Michael van Gerwen ist beim
World Matchplay 2026 bereits in der zweiten Runde gescheitert. Landsmann Dirk van Duijvenbode schickte den dreifachen Weltmeister mit 14:12 nach Hause. Zwar kämpfte sich Van Gerwen im Laufe der Partie noch einmal zurück und erzwang eine Verlängerung, doch am Ende reichte es nicht.
Vincent van der Voort analysierte den Auftritt seines Freundes in
Blackpool im
Podcast „Darts Draait Door" schonungslos. Ihm fehlten bei Van Gerwen vor allem drei Dinge: Überzeugung, Emotion und Hunger.
Van Duijvenbode über die gesamte Distanz der bessere Spieler
Van der Voort sieht Van Duijvenbode als verdienten Sieger der Partie. Über weite Strecken habe der Außenseiter die Nase vorn gehabt: „Dirk war eigentlich die ganze Partie über besser. Michael kommt noch einmal zurück und dann siehst du, dass da noch etwas drinsteckt. Aber ich fand, Van Gerwen spielte mit wenig Emotion, wenig Feuer."
Michael van Gerwen rutscht nach der frühen Niederlage auf Platz 7 der Weltrangliste zurück.
Bereits der Walk-on offenbarte für Van der Voort die fehlende Anspannung. Früher betrat Van Gerwen die Bühne mit spürbarer Aggressivität: „Früher kam er auf die Bühne und war schon völlig aufgepumpt vor Adrenalin. Aggressiv, weißt du. Da hätte er jemandem fast etwas antun können. Zerstören, wie eine Abrissbirne. Das war nahezu da." Diesmal blieb dieses Bild aus. Stattdessen wirkte die Szenerie fast freundschaftlich: „Jetzt gibt er Händchen, macht mit Dirk noch einen Scherz über einen heruntergefallenen Pfeil und hält noch kurz ein Pläuschchen. Da weißt du schon: Das wird am Anfang lasch."
Generell beobachtet Van der Voort einen Trend, der ihm missfällt: Immer öfter herrsche eine entspannte Stimmung rund um Matches, wo eigentlich Kampfgeist gefragt wäre. „Es wirkt, als würde das alles zu einem Kaffeekränzchen werden. Heutzutage fangen sie schon vor dem Spiel an zu kuscheln und miteinander zu plaudern. Aber man will doch einfach Kampf sehen?" Nach dem Spiel dürfen die Spieler seiner Meinung nach durchaus wieder normal miteinander umgehen, während der Partie selbst erwartet er aber echte Anspannung: „Nach dem Spiel darf man ruhig wieder normal miteinander umgehen. Aber man will das Gefühl haben, dass es wirklich um etwas geht. Dass Spannung drauf ist und beide es unbedingt wollen."
Genau dieses Gefühl vermisste er bei Van Gerwen völlig: „Wenn du voller Adrenalin und angespannt bist und wirklich etwas zeigen willst, dann lachst du nicht so viel und machst noch schnell einen Witz. Du bist dort, um deine Arbeit zu machen. Das fehlte mir völlig."
Die spätere Aufholjagd wertet Van der Voort nicht als Zeichen außergewöhnlicher Leistung, sondern als Nachlassen des Gegners: „Das war auch nicht, weil er so fantastisch war. Dirk verliert es komplett." Am Ende habe der Wille den Ausschlag gegeben: „Es geht um das Gesamtpaket. Du siehst dort keinen Spieler stehen, der denkt: über meine Leiche, ich gewinne das. Dirk hatte das. Der will es sehr und tut alles dafür. Dann denke ich, dass Dirk verdient gewonnen hat."
Durch das frühe Aus rutscht Van Gerwen auf Rang sieben der Weltrangliste ab. Van der Voort betont, wie ungewöhnlich diese Position für einen dreifachen Weltmeister eigentlich ist: „So weit ist es im Moment."
An Van Gerwens Klasse zweifelt er dabei keineswegs: „Über seine Qualitäten gibt es keine Diskussion. Ein großartiger Spieler." Beeindruckend bleibt für ihn, wie weit Van Gerwen allein mit Talent noch kommt, während die Konkurrenz härter trainiert: „Was er jetzt nur mit Talent macht, ist bewundernswert. Die anderen sind natürlich alle dabei, besser zu werden, zu trainieren, alles. Und er kann immer noch gut mithalten, nur er gewinnt nicht mehr gegen sie."
Das eigentliche Problem sieht Van der Voort in der fehlenden Konstanz: „Man sieht einfach, dass er nicht konstant genug ist. Und dass er oft in engen Matches zu kurz kommt. Womit er früher seinen Vorteil hatte, das ist weg."
