„Ein 71-jähriger Littler gegen einen 53 Jahre jüngeren Gegner? Keine Chance, echt nicht“ – Luke Littler bezwingt die lebende Legende Paul Lim bei den Bahrain Darts Masters

PDC
Freitag, 16 Januar 2026 um 11:45
Luke Littler (5)
Luke Littler gönnt sich keine Pause. Kaum zwei Wochen nach seinem zweiten WM-Triumph steht der 18-jährige Engländer schon wieder am Oche – diesmal beim Bahrain Darts Masters 2026 in Sakhir. Und wieder zeigt der „Nuke“, dass sein Hunger auf Titel keineswegs gestillt ist. Mit einem überragenden 6:1-Erfolg gegen Darts-Legende Paul Lim und einem Average von über 106 Punkten zieht der Doppel-Weltmeister souverän ins Viertelfinale ein.
Der Auftakt ins neue Jahr verläuft ganz nach Littlers Geschmack. Frisch, fokussiert und mit spürbarer Spielfreude dominiert er seinen Auftaktgegner – und sorgt nebenbei für Aufsehen mit einem Detail, das viele Fans und Zuschauer der Bahrain Darts Masters sofort bemerkten: neue Pfeile.

Neue Pfeile, vertrauter Instinkt

Kaum hatte Littler die Bühne betreten, explodierten die sozialen Medien. Das Bühnenlicht glitzerte auf einem neuen Set Darts – und sofort kursierten Gerüchte: Hat er wirklich seine WM-Pfeile ausgetauscht? Der Youngstar reagierte gelassen. „Gary hatte mir vor ein paar Monaten schon Fotos geschickt“, sagte Littler über seinen Ausrüster Gary Plummer von Target. „Es gibt verschiedene Farben, aber ich hab sofort gesagt: Schwarz und Silber, das ist mein Stil.“
Luke Littler ballt die Faust
Luke Littler trifft im Viertelfinale auf Gerwyn Price
Dass die neuen Pfeile plötzlich im Wettkampf auftauchten, war eher Zufall. „Wir standen neulich an der Bar und haben just for fun geworfen“, erzählte Littler. „Nach zwanzig, fünfundzwanzig Minuten hatte ich plötzlich neun perfekte Darts. Da dachte ich: probier sie halt aus.“ Das Experiment endete in einem überzeugenden Sieg – und in der Erkenntnis, dass manchmal Instinkt die beste Vorbereitung ist.
Trotz der erfolgreichen Premiere bleibt Littler vorsichtig. Schon früher testete er neue Modelle, nur um am Ende wieder zu seinen bewährten „Gen Ones“ zurückzukehren. „Ich will mit jedem Set gewinnen“, sagte er. „Aber manchmal passt es einfach nicht dauerhaft. Wir werden sehen, was die nächsten Tage bringen.“

Zurück nach Bahrain – zurück zu den Wurzeln

Bahrain ist für Littler weit mehr als nur ein weiterer Termin im engen Turnierkalender. Hier begann 2024 sein Aufstieg zum globalen Star, als er mit 16 Jahren sensationell seinen ersten großen PDC-Titel holte – nur Wochen nach seinem spektakulären Lauf ins WM-Finale. „Die WM bleibt das wichtigste Turnier“, betonte er, „aber Bahrain war mein zweites PDC-Event überhaupt – und gleich mit einem Sieg. Das vergesse ich nie.“
Zwei Jahre später steht Littler wieder an gleicher Stelle – diesmal als zweimaliger Weltmeister. Die Erwartungen sind höher, der Druck größer. Doch Littler lässt sich davon nicht beeindrucken. „Viele denken, das hier sei nur ein Showturnier“, sagte er. „Aber für uns Premier-League-Spieler ist das der Start ins neue Jahr. Da willst du einfach gewinnen und ein Statement setzen.“
Dass er inzwischen als einer gilt, der fast „gewinnen muss“, scheint ihn kaum zu stören. Während andere über Druck, Medienrummel und Erwartungshaltungen sprechen, konzentriert sich Littler weiter auf das, was ihn seit Beginn auszeichnet: Fokus, Zielstrebigkeit und ein fast unerschütterliches Selbstverständnis.

