„Ich bin kein Phil Taylor“ – Andrew Gilding spricht offen über seine Leistungsschwankungen auf der Pro Tour

PDC
durch Nic Gayer
Sonntag, 10 Mai 2026 um 10:00
Andrew Gilding (1)
Andrew Gilding zählt auch 2026 weiterhin zu den gefährlichsten Spielern auf dem PDC-Circuit. Der Engländer präsentiert sich bei den Austrian Darts Open 2026 erneut in starker Form und bestätigt damit den Eindruck vieler Beobachter, dass „Goldfinger“ still und leise eine bemerkenswert konstante Saison spielt. Selbst blickt Gilding auf seine Leistungen allerdings deutlich nüchterner.
Nach seinem 6:4-Erfolg gegen Jermaine Wattimena in der zweiten Runde zeigte sich Gilding im Gespräch mit Dartsnews.de (YouTube) gewohnt entspannt. Hinter seiner ruhigen Ausstrahlung steckt nach eigener Aussage jedoch weiterhin ein Spieler, der nie genau weiß, welche Version seines Spiels gerade zum Vorschein kommt.

Zwischen Weltklasse und plötzlichen Einbrüchen

„Eigentlich fand ich mich immer schon ziemlich konstant“, erklärte Gilding. „Aber kürzlich habe ich auf der Pro Tour einen enorm hohen Average geworfen, danach ein Match mit einem Average von achtzig gespielt und heute wieder um die hundert. Also ehrlich gesagt weiß ich selbst nie genau, was ich bringen werde.“
Andrew Gilding überzeugte in Runde zwei der Austrian Darts Open erneut mit starken Leistungen – und sprach anschließend offen über Nervosität und Leistungsschwankungen
Andrew Gilding überzeugte in Runde zwei der Austrian Darts Open erneut mit starken Leistungen – und sprach anschließend offen über Nervosität und Leistungsschwankungen
Diese Unberechenbarkeit zieht sich beinahe durch die gesamte Karriere des Engländers. An guten Tagen wirkt Gilding nahezu unaufhaltsam und spielt Averages auf absolutem Weltklasse-Niveau. An anderen Tagen fehlt seinem Spiel plötzlich die gewohnte Selbstverständlichkeit.
Im Interview wurde der Major-Champion auf das bereits erwähnte Pro-Tour-Duell mit Joe Cullen angesprochen, in dem er am Montag mit einem unglaublichen 118er-Average für Furore sorgte.
„Diese hohen Averages tauchen einfach ab und zu plötzlich auf“, sagte er. „Ich bin kein Phil Taylor. Ich kann solche Partien nicht konstant hintereinander spielen.“
Trotzdem zeigt genau das, wie hoch das Niveau des Engländers sein kann, wenn alles zusammenpasst. Sein ruhiger Rhythmus, der flüssige Wurfstil und seine Gelassenheit machen ihn auf der Tour für nahezu jeden Gegner unangenehm zu bespielen. Für seine Leistungsexplosionen sieht Gilding selbst allerdings keinen besonderen Grund.
„Es hängt einfach davon ab, was an einem Tag passiert“, erklärte er.

Neue Schuhe statt Plateausohlen

Neben seinen Leistungen auf der Bühne sorgte im Gespräch auch ein eher ungewöhnliches Thema für Aufmerksamkeit: Gildings Schuhe. Seit einiger Zeit erregt der Engländer in den sozialen Medien mit seinen markanten Plateauschuhe Aufmerksamkeit. Inzwischen hat er sich allerdings für ein anderes Modell entschieden.
„Offenbar hat noch niemand bemerkt, dass ich diese Plateauschuhe nicht mehr trage“, scherzte Gilding. „Ich habe jetzt etwas niedrigere Schuhe.“
Der Grund dafür ist denkbar pragmatisch. „Ich wollte Schuhe, die an Flughäfen leichter an- und auszuziehen sind“, sagte er lachend. „Deshalb bin ich auf Knöchelstiefel umgestiegen statt dieser hohen Plateaus.“

Auch Gilding kämpft mit Nervosität

Trotz seiner oft stoischen Ausstrahlung gab Gilding offen zu, dass auch ihn während Matches hin und wieder die Nervosität plagt. Besonders in seiner Partie am Vortag habe er die Anspannung deutlich gespürt.
„Das passiert eigentlich nicht mehr so oft“, gestand er. „Aber gestern habe ich es wirklich gespürt.“
Eine entscheidende Rolle spielte dabei auch das Publikum. Gilding traf mit Nick Zwittnigg auf einen Spieler aus dem Gastgeberland und hatte damit nahezu die gesamte Halle gegen sich.
„Das Publikum stand komplett hinter dem Spieler des Gastgeberlandes. Das ließ die Nervosität deutlich ansteigen.“
Im Bühneninterview nach der Partie demonstrierte Gilding zudem seine Atemtechniken, die ihm im Umgang mit Anspannung helfen. Wir wollten daher wissen: Handelt es sich dabei um eine gelernte Routine?
„Nein, überhaupt nicht“, erklärte er ehrlich. „Ich stand einfach unter Druck und wusste, dass ich nicht gut spielte. Also habe ich irgendwie versucht, meinen Rhythmus wiederzufinden.“
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