Es wird eine wiederkehrende Geschichte
Van der Voort kennt Van Gerwen seit vielen Jahren und wird regelmäßig gefragt, warum er ihm trotz der Krise weiterhin zur Seite steht. Für ihn zählt vor allem die Freundschaft: „Aber er ist einfach ein guter Freund von mir. Selbst wenn er Fünfzigster oder Hundertfünfzigster der Welt wäre, ich würde ihm immer helfen."
Gleichzeitig räumt er ein, dass sein Einfluss begrenzt bleibt: „Im Moment ist es eigentlich mehr Schadensbegrenzung, als dass man jemandem wirklich helfen kann." Mittlerweile sieht er ein wiederkehrendes Muster: „Es wird jedes Mal eine wiederkehrende Geschichte. Es liegt an ihm. Die Dartpfeile liegen bei ihm." Die Verantwortung schiebt er klar zurück zu Van Gerwen selbst: „Es liegt jetzt wirklich bei ihm. Und er muss zeigen, wie sehr er es noch will."
So wie er es jetzt macht, verglimmt es wie eine Kerze in der Nacht
Van der Voorts harte Kritik entspringt seiner Überzeugung, dass in Van Gerwen noch enormes Potenzial steckt. Körperlich sieht er keinerlei Einschränkungen: „Er ist noch kerngesund jung. Und er hat noch eine sehr schöne Karriere vor sich."
Damit dieses Potenzial nicht verpufft, muss sich aus seiner Sicht jedoch etwas ändern: „So wie er es jetzt macht, verglimmt es eigentlich wie eine Kerze in der Nacht. Und das ist einfach ewig schade." Das Niveau müsse sich in allen Bereichen verbessern: „Es muss auf jeden Fall an allen Ecken besser werden. Aber der Einzige, der darüber entscheidet, ist er selbst."
Eine bessere Auslosung sieht er dabei nicht als Lösung: „Ich denke, er sollte gar nicht erst so weit in Richtung Viertelfinale schauen. Das Niveau muss dauerhaft besser werden."
Weniger Hunger als früher
Dass Van Gerwen bei großen Turnieren noch gewinnen möchte, bezweifelt Van der Voort nicht. Einen Unterschied zu früher erkennt er trotzdem: „Ich denke schon, dass er sich wieder reinhängt. Aber den Hunger sehe ich nicht. Auch nicht in diesem Match." Schon auf der Bühne fehlte ihm diese Ausstrahlung: „Denn sonst betrittst du nicht so die Bühne. Dann kommst du mit Feuer in den Augen auf die Bühne."
Nach der Niederlage wirkte Van Gerwen dennoch schwer getroffen: „Dann war er wirklich todunglücklich. Dann ärgert er sich tierisch. Dann ist er auch erst mal richtig von der Rolle." Das Problem verortet Van der Voort in der Vorbereitung: „Früher musste alles dem Ergebnis weichen. Das ist einfach nicht mehr da." Zugleich zeigt er Verständnis für diese menschliche Entwicklung nach zwei Jahrzehnten im Profisport: „Du hast zwanzig Jahre lang alles fürs Darten getan. Und jetzt ist es eine Phase mit viel Spaß. Nur dann musst du deine Ziele anpassen."
Andere Ziele möglicherweise realistischer
Sollte Van Gerwen seine Karriere künftig nicht mehr vollständig unterordnen wollen, müsse er auch seine Ansprüche anpassen: „Dass du ab und zu mal bei einem Turnier weit kommst. Versuche in den Top Sechzehn zu bleiben, damit du überall mitspielen darfst."
Als Vergleich nannte der Podcast den Teilzeit-Ansatz von Gary Anderson. Zu Van Gerwen passe ein solches Modell aus seiner Sicht jedoch nicht: „Das passt nicht zu Michael van Gerwen." Auch die Idee, reines Gewinnen über gutes Spiel zu stellen, sieht er nicht als typisch für den Niederländer: „Eine Aussage wie: Es geht mir nicht ums gute Spielen, es geht mir nur ums Gewinnen. Das passt auch nicht zu ihm."
Früher habe für Van Gerwen ein anderer Maßstab gegolten, unabhängig vom Ergebnis: „Es spielte keine Rolle, ob er gut oder schlecht spielte. Früher musste es einfach immer gut sein." Ob dieses Feuer zurückkehrt, bleibt für Van der Voort die entscheidende Frage: „Jetzt ist er selbst gefragt, endlich einmal zu reagieren."