Duell der Generationen: Littler gegen die Legende

Zum Auftakt wartete mit Paul Lim ein Gegner, der den Dartsport länger prägt, als Littler überhaupt auf der Welt ist. 53 Jahre Altersunterschied trennen die beiden – und doch verband sie der gegenseitige Respekt. „Bei der WM wäre das eine andere Geschichte gewesen“, meinte Littler. „Paul ist ein Publikumsliebling. Das hat man auch hier gespürt.“
Als Lim sein erstes Leg gewann, blieb der Teenager völlig ruhig. „Ich wusste, ich muss sofort nachlegen“, sagte er – und tat genau das. Routiniert zog er das Tempo an und ließ dem Singapurer keinen Raum, um ins Spiel zu finden. Auf die scherzhaft gemeinte Frage, ob man in 53 Jahren ein Duell zwischen einem 71-jährigen Littler und einem künftigen Youngster erleben könne, reagierte er lachend: „Keine Chance. Wirklich nicht.“
Über Lim sprach Littler trotzdem voller Anerkennung: „Er spielt seit Jahrzehnten auf Topniveau, war ein großartiger Softtip-Spieler und hat das erfolgreich auf Steel Dart übertragen. Er ist einfach Klasse. Wenn du ihn im Practice Room siehst, denkst du nicht, dass er irgendwann aufhört.“

„Am Ende stehst du alleine da oben“

Trotz allen Erfolgs bleibt Littler erfrischend ehrlich, wenn es um sein Umfeld geht. Familie und Freundin Faith begleiten ihn regelmäßig zu Turnieren – eine Konstante in seinem noch jungen Profialltag. „Es ist schön, sie dabeizuhaben“, sagte er. „Aber am Ende stehst du da oben allein. Ob du gewinnst oder verlierst – das ist ein einsamer Ort.“
Er reagierte damit auf Aussagen von Kollege Charlie Manby, der meinte, die Anwesenheit seiner Freundin mache manchmal den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage. Littler sieht das anders: „Du bist da, um deinen Job zu machen. Du darfst dir keine Gedanken machen, wer da ist. Wenn dein Vater oder deine Eltern zugucken, reicht das völlig. Am Ende musst du einfach deine Darts werfen.“

Zwischen Flughafen und Oche – die Realität des Reisens

Wer Littlers Tourkalender betrachtet, sieht eine Karriere auf Weltreisenniveau. Bahrain ist nur der erste Stopp eines Jahres voller Termine, Zeitverschiebungen und endloser Flüge. „Es ist anders als Australien“, sagte er mit einem Schmunzeln. „Kein angenehmer Flug, manchmal sechzehn, siebzehn Stunden – oder 24, wenn du über Dubai fliegst.“
Klagelaut? Fehlanzeige. „Man gewöhnt sich dran. Und ja, nächstes Jahr sind wir wieder hier“, fügte er an. Für ihn gehört das Reisen längst zum Berufsalltag – genauso wie Training, Medienrunden oder Sponsorenpflichten.
Kurz kam die Frage auf, ob er bei fast drei Millionen Pfund Preisgeld über einen Privatjet nachdenkt. Littler lachte. „Nein, absolut nicht. Man muss sein Geld schon zusammenhalten. Ich werde es nicht einfach verprassen.“ Eine kleine Einschränkung ließ er jedoch offen: „Vielleicht irgendwann mal, wenn’s richtig gut läuft. Um einfach zu sehen, wie so ein Flug zur European Tour ist.“
Bis dahin setzt er weiter auf die günstige Variante – mit Humor und Bodenhaftung. „Ryanair ist doch Klasse, oder?“ meinte er grinsend.
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