„Die Spieler haben keine Angst vor ihm" - Phil Taylor ist von der Rückkehr von Adrian Lewis noch nicht beeindruckt
PDCNach fast zweieinhalb Jahren Pause stand Adrian „Jackpot“ Lewis endlich wieder auf der großen Darts-Bühne. Ganze 29 Monate war es still um den zweifachen Weltmeister geworden, ehe er beim Modus International Pairs sein lang ersehntes Comeback gab. An der Seite von Darts-Ikone Steve Beaton trat er für das Team England an – ein Auftritt, der von vielen Fans und Experten sehnsüchtig erwartet wurde.
Doch die Rückkehr verlief sportlich ernüchternd. Lewis und Beaton verpassten den Einzug in die Finalrunde und mussten sich bereits nach der Gruppenphase verabschieden. Für den 39-Jährigen war es dennoch ein wichtiges Lebenszeichen – und für die Dartswelt ein Signal, dass einer ihrer schillerndsten Charaktere zurück ist.
Ein schwerer Neustart nach 29 Monaten Pause
Insgesamt gelangen dem englischen Duo in der Gruppenphase vier Siege bei ebenso vielen Niederlagen. Am Ende bedeutete das Platz vier – knapp hinter den drei Mannschaften, die sich das Ticket für die K.o.-Runde sicherten. Ein Achtungserfolg, aber kein Statement-Comeback.

Lewis war der erste Spieler, der jemals einen Neun-Darter in einem WM-FInale erzielte
Für Lewis war dieses Turnier allerdings mehr als nur ein Ergebnis auf dem Papier. Seit Anfang 2022 hatte er keine Wettkampfpfeile mehr auf einer Profi-Bühne geworfen. Das International Pairs wurde damit zu einem ersten Härtetest: Wo steht „Jackpot“ nach so langer Pause? Wie viel ist noch übrig von jenem Spieler, der einst die Dartswelt im Sturm eroberte?
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Einer, der die Rückkehr besonders aufmerksam verfolgte, war Phil „The Power“ Taylor. Der 16-fache Weltmeister und Mentor von Lewis weiß genau, welche Höhen und Tiefen dessen Karriere geprägt haben. „Ich habe mich wirklich darauf gefreut, Adrian wieder auf der Bühne zu sehen“, erklärte Taylor im Gespräch mit Oche180. „Ehrlich gesagt habe ich ihn im Fernsehen vermisst. Natürlich ist es schade, dass es heute nicht so lief, wie erhofft. Aber das ist normal. Er wird zurückkommen – es braucht nur Zeit.“
„Ihm fehlt der Spielrhythmus“
Taylor machte kein Geheimnis daraus, wo er das größte Problem sieht: den fehlenden Spielrhythmus. In seiner Glanzzeit trat Lewis Woche für Woche bei Premier League Nights, Pro-Tour-Events und Major-Turnieren an. Diese permanente Wettkampferfahrung formte ihn zu einem der gefährlichsten Spieler seiner Generation.
„Als ich noch mit ihm gespielt habe, war er immer wettbewerbsorientiert – jederzeit bereit“, so Taylor. „Er war matchfit. Heute fehlt ihm diese Schärfe. Nur wenn er regelmäßig spielt, Matches übersteht und wieder diese intensiven Momente erlebt, kann er dorthin zurückfinden.“
Die Worte von „The Power“ sind deutlich: Lewis muss Kilometer sammeln. Training allein reicht nicht – der Rhythmus entsteht erst, wenn man in Drucksituationen die entscheidende 180 wirft oder das letzte Doppel trifft.
„Die Spieler haben keine Angst vor ihm“
Noch deutlicher wurde Taylor bei der Einschätzung von Lewis’ aktuellem Standing im Circuit. „Früher hat Adrian Gegnern Angst eingejagt“, betonte der Rekordweltmeister. „Wenn er heiß lief, musstest du drei Legs nacheinander auf Weltklasse-Niveau spielen, um mitzuhalten. Dieses Gefühl ist im Moment verschwunden. Die Spieler haben keine Angst mehr vor ihm.“
Ein hartes Urteil – aber keines ohne Hoffnung. Denn Taylor fügte hinzu: „Das ist kein Dauerzustand. Adrian hat das Talent nie verloren. Er muss nur wieder lernen, es konstant abzurufen. Wenn er Selbstvertrauen tankt und Turniere gewinnt, kommt der Respekt der Gegner von selbst zurück.“
Die goldenen Jahre mit Taylor
Dass Taylor so offen und zugleich optimistisch spricht, hängt auch mit ihrer gemeinsamen Geschichte zusammen. Lewis war lange Zeit das Aushängeschild der „neuen Generation“, die unter Taylors Einfluss reifte. 2011 und 2012 krönte er sich zum Weltmeister, spielte dabei einige legendäre Matches – unter anderem das epische Finale gegen Gary Anderson 2011.
