen 11:10-Finalsieg gegen Luke Humphries stolz die Premier-League-Trophäe 2026 in der Londoner O2 Arena
Im Endspiel spielte der Engländer einen herausragenden Average von 111,67 Punkten, musste gegen einen ebenfalls starken Humphries dennoch bis ins Entscheidungsleg. Nachdem er das Single-Segment bei 54 Restpunkten zunächst verpasst hatte, blieb ihm nur noch ein Dart auf der Doppel-20. Littler behielt die Nerven, traf das entscheidende Doppel und ließ anschließend seinen Emotionen freien Lauf.
„Im Moment kann ich einfach nicht glauben, dass ich’s gewonnen habe“, sagte Littler auf seiner Pressekonferenz. „Es war ein ereignisreicher Abend. Vielleicht das erste Mal in der Geschichte — da muss ich noch mal nachschauen — aber beide Halbfinals und das Finale gingen über jede mögliche Leg-Distanz. Ich bin einfach froh, die Trophäe wieder in den Händen zu halten.“
Von Buhrufen begleitet
Die Premier-League-Saison verlief für Littler alles andere als geradlinig. Nach einem Vorfall mit Gian van Veen in Manchester wurde der Teenager bei zahlreichen Veranstaltungen mit Buhrufen empfangen.
Nach seinem Titelgewinn nutzte er deshalb das emotionale Interview auf der Bühne, um seine Sichtweise mit den Fans zu teilen.
„Ich meine, wenn ich verloren hätte, hätte trotzdem niemand erfahren, was ich auf der Bühne gesagt habe“, erklärte er. „Aber ich glaube, ich musste es einfach rauslassen und es allen sagen. Ich denke, dies war der richtige Zeitpunkt. Wie du gesagt hast, ich musste es einfach allen mitteilen.“
Nun hofft Littler, dass sich die Situation nachhaltig verändert.
„Ich meine, ich hoffe, es ist ein Wendepunkt. Alles, was ich heute Abend auf der Bühne gesagt habe, die Tränen, das Bitten um Verständnis — ich habe der Welt erzählt, wie ich mich während der Premier League gefühlt habe. Das größte Ergebnis sitzt neben mir.“
Vertrauen in Entscheidungslegs
Dass Littler in engen Situationen häufig die Oberhand behält, kommt für ihn selbst nicht überraschend.
„Wenn man Jahre zurückgeht, sogar zu JDC- und WDF-Zeiten, habe ich mich im letzten Leg eines Sets immer auf mich selbst verlassen“, sagte er.
„Man sagt sich einfach: wirf alles gegen den Gegner. Als ich gesehen habe, dass Luke mit 140 startet, hatte ich nur ein kleines bisschen mehr Momentum. Man will nie gegen den Anwurf sein, aber ich musste einfach mit Luke mitgehen, und genau das habe ich getan. Auftrag erledigt.“
Mit dem Premier-League-Triumph erhöhte Littler seine Ausbeute an Major-Titeln bereits auf 14. Dabei ist er erst 19 Jahre alt. Zur Vervollständigung seiner Titelsammlung fehlen ihm inzwischen lediglich der World Cup of Darts und die European Championship.
„Offensichtlich habe ich bisher alles gewonnen. Wenn Luke und ich den World Cup holen, und wenn ich die European Championship gewinne, dann muss ich vielleicht zu den Minors gehen und versuchen, sie alle zu holen. Wir werden sehen.“
„Heute war einer dieser Siege, die ich holen musste“
Trotz seiner bereits beeindruckenden Titelsammlung hatte dieser Erfolg für Littler eine besondere Bedeutung.
„Alles, was ich gewonnen habe, ist ein großer Teil meines Spiels — natürlich auch meine Familie und Sponsoren“, sagte er. „Aber heute war es einfach einer dieser Siege, die ich holen musste. Wie gesagt, es ging auf und ab. Selbst zu Hause wollte ich nicht raus. Ich wollte nicht zur nächsten Premier-League-Nacht. Und ja, wir haben es geschafft.“
Mit dem Gewinn der Trophäe fiel spürbar eine Last von seinen Schultern.
