„Dieses Jahr habe ich es nicht verdient. Ich hatte nicht genug geleistet“: Chris Dobey peilt ein Comeback in der Premier League an

PDC
Samstag, 08 August 2026 um 17:45
Chris Dobey at the 2026 World Matchplay
Chris Dobey zählt zu den bodenständigsten Spielern auf der PDC-Tour. Privatjets und Luxusuhren sucht man bei ihm vergeblich – stattdessen bevorzugt der Engländer ein einfaches Essen, eine Runde Football Manager und einen Nachmittag mit der Familie.
Im ausführlichen Gespräch mit Bang-on-Target blickt „Hollywood" auf sein Leben abseits der Dartsbühne zurück. Er spricht über seine starke Saison, den Wechsel zu MODUS, die anhaltende Suche nach seinem ersten Euro-Tour-Titel und die Chancen auf eine Rückkehr in die Premier League Darts.

Ein normales Leben abseits der Bühne

Während andere Spitzensportler den Luxus suchen, bevorzugt Dobey die einfachen Dinge im Leben – Super Noodles inklusive. Das beschreibt die aktuelle Nummer acht der Weltrangliste ziemlich treffend. Abseits der Oche führt er ein bemerkenswert normales Leben. „Ich lebe in Bedlington mit meiner Partnerin und den Kindern", erzählt er. „Zeit mit der Familie verbringen und oft zum Fußball gehen."
Chris Dobey bei den World Matchplay 2026
Chris Dobey in Aktion.
Wer bei Dobey Golfrunden, Sponsorentermine oder Jetset-Trips erwartet, liegt falsch. Der Fußball bleibt seine große Leidenschaft neben dem Darts. Als überzeugter Anhänger von Newcastle United verfolgt er die Entwicklungen bei seinem Herzensklub sehr genau. Der Abschied von Trainer Eddie Howe traf ihn völlig unvorbereitet: „Ich war buchstäblich zu Hause, als ich die Nachricht hörte. Ich habe morgens aufs Handy geschaut und gedacht: Wow, was zur Hölle. Es war verrückt."
Über die Verdienste des ehemaligen Trainers findet Dobey nur lobende Worte: „Was er für den Klub getan hat, wird niemand vergessen. Ich bin mir sicher, dass er am Ende der vergangenen Saison um seinen Abschied gebeten hat, sobald sie einen Ersatz gefunden hatten." Als Wunschkandidaten für die Nachfolge hätte er sich einen ganz anderen Namen vorstellen können: „Ich persönlich wäre für jemanden wie Diego Simeone gegangen. Einfach das Geld zahlen. Aber ich bin zufrieden mit dem, den sie geholt haben. Ein junger Trainer – hoffentlich macht er einen guten Job."
Auch zu Hause dreht sich vieles um Fußball, allerdings teilt sein ältester Sohn diese Leidenschaft nicht vollständig. Dobey erzählt schmunzelnd: „Ich habe meinen jüngsten Sohn noch nicht mitgenommen. Oh Moment, doch, ich habe ihn zu einem Spiel mitgenommen. Er ist nicht so interessiert. War bei ein paar Spielen dabei, aber nicht richtig involviert."

Karaoke-Abend auf Ibiza

Im vergangenen Sommer reiste Dobey gemeinsam mit einem großen Teil der englischen PDC-Elite nach Ibiza – Anlass war der Junggesellenabschied von Nathan Aspinall. „Das war Nathans Idee. Es gab ein paar Optionen, darunter auch Portugal. Ich war vorher noch nie auf Ibiza. Hätte man in jungen Jahren vermutlich nicht machen sollen", erinnert sich Dobey mit einem Lachen.
Calvin Harris trat während der Feierlichkeiten auf, anschließend landete die Truppe in einer Karaoke-Bar. Dobey ließ es sich nicht nehmen, selbst das Mikrofon zu schnappen: „An einem der Abende habe ich mir Calvin Harris angeschaut. Dann sind wir in einer Karaoke-Bar gelandet. Ich habe tatsächlich ein paar Lieder gesungen, Sex On Fire war eins davon." Auch seine Kollegen zeigten musikalisches Talent: Ross Smith wählte Parklife, Joe Cullen entschied sich für Champagne Supernova, und Andy Boulton sang My Way von Frank Sinatra. Und der Junggeselle selbst? „Ja, er sang Mr Brightside", verrät Dobey.