Gemeinsam mit Taylor dominierte er den World Cup of Darts: Viermal holte das Duo den Titel für England. 2012 schlugen sie Australien in einem der emotionalsten Finals überhaupt, ein Jahr später verteidigten sie den Titel gegen Belgien. In diesen Jahren war Lewis mehr als nur ein Mitläufer – er war Taylors gleichwertiger Partner, manchmal sogar der spielentscheidende Mann.
„Adrian war immer ein großartiger Partner“, erinnert sich Taylor. „Wir haben uns perfekt ergänzt. Wenn einer mal schwächelte, hat der andere das kompensiert. Diese Erinnerungen zeigen mir, wozu er fähig ist – vorausgesetzt, er findet seinen Rhythmus zurück.“
Der Weg zurück: härter als je zuvor
Mit 39 Jahren gehört Lewis noch lange nicht zum alten Eisen. Doch die Konkurrenz ist stärker geworden. Spieler wie Luke Humphries, Michael Smith oder Gerwyn Price haben die Messlatte hochgelegt. Dazu kommen Routiniers wie Peter Wright oder Michael van Gerwen, die nach wie vor in der Weltspitze spielen.
Lewis’ Aufgabe ist klar: Er muss nicht nur zurück zu alter Stärke finden, sondern gleichzeitig ein Level erreichen, das höher liegt als zu seiner Blütezeit. Der Sport ist schneller, präziser und gnadenloser geworden.
„Es wird nicht einfach“, räumt auch Taylor ein. „Aber Adrian gehört zu den besten Scorern, die dieses Spiel je gesehen hat. Sein Talent ist einzigartig. Wenn er dieses wiederfindet, kann er jederzeit ein gefährlicher Gegner sein.“
Mehr als nur ein Spieler – ein Publikumsliebling
Für Fans bedeutet Lewis’ Rückkehr mehr als bloße Resultate. „Jackpot“ hat immer polarisiert. Sein extravagantes Auftreten, seine schnellen Rhythmen und seine Fähigkeit, in wenigen Minuten ein Match zu drehen, machten ihn zu einem Fanliebling. Gleichzeitig sorgten Kontroversen, Auszeiten und Rückschläge dafür, dass er nie den geradlinigen Weg ging.
Gerade diese Mischung aus Genie und Widersprüchlichkeit macht ihn bis heute faszinierend. Ihn wieder auf der Bühne zu sehen, weckt bei vielen Nostalgie – und gleichzeitig Neugier: Kann Lewis noch einmal an die Spitze zurückkehren?
Was entscheidet über die Zukunft?
Alles hängt von den nächsten Monaten ab. Lewis muss Turniere spielen – so viele wie möglich. Pro Tour, European Tour, Einladungsturniere: Jede Bühne bietet die Chance, den alten Rhythmus zurückzufinden. Dazu kommt die mentale Komponente: Kann er Rückschläge wegstecken? Hat er die Motivation, sich noch einmal durch die Mühen einer langen Saison zu kämpfen?
Die Voraussetzungen sind zumindest da. Körperlich wirkt Lewis fit, sein Hunger auf Erfolg ist spürbar. Nun geht es darum, daraus Resultate zu machen. Für die Dartswelt ist klar: Ein Adrian Lewis in Form würde jede Bühne bereichern.
Ein realistischer, aber hoffnungsvoller Blick
Phil Taylor kennt seinen früheren Doppelpartner wie kaum ein anderer. Er weiß, welche Höhen Lewis erreichen kann – und welche Hürden auf ihn warten. „Es geht jetzt darum, sich die Matchpraxis zurückzuholen“, fasste Taylor zusammen. „Man muss wieder erleben, wie es ist, unter Druck die 180 zu werfen oder das eine entscheidende Doppel zu treffen. Genau in diesen Momenten wächst ein Spieler.“
Der Weg an die Spitze wird lang, vielleicht steinig. Doch eines ist sicher: Mit „Jackpot“ zurück auf der Bühne hat der Dartsport eine seiner spannendsten Figuren wieder. Ob er noch einmal Titel gewinnen kann? Das bleibt offen. Aber allein seine Präsenz sorgt dafür, dass die Tour ein Stück bunter, emotionaler und unberechenbarer wird.
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🗣️ “He has to get that fitness back up. He needs to get used to playing in longer and competitive games. People aren’t frightened of him.”
— Oche180 (@Oche180) August 30, 2025
⚡️ Phil Taylor admits players don’t fear Adrian Lewis after his return.
💻 Full story: https://t.co/kzm2sBHxv3
📸 @taylanningpix | #Darts pic.twitter.com/H9pxDR4N1n

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









