„Eine sehr gute und erwachsene Entscheidung“ – Martin Schindler spricht offen über deutsche World-Cup-Sorgen um Ricardo Pietreczko

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 10 Mai 2026 um 9:00
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Martin Schindler hat seine Titelverteidigung bei den Austrian Darts Open 2026 erfolgreich eröffnet. Der amtierende Champion setzte sich am Samstagabend mit 6:2 gegen Peter Wright durch und qualifizierte sich damit souverän für den Finaltag in Graz. Im Anschluss sprach die deutsche Nummer eins gegenüber Dartsnews.de (YouTube) jedoch vor allem über ein anderes Thema: den bevorstehenden World Cup of Darts – und die aktuelle Situation seines Teamkollegen Ricardo Pietreczko.
Rund einen Monat vor der Team-WM in Frankfurt stehen hinter Team Deutschland derzeit einige Fragezeichen. Pietreczko steckt seit Wochen in einer sportlichen Krise und kämpft sichtbar mit Problemen in seiner Wurfbewegung. Erst wenige Tage zuvor hatte „Pikachu“ bei Players Championship 14 sogar sein Erstrundenspiel aufgegeben.

„Das liegt in Ricardos Hand“

Schindler zeigte sich im Gespräch mit Dartsnews.de verständnisvoll, machte aber auch deutlich, dass die Entscheidung letztlich allein bei Pietreczko liege. „Mir ist natürlich auch nicht entgangen, was da bei den letzten Players Championships los war – auch mit der Spielaufgabe“, sagte Schindler offen. „Da bin ich ehrlich: Das liegt in Ricardos Hand.“
Martin Schindler und Ricardo Pietreczko schrieben beim World Cup of Darts 2025 mit dem Halbfinaleinzug ein Kapitel deutsche Darts-Geschichte
Martin Schindler und Ricardo Pietreczko schrieben beim World Cup of Darts 2025 mit dem Halbfinaleinzug ein Kapitel deutsche Darts-Geschichte
Gleichzeitig erinnerte die deutsche Nummer eins an den starken Auftritt des Duos beim World Cup 2025, als Deutschland nach einem Sensationssieg über England bis ins Halbfinale vorgedrungen war. „Er hat letztes Jahr beim World Cup richtig gut gespielt, das heißt: Es ist alles da. Es ist wie Fahrradfahren – man verlernt es nicht.“
Für Schindler steht deshalb vor allem das Vertrauen in die Selbsteinschätzung seines Teamkollegen im Mittelpunkt. „Wenn er sagt, er fühlt sich danach und vertraut auf sich und sein Spiel, dann vertraue ich auch ihm“, erklärte er. „Aber wenn er natürlich auch so ehrlich ist und sagt: Macht er nicht. Dann respektiere ich das – und dann finde ich das auch wirklich eine sehr, sehr gute und erwachsene Entscheidung.“
Sportlich verlief der Abend für Schindler in Graz trotz des klaren Ergebnisses nicht komplett reibungslos. Gegen Peter Wright fehlte ihm über weite Strecken die Konstanz im eigenen Spiel. „Es war jetzt nicht das konstanteste Spiel“, räumte er ein. „Ich sage aber auch mal so hart, wie es klingt: Ich brauche das auch nicht. Ich glaube, ich bin einer, dem fällt es einfacher, gut zu spielen, wenn der Gegner auch mitmacht – und das hat Peter ab einem Punkt halt einfach nicht mehr.“
Trotzdem erfüllte Schindler seine Pflichtaufgabe souverän. „Das ist schade für ihn und sein Spiel, weil jedem klar ist, was Peter Wright spielen kann. Er ist momentan sehr weit weg. Aber das ändert für mich nichts. Ich muss da sein, mein Spiel machen und gewinnen – und das habe ich heute.“

Titelverteidigung? „Darüber habe ich gar nicht nachgedacht“

Schindler tritt in Graz als amtierender Champion und Träger des ikonischen grünen Jankers an das Oche – ein besonderer Status, dem er selbst jedoch erstaunlich wenig Bedeutung beimisst. „Bin ich absolut ehrlich: Ich habe mir im Vorhinein überhaupt keine Gedanken darüber gemacht“, sagte er. „Ich will einfach hier sein und das erste Spiel gewinnen. Das ist wichtig für die Rangliste, weil das einen großen Einfluss auf die Pro Tour hat.“
Natürlich weiß auch Schindler um die Bedeutung einer möglichen erfolgreichen Titelverteidigung. „Ich kann wahrscheinlich gar nicht in Worten beschreiben, was passieren würde, wenn ich den Titel verteidigen würde“, erklärte er. Gleichzeitig sieht er in seinem eigenen Spiel aktuell noch Verbesserungspotenzial. „Ich muss ein bisschen mehr Lockerheit gewinnen, wieder mehr Selbstverständlichkeit im Spiel.“
Trotzdem zieht der Deutsche auch Positives aus seiner aktuellen Phase. „Ich glaube an mich und vertraue eigentlich auch in mich“, sagte Schindler. „Aber ich merke halt aktuell: Die Darts fliegen nicht so rein, wie ich das will. Trotzdem gewinne ich mit meinem B- oder C-Game noch ziemlich viele Spiele.“
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