„Eine riesige Erleichterung. Das zieht sich seit vier Monaten, diese Premier League. Es war lang. Mein Adrenalin ist jetzt komplett weg, aber ich werde heute Abend definitiv feiern.“
Bemerkenswert ist dabei seine Herangehensweise an Endspiele. Während viele Spieler unter besonderem Druck stehen, empfindet Littler Finals als vergleichsweise entspannt.
„Ich bin in Finals immer entspannt, weil du die harte Arbeit bereits vorher erledigt hast. Manche nennen mich verrückt, weil ich in einem Finale locker bleibe, aber man darf sich nicht zu viel Druck machen. Du hast eine Trophäe sicher, Geld sicher, also musst du nicht zu viel nachdenken.“
Dank an Familie und Freundin
Besonders dankbar zeigte sich Littler gegenüber seiner Familie und seiner Freundin Faith, die ihn in schwierigen Phasen unterstützten.
„Ich bin meiner Familie und natürlich Faith so dankbar“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob meine Mutter und mein Vater schockiert waren, weil ich mit ihnen nicht so viel darüber gesprochen habe wie mit Faith. Vielleicht reden sie morgen oder übermorgen mit mir, denn vielleicht hätte ich mehr mit ihnen reden sollen. Aber wir Männer wollen manchmal einfach nicht reden. Ich musste mit Faith sprechen und ihr sagen, wie es mir ging.“
Inzwischen blickt der Engländer wieder voller Vorfreude auf die großen Bühnen des Sports.
„Ja, definitiv. Schon vor heute habe ich den ganzen gestrigen Tag gesagt: einfach ins Finale kommen. Genau wie bei der Weltmeisterschaft — ich habe drei Finals in Serie erreicht, und das habe ich jetzt wieder getan. Aber diesmal habe ich die Trophäe erneut geholt.“
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Price-Vorfall sorgte für Diskussionen
Für Gesprächsstoff sorgte im Halbfinale auch eine Szene mit Gerwyn Price. Nachdem der Waliser 170 Punkte gescored hatte, zeigte er die bekannte Angel-Geste, die sonst häufig von Littler verwendet wird.
Littler fühlte sich dadurch gestört, woraufhin Schiedsrichter Huw Ware eingriff. Price entschuldigte sich anschließend unmittelbar.
„Gez dachte, er sei nicht in meinem Blickfeld, als er die Fisch-Geste in Richtung Publikum machte. Ich glaube, es stand 5:9“, erklärte Littler. „Ich hatte gerade meine Darts geworfen und zu Huw geschaut. Ich habe im Grunde gesagt, dass das nicht nötig war. Huw sprach mit Gez, und er meinte, er habe es nicht gemerkt, also war alles gut.“

Nach einer umstrittenen Szene im Halbfinale tauschen sich Luke Littler und Gerwyn Price auf der Bühne aus – wenig später zog „The Nuke“ ins Finale ein
Anschließend startete Price eine beeindruckende Aufholjagd, die Littler noch einmal ins Wanken brachte.
„Ich denke, ab 9:5, vielleicht 9:4 oder 9:5, war ich einfach nicht auf meinem besten Niveau. Jedes Mal, wenn Gez mich breakte, sagte ich mir: ‚Break ihn zurück. Halte deinen Anwurf. Break ihn.‘ Aber eine Zeit lang gelang mir das nicht. Dann im letzten Leg habe ich es endlich über die Ziellinie gebracht.“
Auch nach dem Match tauschten die beiden noch einige Worte aus.
„Ja, er hat mir natürlich gratuliert. Dann hat er Dublin erwähnt, als ich damals gegen ihn zurückgekommen bin. Das schwirrte mir auch im Kopf herum. Bei jedem Leg, das Gez gewonnen hat, habe ich mir gesagt: ‚Lass es nicht passieren, Luke.‘“
Am Ende behielt Littler jedoch die Oberhand, zog ins Finale ein, besiegte dort Humphries und kassierte für seinen Triumph 350.000 Pfund Preisgeld.
Wie er das Geld verwenden möchte? Die Antwort fiel typisch Littler aus.
„Ehrlich gesagt denke ich an nichts anderes als ein paar Fußball-Boxen, wenn ich nach Hause komme. Ich liebe einen kleinen Einkaufsbummel.“
An alternative angle of tonight's winning moment! 🏆 pic.twitter.com/rsJR0w9jme
— PDC Darts (@OfficialPDC) May 28, 2026

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








