„Er findet dann wirklich, dass der nichts kann und dass es schade ist, dass sie ihm einen Platz gegeben haben“ – Van der Voort amüsiert sich über James Wades eiskalte Reaktion nach Kantersieg in Auckland

PDC
Donnerstag, 20 August 2026 um 13:00
James Wade
Jonny Clayton sicherte sich bei den New Zealand Darts Masters den Titel, doch das World-Series-Turnier in Auckland lieferte weit mehr als nur einen Sieger. Im Podcast Darts Draait Door nahm Vincent van der Voort das komplette Event unter die Lupe – vom Finale zwischen Clayton und Gerwyn Price über den starken Auftritt von Gian van Veen bis zur Formkrise von Stephen Bunting und Josh Rock.
Im Endspiel setzte sich Clayton gegen Price durch, doch ein Moment blieb besonders im Gedächtnis: Der Waliser hätte die Partie über die Bullseye beenden können, entschied sich aber für Doppel 16 – obwohl Price nur noch 56 Punkte Restpunktzahl hatte.

Van Veen laut Van der Voort nicht schlecht gegen Clayton

Van der Voort glaubt nicht, dass Clayton diese Entscheidung bewusst traf. Clayton selbst sprach anschließend von einer Art Blackout. Van der Voort nahm die Szene mit Humor: „Es wirkte fast so, als hätte er gedacht: Ich will nicht 8:1 gewinnen, geben wir ihm noch ein paar Legs. Aber nein, das hat er sicher nicht gedacht. Dafür ist er viel zu fanatisch.“
Vincent van der Voort hinter seinem Mikrofon im Podcast Darts Draait Door
Vincent van der Voort blickte im Podcast auf die New Zealand Darts Masters zurück
Am Ende rundete Clayton sein Match mit einem 124er-Finish ab. Für Van der Voort stand fest, dass der spätere Sieger den Titel ernsthaft anpeilte: „Wenn es läuft und alles zusammenpasst, wirst du automatisch etwas fanatischer. Bei ein paar anderen Spielern sah man dagegen weder die Emotion noch die sonst übliche Gereiztheit.“
Im Viertelfinale traf Clayton auf Gian van Veen, der sich mit 3:6 geschlagen geben musste. Das Resultat spiegelte laut Van der Voort aber nicht vollständig wider, wie stark Van Veen spielte: „Ich fand Gian eigentlich etwas besser. Aber Clayton hat alles ausgemacht. So läuft es dann.“
Zuvor hatte Van Veen bereits klar gegen den lokalen Qualifikanten Jonny Tata überzeugt. Van der Voort sieht darin ein wichtiges Signal: „Gegen Tata ließ er gar kein Match entstehen. Wenn du gleich voll drauf bist und dich früh absetzt, siehst du bei so einem Spieler auch den Gedanken: Heute wird das nichts.“
Insgesamt erkennt Van der Voort Qualität bei mehreren Spielern aus Ozeanien, schränkt aber ein: „Da sind sicher ein paar ordentliche Spieler dabei, aber wir sehen sie alle seit Jahren. Aus dieser Gruppe erwartest du nicht plötzlich jemanden, der sagt: Jetzt mache ich den nächsten Schritt, zur PDC.“

Kritik an der Haltung von Adam Leek

Für eine Überraschung sorgte Adam Leek bereits in Runde eins mit seinem Sieg gegen Ross Smith. Im Viertelfinale traf der australische Tour-Card-Inhaber dann auf Raymond Smith – und verlor. Vor allem die Art, wie Leek diese Partie anging, missfiel Van der Voort deutlich.
„Dieses Lachen und dann Warten nach einer 180, als wäre es ein Schaumatch“, kritisierte er. „Endlich hat er eine Chance, sich zu zeigen. Für ihn war das eine goldene Gelegenheit.“
Van der Voort hätte sich mehr Professionalität gewünscht: „Er ist Tour-Card-Inhaber, dieses Match muss er gewinnen. Ich hatte das Gefühl, Raymond Smith sei der Tour-Card-Inhaber. Der war ernsthaft bei der Sache und wollte diese Partie wirklich gewinnen.“
Trotz des Viertelfinal-Aus verschaffte sich Leek mit dem Sieg in Runde eins eine gute Ausgangsposition für die World Series Finals. Van der Voort glaubt dennoch, dass Leek mit gemischten Gefühlen zurückblickt: „Ich glaube, er wird da noch mal draufschauen und denken: Hätte ich es etwas seriöser angepackt, wäre ich vielleicht näher dran gewesen.“

