„Kurz etwas essen, Stranger Things schauen und ein paar Pfeile werfen“ – Ryan Searles Vorbereitung auf das Halbfinale gegen Luke Littler
PDCRyan Searle hat bei der Darts WM 2026 den größten Erfolg seiner Karriere erreicht. Der Engländer zog erstmals ins Darts WM Halbfinale ein, nachdem er Jonny Clayton in einem nervenaufreibenden Duell geschlagen hatte, in dem das Niveau schwankte, die Schlussphase jedoch umso beeindruckender war. In den entscheidenden Momenten blieb Searle eiskalt, vor allem auf die Doppel, und das erwies sich letztlich als ausschlaggebend.
„Es fühlt sich sehr besonders an“, gestand Searle kurz nach dem Match. „Aber ehrlich gesagt haben Jonny und ich beide nicht besonders gut gespielt. Der Unterschied lag in den Momenten mit dem größten Druck. Da habe ich immer wieder die richtigen Finishes gefunden.“
Kritische 111 als Wendepunkt
Einer dieser Momente war ein 111-Finish zum 4:1 in Sätzen. „Das war ein enorm wichtiger Moment“, blickte Searle zurück. „Jonny kam gerade etwas auf und mit all dem, was auf dem Spiel stand – Ranglistenpreisgeld, Setzlisten, Zukunft – spürte man den Druck enorm.“
Genau dieser Druck machte es Searle zufolge so schwer, frei aufzuspielen. „Die WM ist anders als jedes andere Turnier. Man weiß genau, was dieses Spiel für die Karriere bedeuten kann. Das macht es sehr schwierig, das normale Niveau abzurufen. Deshalb bin ich vor allem stolz, dass ich ihn über die Ziellinie gebracht habe.“
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Statistisch fiel vor allem Searles Doppelquote auf. Mit einer Checkoutquote von 57 Prozent zeigte er, warum ihn viele Kenner schon länger als einen der besten Clutch-Finisher auf der Tour sehen. „Das sind Zahlen, mit denen man ein Turnier gewinnen kann“, sagte er selbst. „Über die gesamte WM liege ich wahrscheinlich bei rund fünfzig Prozent, und damit kann ich wirklich zufrieden sein.“
Dennoch blieb er kritisch. „Mein Scoring muss besser werden. Ahinter der Bühne treffe ich die Triple gefühlt im Vorbeigehen, aber auf der Bühne kam das heute nicht ganz raus. Druck macht nun mal seltsame Dinge.“
Erstmals in der Weltspitze
Der Sieg hatte auch große Auswirkungen auf die Weltrangliste. Searle ist nun erstmals in die weltweite Top Acht vorgestoßen. „Das ist natürlich ein stolzer Moment“, räumte er ein. „Aber ob ich es auf Basis einer guten WM verdient habe? Das weiß ich nicht.“
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Laut Searle ist das neue Preisgeldsystem der WM dabei entscheidend. „So ist es nun mal. Mit einem starken Lauf kann man enorme Sprünge machen. Wir werden sehen, wohin mich das noch bringt.“
Die neue Ranglistenposition öffnet Türen, etwa mögliche Einladungen für die World Series of Darts. „Das wäre schön“, sagte er vorsichtig. „Aber ich lasse alles in Ruhe auf mich zukommen.“
Obwohl er nur noch zwei Spiele vom Weltmeistertitel entfernt ist, weigert sich Searle, den Dingen vorauszugreifen. „Nein, ich träume noch nicht“, betonte er. „Es kommen noch zwei extrem harte Partien. Möglicherweise sogar die schwersten von allen.“
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Damit spielte er auf ein mögliches Halbfinale gegen Luke Littler an. „Wenn er gewinnt, bin ich wahrscheinlich nicht der Favorit. Das kann auch helfen. Dann liegt der Druck nicht bei mir.“

Ryan Searle trifft im Halbfinale auf Luke Littler
Druck größer denn je
Gefragt, ob dieses Match mehr Druck mit sich brachte als frühere Finals, etwa bei den Players Championship Finals, war Searle eindeutig. „Ja, absolut. Das ist die WM. Mit allem, was hier auf dem Spiel steht.“
Er erklärte, dass er genau wusste, welche Konsequenzen Sieg oder Niederlage hätten. „Hätte ich heute verloren, wäre ich wahrscheinlich die Nummer dreizehn der Welt geworden. Jetzt bin ich komfortabel in den Top Ten und weiß, woran ich bin in Sachen Setzlisten und Reisen. Das gibt Ruhe.“
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Premier League Darts? Vielleicht irgendwann
Mit seiner aktuellen Platzierung wird Searle auch als möglicher Außenseiter für die Premier League Darts gehandelt. Er selbst bleibt realistisch. „Ich habe immer gesagt, dass ich die Premier League Darts irgendwann gerne einmal spielen würde, einfach um sagen zu können, dass ich es getan habe.“
Er verweist auf Chris Dobey, der im vergangenen Jahr nach einem WM-Halbfinale ausgewählt wurde. „Mein Weg ähnelt dem ein bisschen. Aber ob mein Gesicht ‚passt‘, weiß ich nicht“, witzelte er trocken. „Schau mich nur an.“
Sollte die Einladung kommen, würde er keine Sekunde zögern. „Dann reiße ich mir fast den Arm aus, um ‚ja‘ zu sagen.“
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Familie, Inspiration und Unterstützung
Während dieser WM sprach Searle auffallend offen über seine Familie. „Sie bedeuten mir alles“, sagte er. „Normalerweise reise ich überall allein hin, deshalb ist es schön, dass sie hier sind.“
Auch auf der Tribüne geben sie ihm zusätzliche Motivation. „Es sind manchmal nur ein oder zwei Prozent, aber auf diesem Niveau kann das den Unterschied ausmachen.“
Ein besonderer und emotionaler Aspekt dieser WM ist die Offenheit, mit der Searle über seine Augenerkrankung sprach. Er leidet an einer erblichen Sehstörung, die er auch an seine Kinder weitergegeben hat. „Meine Tochter hat leider erhebliche Probleme“, erzählte er. „Sie ist offiziell sehbehindert und wird wahrscheinlich nie Auto fahren können.“
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Searle nutzt seine Plattform, um auf Forschung und Fundraising aufmerksam zu machen. „Über Viaplay sind inzwischen rund 15.000 Euro für die Choroideremia Foundation gesammelt worden. Darauf bin ich unglaublich stolz.“
Seine Einschränkung spielt auch während Matches eine Rolle. „Manchmal muss ich den Caller fragen, was ich geworfen habe, weil ich es selbst nicht gut erkennen kann. Das ist schwierig, aber ich versuche, mich davon nicht beeinflussen zu lassen.“
Publikumsliebling ohne Tamtam
Auffällig war die Unterstützung des Publikums im Alexandra Palace. Searle scheint mehr und mehr zum Publikumsliebling zu werden. „Ich denke, das liegt daran, dass ich einfach ich selbst bin“, sagte er. „Ich mache keine Faxen, spiele mein Spiel und überlasse anderen die Show.“
Wie er sich auf das Halbfinale vorbereitet? „Entspannt“, lachte er. „Etwas essen, die letzte Folge von Stranger Things schauen und vielleicht noch ein paar Darts werfen. Nicht zu viel nachdenken.“
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Oliver RiedRedakteur
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026










