Mensur Suljovic hat sich bei den Austrian Darts Open 2026 mit einem 6:2-Erfolg gegen Cameron Menzies in die zweite Runde gespielt – und anschließend im Exklusiv-Interview mit Dartsnews.de (YouTube) überraschend deutliche Kritik an der Professional Darts Corporation geäußert. Vor heimischem Publikum sprach der Österreicher vor allem über seine Unzufriedenheit mit dem aktuellen Turnierkalender und die aus seiner Sicht problematische Entwicklung der Weltrangliste.
Dabei hatte der Abend für „The Gentle“ sportlich und emotional eigentlich kaum besser laufen können. Die Halle in Graz stand während seines gesamten Auftritts lautstark hinter dem Publikumsliebling – oder besser gesagt: hinter ihrem „Familienmitglied“, wie Suljovic selbst betonte. „Das ist kein Publikum, das ist meine Familie“, sagte er nach dem Sieg gegenüber Dartsnews.de. „Ich spiele jetzt vor meiner Familie, ich bin leider doppelt unter Druck. Aber es fühlt sich absolut geil an.“
„Die PDC muss sich etwas einfallen lassen“
Immer wieder suchte Suljović während des Matches aktiv die Interaktion mit den Fans und feuerte die Stimmung zusätzlich an. „Die Fans waren immer hinter mir und ich habe immer wieder gesagt: Come on! In England machen die das auch immer und ich habe gesagt: Sie sollen bei uns auch spüren, was ein Heimpublikum ist. Das war wahnsinnig geil.“
Mensur Suljovic feiert seinen Auftaktsieg bei den Austrian Darts Open 2026 emotional mit den Fans – und übt anschließend deutliche Kritik an der PDC und dem aktuellen Turnierkalender
Besonders gefiel ihm, wie das Publikum auf seine Gesten reagierte. „Den ganzen Tag haben sie gesungen und jetzt auf einmal hören sie auf. Dann sage ich: Jetzt nicht! Jetzt ist der richtige Moment!“, erklärte er lachend. „Das war absolut geil, die Harmonie hat gepasst, das war perfekt.“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs wechselte Suljovic jedoch zunehmend in einen deutlich kritischeren Tonfall. Hintergrund war seine starke Woche auf der Pro Tour: Erst hatte er zum ersten Mal seit 2023 wieder ein Halbfinale bei einem Players-Championship-Event erreicht, anschließend direkt ein Viertelfinale nachgelegt. Für Suljovic besitzen diese Ergebnisse allerdings nur eingeschränkte Aussagekraft.
„Die Players Championships sind etwas anderes. Viele Topspieler haben abgesagt, das hat eine ganz andere Bewertung“, erklärte er offen. „Aber zuhause ist zuhause. Für mich ist das hier wichtig – vor meiner Familie, vor meinen Fans.“
Besonders deutlich wurde der Österreicher bei seiner Kritik am aktuellen PDC-Kalender. „Players Championship – dieser Modus gefällt mir nicht“, sagte Suljovic. „Wegen der Premier League kommen die Besten nicht. Immer wieder ein neuer Sieger – das zerstört leider unsere Rangliste. Wir müssten einen kleineren Kalender haben, aber die bei der PDC machen nix. Sowas passiert.“
„Unsere Rangliste leidet darunter“
Auf Nachfrage konkretisierte Suljovic seine Kritik noch einmal deutlich. Vor allem das regelmäßige Fehlen von Topspielern bei Floor-Turnieren und European-Tour-Events sieht er kritisch. „Die müssen da sein. Die müssen“, betonte er mehrfach. „European Tour ist eines der wichtigsten Turniere – und die großen Turniere. Jetzt kommt keiner. Worum geht es jetzt hier? Was soll das?“
Zwar zeigte der Österreicher Verständnis für einzelne Absagen – etwa im Fall von Luke Littler und dessen dichtem Terminplan. Grundsätzlich hält er die aktuelle Entwicklung jedoch für problematisch. „Players Championships – okay, da kann immer wieder einer absagen. Aber European Tour nicht. Luke Littler kommt zu keinem Turnier. Das gehört sich nicht.“
Besonders kritisch sieht Suljovic die Auswirkungen auf die Weltrangliste. „Unsere Rangliste leidet darunter. Wir spielen in England und sie kommen nicht zu den Players Championships – wie geht das? Jetzt gewinnt der oder ich. Ich kann es gewinnen… das darf nicht passieren! Darf nicht passieren.“
Für den ehemaligen Premier-League-Spieler steht fest, dass sich der Charakter der Turniere im Vergleich zu früher deutlich verändert hat. „In meiner Zeit, 2017, 2018, hat immer die Top-16 gewonnen“, sagte er. „Jetzt passiert Extremes. Daher schwankt unsere Rangliste – mal ist der oben, mal der. Ich akzeptiere das nicht, ehrlich.“
Sein Appell an die PDC fiel entsprechend klar aus: „Die PDC muss sich etwas einfallen lassen.“