Viel Lob für Raymond Smith

Raymond Smith hinterließ in Auckland einen hervorragenden Eindruck. Der Australier bezwang zunächst Stephen Bunting mit 6:2 bei starkem Average von 99,81 und schaltete anschließend auch Leek aus – Halbfinale.
Van der Voort beobachtet die Qualität von Smith schon länger: „Das ist einfach ein prima Spieler. Er hat nur das Pech, dort geboren zu sein, wodurch es sehr schwierig ist, hierher zu kommen. Dadurch hast du viel weniger Möglichkeiten.“
Raymond Smith zeigt beide Daumen nach oben
Raymond Smith erreichte überraschend das Halbfinale bei den New Zealand Darts Masters
Ein Wechsel auf die volle PDC-Tour würde für Smith bedeuten, sein gesamtes Leben nach Europa zu verlagern. „Wenn er etwas erreichen will, muss er alles hinter sich lassen und nach Europa ziehen. Mit achtzehn oder neunzehn ist es vielleicht leichter zu sagen: Ich probiere es ein paar Jahre“, so Van der Voort.
Smith ist inzwischen 46 Jahre alt und steht laut Van der Voort deshalb vor einer deutlich komplizierteren Entscheidung: „Du musst alles hinterlassen. Deinen Job kündigen, alles. Und bekommst du das danach wieder zurück? Die Möglichkeiten für diesen Mann sind schlicht viel geringer als für jemanden aus unserer Gegend.“
Sportlich hat Van der Voort keine Zweifel an Smiths Niveau: „Er wirft zweimal fast hundert Average. Dann kannst du einfach gut darten.“ Dass Smith sich damit auch Chancen auf die World Series Finals in Amsterdam erspielt hat, findet er verdient: „Der hat es natürlich einfach verdient, dabei zu sein.“

Fragezeichen beim Qualifikationssystem der World Series Finals

Ein Rätsel bleibt für Van der Voort das aktuelle Qualifikationssystem. Durch die bestehende Struktur können Spieler weit oben im World-Series-Ranking landen, ohne ein einziges Match gewonnen zu haben.
„Wenn du nicht gewinnst, wie kannst du dann mitspielen?“, fragte er sich. Ein System mit mindestens einem Pflichtsieg hält er für logischer. Zudem könnte man die Finals nutzen, um weniger erfahrenen Spielern TV-Erfahrung zu verschaffen: „Eigentlich sollte man bei solchen Turnieren genau diese Spieler mitnehmen.“
Merkwürdig findet er zudem, dass manche Teilnehmer zuvor noch nie ein World-Series-Turnier bestritten haben: „Es fühlt sich natürlich sehr seltsam an, dass manche die World Series Finals spielen, aber noch nie eine World Series gespielt haben.“

Rock ringt, Bunting sucht nach Form

Josh Rock setzte sich mit 6:4 gegen Simon Whitlock durch, konnte dabei laut Van der Voort aber nicht vollständig überzeugen: „Der steckt in einer Phase, in der es einfach nicht von selbst läuft. Sehr mühsam.“ Gegen Whitlock überwog vor allem die Erleichterung: „Whitlock hätte eigentlich einfach auf 5:5 stellen müssen. Dann gewinnst du am Ende 6:4, aber es ist mehr Erleichterung, als dass du wirklich etwas daraus mitnimmst.“
Größere Sorgen bereitet Stephen Bunting, der direkt gegen Raymond Smith unterlag. Von einer Krise will Van der Voort dennoch nicht sprechen: „Das fände ich übertrieben. Es gibt einfach sehr viele Spieler, die richtig gut sind.“ Für die kommende Saison empfiehlt er Bunting einen Kurswechsel: „Vielleicht ist es für ihn nächstes Jahr besser, mal ein Jahr keine Premier League zu spielen und einfach an seiner Rangliste zu arbeiten.“

Wade bleibt Wade

Zum Abschluss ging es um James Wade, der klar mit 6:0 gegen Kayden Milne gewann. Auffällig war seine knappe Reaktion danach – während viele Topspieler Qualifikanten aufmunternde Worte mitgeben, hielt sich Wade extrem kurz.
Van der Voort nahm es mit Humor: „Er ist nicht der Typ für ein Pläuschchen nach so einem Match. Aber so ist er eben. Er findet dann wirklich, dass der nichts kann und dass es schade ist, dass sie ihm einen Platz gegeben haben.“ Diese Haltung kann mürrisch wirken, doch bei Wade weiß jeder, woran er ist: „Ich weiß, dass viele Leute Probleme mit ihm haben, aber du weißt, was du bekommst. So ist er einfach.“
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading