Gary Anderson hat sich erneut deutlich zum aktuellen Leistungsniveau im professionellen Darts geäußert. Der zweifache Weltmeister ist überzeugt, dass der Standard auf der großen Bühne in den vergangenen Jahren nicht gestiegen ist – trotz des Aufstiegs junger Superstars wie
Luke Littler und
Luke Humphries. Aus Sicht des Schotten liegt der entscheidende Unterschied nicht in der Qualität, sondern in der Quantität der Topspieler.
Der mittlerweile 55-jährige Anderson, aktuell die Nummer sechs der Welt, erreichte kürzlich zum achten Mal in seiner außergewöhnlichen Karriere das
Halbfinale der Darts WM. Dort unterlag er letztlich
Gian van Veen, einem der talentiertesten Vertreter der neuen Generation. Einen grundsätzlichen Qualitätsunterschied zwischen den heutigen Topspielern und jenen aus seiner eigenen Generation erkennt „The Flying Scotsman“ dennoch nicht.
„Dasselbe Niveau wie früher“
Im Gespräch mit talkSPORT machte Anderson seine Sichtweise unmissverständlich klar. „Das Niveau ist nicht gestiegen“, stellte er deutlich fest. „Es ist dasselbe Niveau, das wir ‚alten Jungs‘ immer noch abrufen.“ Häufig werde angenommen, der Dartsport habe einen massiven Qualitätssprung erlebt, doch diese Einschätzung greife seiner Meinung nach zu kurz.
Präsentierte sich bei der Darts WM 2026 in absoluter Bestform: Gary Anderson
Anderson erklärt, dass auch früher bereits sehr hohe Averages gespielt wurden. „Der Unterschied ist, dass es jetzt viel mehr Spieler gibt, die das können“, so der Schotte. „Früher hattest du vielleicht zwanzig Spieler, die einen Average von 100 oder 105 werfen konnten. Jetzt sind es 128.“ Damit verweist er auf das deutlich breitere Teilnehmerfeld, das heute in der Lage ist, konstant auf höchstem Niveau zu spielen.
Für Anderson bedeutet diese Entwicklung jedoch nicht, dass Spieler wie Littler oder Humphries grundsätzlich besser sind als die Stars früherer Jahre. „Ich würde nicht sagen, dass sie besser sind als wir, oder besser in Bezug auf die Averages. Es gibt einfach mehr Spieler, die diese Zahlen werfen können.“ Die zunehmende Professionalisierung des Sports, verbesserte Trainingsmöglichkeiten und eine größere Turnierdichte hätten vor allem dazu geführt, dass mehr Spieler ein hohes Niveau erreichen – nicht zwangsläufig einen höheren Leistungsgipfel.
Neben seiner Einschätzung zum sportlichen Niveau sprach Anderson auch offen über seine aktuelle Karriereplanung. Während jüngere Profis nahezu jedes Turnier spielen, wählt er seine Einsätze inzwischen bewusster aus. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der intensive Reiseplan auf der PDC-Tour.
Turniere gezielt auswählen
„Ja, ich suche mir meine Turniere aus“, bestätigte Anderson. „Es ist vor allem das Reisen. Für junge Jungs ist es großartig, um die ganze Welt zu reisen.“ Für ihn selbst sei dieser Abschnitt seiner Karriere weitgehend abgeschlossen. „Ich war überall und ich habe es genossen. Ich habe Länder gesehen, von denen ich früher nur träumen konnte.“
Gleichzeitig betont Anderson, wie fordernd das Leben auf der Tour sein kann – insbesondere für Spieler, die zusätzlich in der
Premier League Darts antreten. „Der Zeitplan ist hektisch. Es ist wirklich hart, vor allem für die Premier-League-Spieler“, erklärte der Schotte. Die Kombination aus langen Reisen, hohen Erwartungen und permanentem Leistungsdruck mache es zunehmend schwer, dauerhaft auf Topniveau zu agieren.
Trotz seines Alters und eines selektiveren Turnierkalenders bleibt
Gary Anderson jedoch ein ernstzunehmender Faktor im Weltdarts. Seine starke Leistung bei der jüngsten Weltmeisterschaft unterstreicht, dass Erfahrung und Klasse auf höchstem Niveau weiterhin zählen. Zugleich zeigt seine klare Haltung, dass er sich nicht von kurzfristigen Hypes leiten lässt, sondern den Sport nüchtern anhand von Zahlen, Leistungen und Fakten bewertet.