Laut mehreren Ex-Profis muss sich
Luke Littler nichts aus seiner Kritik machen, die er nach seinen markanten Worten in Richtung Publikum im Alexandra Palace einstecken musste. Der 18-jährige Weltmeister teilte nach seinem Sieg über Rob Cross in der vierten Runde der
Darts WM scharf gegen die Zuschauer aus, die ihn während des Matches auspfiffen, bekommt dafür aber Rückendeckung von einigen ehemaligen Dartprofis.
Während der Partie gegen Cross stellte sich das Publikum in Ally Pally klar auf die Seite des Weltmeisters von 2018. Littler, Titelverteidiger und Nummer eins der Welt, musste sich Buhrufen und Pfiffen stellen, besonders als klar wurde, dass es nicht mehr zu einem entscheidenden siebten Satz kommen würde. Anschließend äußerte er sich bei Sky Sports deutlich.
„Es ist mir egal. Wirklich völlig egal“, sagte Littler direkt nach seinem 4:2-Sieg. „Ihr kauft Tickets und damit zahlt ihr mein Preisgeld, also danke fürs Auspfeifen.“ Zudem erklärte er: „Niemand wollte, dass ich gewinne, aber ich habe es wieder einmal bewiesen.“
Die Aussagen sorgten für einiges Aufsehen. Littler bekräftigte seine Haltung später bei talkSPORT, räumte aber auch ein, dass er sich auf der Bühne von Emotionen hatte leiten lassen. Dennoch gibt es aus der Dartswelt Verständnis und sogar Unterstützung für seine Reaktion.
Paul Nicholson, ehemaliger Major-Sieger und inzwischen Experte, sieht keinen Grund, Littler hart anzufassen. „Ich weiß nicht, ob er einen Fehler gemacht hat“, sagte Nicholson auf dem YouTube-Kanal von talkSPORT Darts. „Wir haben alle schon einmal im Eifer des Gefechts etwas gesagt, worüber wir später vielleicht anders denken. Gleichzeitig glaube ich aber nicht, dass er es wirklich bereut.“
Laut Nicholson spielte während des Matches mehr mit als nur das Publikum. Er beobachtete, wie Cross versuchte, Littler aus dem Rhythmus zu bringen. „Rob Cross versuchte, das Tempo zu kontrollieren. Er war etwas ausladender als sonst und schien dieselbe Herangehensweise wie im Halbfinale 2017 gegen Van Gerwen zu probieren. Das hat nicht funktioniert.“
Im Laufe der Begegnung änderte sich die Dynamik. „Am Ende spielte Cross einfach sein Darts, ohne große Gesten oder Jubel. Erst versuchte er es so, dann direkter. Aber nichts funktionierte. Am Ende funktionierte nichts“, so Nicholson, der betonte, dass Littler schlicht der Bessere war.
Auch
Chris Mason, ehemaliger Halbfinalist bei der BDO-WM, stellte sich vor den jungen Engländer. Seiner Ansicht nach war das Verhalten des Publikums erklärbar, aber nicht unbedingt gerechtfertigt. „Weil Rob Cross in die Partie zurückkam, wollte das Publikum, dass es komplett in die andere Richtung kippt“, analysierte Mason.
Zugleich äußerte er seinen Frust über ein wiederkehrendes Phänomen im Darts. „Das ist der Teil des Sports, der mich stört. Es sollte um den besten Spieler gehen, nicht um den mit der meisten Unterstützung. Support ist enorm wichtig und kann helfen, das haben wir hier oft gesehen. Die Kehrseite ist, dass dieselben Leute dich auch aus dem Tritt bringen wollen, indem sie pfeifen, johlen und schreien.“
Laut Mason blieb Littler hingegen bemerkenswert gefasst. „Ich fand, dass er damit sehr gut umging. Es war an der Zeit, dass ein Spieler mal aufsteht und sagt: Macht nur weiter, Jungs.“ Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: „Ich bin sicher, er sitzt jetzt weinend in seiner Bentley.“
Mason verwies zudem auf Littlers Alter und Status. „Wir dürfen nicht vergessen, dass er erst 18 Jahre alt ist. Er ist auf ein Podest gehoben worden. Die meisten Achtzehnjährigen sitzen auf dem Dachboden und tippen Unsinn über ihn. Er steht da und verdient Millionen. Warum sollte er nicht sagen dürfen, was er denkt?“