Auf der Suche nach dem ersten Euro-Tour-Titel

Trotz mehrerer großer PDC-Titel fehlt in Dobeys Vitrine noch immer ein Euro-Tour-Sieg. Regelmäßig wird er als einer der besten Spieler ohne Titel gehandelt – ein Etikett, dem er selbst kaum widersprechen kann.
„Bester Spieler ohne Titel? Da bin ich auf jeden Fall dabei. Ich habe gut gespielt, bin nur immer wieder auf Gegner getroffen, die praktisch dasselbe Niveau abgeliefert haben", erklärt er. Trotzdem zweifelt er keine Sekunde daran, dass der Durchbruch irgendwann gelingt: „Einen werde ich mir irgendwann holen."

Neustart mit MODUS

Nach mehreren Jahren bei ZXF wechselte Dobey kürzlich gemeinsam mit seinem engen Freund Nathan Aspinall zu MODUS. „Mein erstes Turnier mit MODUS war The Masters im Januar. Ich bin noch derselbe Spieler, aber ich bin sehr zufrieden und bekomme mehr Exhibitions und ein paar neue Sponsoren dazu."
An seinem Spiel selbst hat sich laut eigener Aussage wenig verändert, doch im Hintergrund eröffnet die neue Partnerschaft zusätzliche Möglichkeiten. Mit seiner bisherigen Saison zeigt sich Dobey ausgesprochen zufrieden: „Sehr zufrieden. Ich habe gutes Darts gespielt, mich in Position gebracht, die meisten Legs gewonnen. Ich spiele gut. Ich bin nicht bei meinem Maximum, aber definitiv konstant. Mein schlechtes Spiel liegt im mittleren 90er-Average-Bereich – genau da willst du dein schlechtes Spiel haben."
Diese Konstanz hat ihm in den Floor-Turnieren dieser Saison eine beeindruckende Siegquote eingebracht und ihm dabei geholfen, in der Weltrangliste wieder nach oben zu klettern.
Veränderungen gab es auch abseits des Oches: Dobey ersetzte sein altes, stark von Newcastle United inspiriertes Trikot durch ein neues Design von Target. Auf das endgültige Design nahm er großen Einfluss: „Jeder bringt sich ein. Ich wollte die Farben von Newcastle United beibehalten, aber St James' Park und das Vereinswappen weglassen und stattdessen ein stärkeres Northumberland-Gefühl schaffen." Vor der Produktion sah er sich die Entwürfe genau an und testete anschließend die Passform persönlich.

Neue Darts und neuer Walk-on-Song

Auch am Material feilt Dobey weiter. Seit einiger Zeit spielt er mit der ersten Generation seiner Target-Darts, doch im Hintergrund entsteht bereits ein Nachfolger. „Ich versuche, eine Gen Two hinzubekommen. Ich habe ein paar Prototypen bekommen und probiere sie durch, um zu sehen, welcher perfekt passt."
Nach Jahren mit „Let's Get Ready to Rhumble" von PJ & Duncan als Walk-on-Song entschied sich Dobey kürzlich für einen neuen Einlaufsong: „Hey Jude" von den Beatles. „Ich wollte einfach eine Veränderung. Am Ant-&-Dec-Song war nichts falsch, ich fand nur, es war Zeit für etwas Neues." Die Wahl fiel keineswegs zufällig: „Ich wollte etwas, das auch in St James' Park gespielt wird – ‚Na na na' und dann Geordies."

Erst die WM, dann die Premier League

Zum Abschluss ging es um eine mögliche Rückkehr in die Premier League Darts. In dieser Saison fehlte Dobey im prestigeträchtigen Feld, erkennt die Entscheidung aber selbst als gerechtfertigt an.
Für die kommende Saison sieht er durchaus Chancen, weiß aber auch, dass ein starkes WM-Abschneiden dafür Voraussetzung ist. „Dieses Jahr habe ich es nicht verdient. Ich hatte nicht genug geleistet. Für die nächste Saison habe ich von der Form her eine Chance, brauche aber wahrscheinlich einen guten Lauf bei der WM, dann bin ich vielleicht im Gespräch."
Mit seinen konstanten Leistungen, der Rückkehr in die Weltspitze und dem gezeigten Selbstvertrauen drängt sich Chris Dobey für eine Rückkehr in die Premier League deutlich auf.
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