„Kurz etwas essen, Stranger Things schauen und ein paar Pfeile werfen“ – Ryan Searles Vorbereitung auf das Halbfinale gegen Luke Littler

PDC
Freitag, 02 Januar 2026 um 13:30
Ryan Searle (2)
Ryan Searle hat bei der Darts WM 2026 den größten Erfolg seiner Karriere erreicht. Der Engländer zog erstmals ins Darts WM Halbfinale ein, nachdem er Jonny Clayton in einem nervenaufreibenden Duell geschlagen hatte, in dem das Niveau schwankte, die Schlussphase jedoch umso beeindruckender war. In den entscheidenden Momenten blieb Searle eiskalt, vor allem auf die Doppel, und das erwies sich letztlich als ausschlaggebend.
„Es fühlt sich sehr besonders an“, gestand Searle kurz nach dem Match. „Aber ehrlich gesagt haben Jonny und ich beide nicht besonders gut gespielt. Der Unterschied lag in den Momenten mit dem größten Druck. Da habe ich immer wieder die richtigen Finishes gefunden.“

Kritische 111 als Wendepunkt

Einer dieser Momente war ein 111-Finish zum 4:1 in Sätzen. „Das war ein enorm wichtiger Moment“, blickte Searle zurück. „Jonny kam gerade etwas auf und mit all dem, was auf dem Spiel stand – Ranglistenpreisgeld, Setzlisten, Zukunft – spürte man den Druck enorm.“
Genau dieser Druck machte es Searle zufolge so schwer, frei aufzuspielen. „Die WM ist anders als jedes andere Turnier. Man weiß genau, was dieses Spiel für die Karriere bedeuten kann. Das macht es sehr schwierig, das normale Niveau abzurufen. Deshalb bin ich vor allem stolz, dass ich ihn über die Ziellinie gebracht habe.“
Statistisch fiel vor allem Searles Doppelquote auf. Mit einer Checkoutquote von 57 Prozent zeigte er, warum ihn viele Kenner schon länger als einen der besten Clutch-Finisher auf der Tour sehen. „Das sind Zahlen, mit denen man ein Turnier gewinnen kann“, sagte er selbst. „Über die gesamte WM liege ich wahrscheinlich bei rund fünfzig Prozent, und damit kann ich wirklich zufrieden sein.“
Dennoch blieb er kritisch. „Mein Scoring muss besser werden. Ahinter der Bühne treffe ich die Triple gefühlt im Vorbeigehen, aber auf der Bühne kam das heute nicht ganz raus. Druck macht nun mal seltsame Dinge.“

Erstmals in der Weltspitze

Der Sieg hatte auch große Auswirkungen auf die Weltrangliste. Searle ist nun erstmals in die weltweite Top Acht vorgestoßen. „Das ist natürlich ein stolzer Moment“, räumte er ein. „Aber ob ich es auf Basis einer guten WM verdient habe? Das weiß ich nicht.“
Laut Searle ist das neue Preisgeldsystem der WM dabei entscheidend. „So ist es nun mal. Mit einem starken Lauf kann man enorme Sprünge machen. Wir werden sehen, wohin mich das noch bringt.“
Die neue Ranglistenposition öffnet Türen, etwa mögliche Einladungen für die World Series of Darts. „Das wäre schön“, sagte er vorsichtig. „Aber ich lasse alles in Ruhe auf mich zukommen.“
Obwohl er nur noch zwei Spiele vom Weltmeistertitel entfernt ist, weigert sich Searle, den Dingen vorauszugreifen. „Nein, ich träume noch nicht“, betonte er. „Es kommen noch zwei extrem harte Partien. Möglicherweise sogar die schwersten von allen.“
Damit spielte er auf ein mögliches Halbfinale gegen Luke Littler an. „Wenn er gewinnt, bin ich wahrscheinlich nicht der Favorit. Das kann auch helfen. Dann liegt der Druck nicht bei mir.“
Ryan Searle bei seinem Walk-on
Ryan Searle trifft im Halbfinale auf Luke Littler

Druck größer denn je

Gefragt, ob dieses Match mehr Druck mit sich brachte als frühere Finals, etwa bei den Players Championship Finals, war Searle eindeutig. „Ja, absolut. Das ist die WM. Mit allem, was hier auf dem Spiel steht.“
Er erklärte, dass er genau wusste, welche Konsequenzen Sieg oder Niederlage hätten. „Hätte ich heute verloren, wäre ich wahrscheinlich die Nummer dreizehn der Welt geworden. Jetzt bin ich komfortabel in den Top Ten und weiß, woran ich bin in Sachen Setzlisten und Reisen. Das gibt Ruhe.“

Premier League Darts? Vielleicht irgendwann

Mit seiner aktuellen Platzierung wird Searle auch als möglicher Außenseiter für die Premier League Darts gehandelt. Er selbst bleibt realistisch. „Ich habe immer gesagt, dass ich die Premier League Darts irgendwann gerne einmal spielen würde, einfach um sagen zu können, dass ich es getan habe.“
Er verweist auf Chris Dobey, der im vergangenen Jahr nach einem WM-Halbfinale ausgewählt wurde. „Mein Weg ähnelt dem ein bisschen. Aber ob mein Gesicht ‚passt‘, weiß ich nicht“, witzelte er trocken. „Schau mich nur an.“
Sollte die Einladung kommen, würde er keine Sekunde zögern. „Dann reiße ich mir fast den Arm aus, um ‚ja‘ zu sagen.“

Familie, Inspiration und Unterstützung

Während dieser WM sprach Searle auffallend offen über seine Familie. „Sie bedeuten mir alles“, sagte er. „Normalerweise reise ich überall allein hin, deshalb ist es schön, dass sie hier sind.“
Auch auf der Tribüne geben sie ihm zusätzliche Motivation. „Es sind manchmal nur ein oder zwei Prozent, aber auf diesem Niveau kann das den Unterschied ausmachen.“
Ein besonderer und emotionaler Aspekt dieser WM ist die Offenheit, mit der Searle über seine Augenerkrankung sprach. Er leidet an einer erblichen Sehstörung, die er auch an seine Kinder weitergegeben hat. „Meine Tochter hat leider erhebliche Probleme“, erzählte er. „Sie ist offiziell sehbehindert und wird wahrscheinlich nie Auto fahren können.“
Searle nutzt seine Plattform, um auf Forschung und Fundraising aufmerksam zu machen. „Über Viaplay sind inzwischen rund 15.000 Euro für die Choroideremia Foundation gesammelt worden. Darauf bin ich unglaublich stolz.“
Seine Einschränkung spielt auch während Matches eine Rolle. „Manchmal muss ich den Caller fragen, was ich geworfen habe, weil ich es selbst nicht gut erkennen kann. Das ist schwierig, aber ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen.“

Publikumsliebling ohne Tamtam

Auffällig war die Unterstützung des Publikums im Alexandra Palace. Searle scheint mehr und mehr zum Publikumsliebling zu werden. „Ich denke, das liegt daran, dass ich einfach ich selbst bin“, sagte er. „Ich mache keine Faxen, spiele mein Spiel und überlasse anderen die Show.“
Wie er sich auf das Halbfinale vorbereitet? „Entspannt“, lachte er. „Etwas essen, die letzte Folge von Stranger Things schauen und vielleicht noch ein paar Darts werfen. Nicht zu viel nachdenken.“
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