„Er hatte keinen Grund, sich umzudrehen und zu mir zu schauen“ – Luke Littler bezieht erstmals Stellung zu Premier-League-Zwischenfall mit Gian van Veen
Luke Littler hat in den Medien offen über die derzeitige Phase der Premier-League-Saison gesprochen. Der junge Engländer war stark in die Saison gestartet, verlor anschließend jedoch seine Spitzenposition und erlebte in Brighton einen ungewohnt schwachen Spieltag.
„Zu Beginn der Premier League Darts lief es nicht wie geplant, aber danach habe ich mich mit ein paar Siegen zurückgekämpft“, erklärte Littler in einem ausführlichen Interview mit Online Darts.
Schwacher Abend in Brighton beschäftigt Littler
„Jonny steht jetzt oben. Letzten Donnerstag lief es nicht gut, mein schlechtester Average. Als ich auf die Bühne ging, hatte ich eigentlich keine Lust. Ich wollte einfach nicht dort sein.“
Der 19-Jährige führt seinen Auftritt unter anderem auf fehlende Vorbereitung zurück. „Ich war nur etwa 16 bis 18 Stunden zu Hause, hatte also kaum Zeit zum Trainieren. Ich habe vor dem Match noch gespielt, aber es lief nicht. Jetzt richten wir den Blick auf Rotterdam.“
Abseits der intensiven Atmosphäre der Premier League zeigte sich Littler bei einem Exhibition-Abend an der englischen Südküste in Bournemouth deutlich entspannter. „Es ist nicht schlecht. Natürlich sind diese Exhibitions gut, man trifft die Fans und das ist eigentlich der einzige Ort, an dem man einfach seine Darts werfen und ein bisschen Spaß haben kann. Aber ja, es wird wieder ein guter Abend hier in Bournemouth.“
Angesichts langer Warteschlangen für Fotos vor Beginn der Veranstaltung ergänzte er mit einem Augenzwinkern: „Erst machen wir die Fotos mit den VIPs fertig, und dann kommt der ganze verrückte Rest noch rein.“
Ärger um Van Veen noch nicht ganz abgeflaut
Auch das Nachspiel des Zwischenfalls mit Gian van Veen sorgt weiterhin für Gesprächsstoff, selbst wenn Littler betont, das Thema persönlich abgeschlossen zu haben. „Es ist, wie es ist, es ist erledigt. Ich habe es losgelassen, aber die Fans in Brighton nicht“, sagte er. „Ich denke, jeder sollte es jetzt einfach vergessen. Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen, aber das kommt noch.“
Luke Littler und Gian van Veen nach des umstrittenen Moments beim Premier-League-Spieltag in Brighton – der Zwischenfall sorgte anschließend für Diskussionen unter Fans und Spielern
Zum viel diskutierten Moment auf der Bühne stellte Littler noch einmal klar, dass sich seine Reaktion nicht gegen Gian van Veen gerichtet habe. „Ich schaue auf den Bildschirm und denke mir nur: Er wird nicht danebenwerfen. Selbst wenn er einen Wurf auf Bull bekommt – Gian ist einer der besten Bull-Werfer im Spiel.“
Als van Veen anschließend auf Doppel-15 stand, habe sich die Situation weiter zugespitzt. „Als er auf Doppel-15 warf, habe ich hochgeschaut, einen Schluck Wasser genommen und dann eine kleine Faustbewegung in Richtung Faith und ihres Vaters gemacht.“
Auf die Reaktionen aus dem Publikum habe er schließlich ebenfalls reagiert. „Dann haben die Fans auf dieser Seite angefangen zu schreien, also habe ich ihnen signalisiert: Kommt schon. Und dann dem ganzen Publikum. Aber Gian hatte keinen Grund, sich umzudrehen und zu mir zu schauen.“
Seine Absicht stellte Littler noch einmal eindeutig klar. „Ich habe das nicht gegen ihn gemacht. Ich habe es für Faith, ihren Vater und die Fans gemacht.“
Nach eigener Darstellung gab es zudem Details der Szene, die öffentlich kaum wahrgenommen wurden. „Was andere nicht gesehen haben: Als ich zurückgegangen bin und immer noch in diese Richtung geschaut habe, hat er seine Darts auf den Tisch gelegt. Das hat niemand gesehen. Deshalb finde ich eigentlich, dass er derjenige ist, der in dem Moment nicht seine Aufgabe gemacht hat – nämlich respektvoll zu bleiben.“
„Ich habe ihn ein Crybaby genannt“
Der 19-Jährige räumte gleichzeitig ein, emotional reagiert zu haben. „Ich bin dann zu ihm gegangen und habe ihn ein Crybaby genannt, weil das nicht nötig war und es keinen Grund gab, dass er seine Darts hinlegt. Als er dann gewonnen hat, habe ich meine Darts genommen und gesagt: ‚Gut gemacht, du hast gewonnen.‘“
Reaktionen in den sozialen Medien überraschen Littler nicht
Vom Ausmaß der Diskussionen in den sozialen Netzwerken zeigte sich Littler wenig überrascht. „Ich wusste, dass das explodieren würde. Alles explodiert. Aber selbst meine Familie und ich haben gesagt: In der Vergangenheit gab es schon heftigere Situationen, zum Beispiel zwischen Gerwyn Price und Daryl Gurney.“
Gleichzeitig erkennt der Engländer an, dass solche Situationen auch Aufmerksamkeit für den Sport erzeugen. „Es ist gut für Darts, die Leute schauen hin. Vielleicht entsteht eine Rivalität, das gehört dazu. Aber ich fokussiere mich einfach auf mein eigenes Spiel.“
Littler spürt zudem, dass er zunehmend besser mit der öffentlichen Aufmerksamkeit und negativen Publikumsreaktionen umgehen kann. „In Brighton hat mich jeder ausgepfiffen, aber ich habe mit den Schultern gezuckt. Ich dachte: Es ist eine Woche her, warum habt ihr es noch nicht vergessen? Ich lerne, während des Matches nicht darauf zu reagieren.“
Für die kommenden Spielorte stellt er sich dennoch auf schwierige Bedingungen ein. „Ich erwarte immer das Schlimmste. Ob in Rotterdam, Liverpool oder Leeds. Wenn es besser wird, ist das ein Bonus.“
In Brighton hatte es zudem Berichte gegeben, wonach Littler und van Veen getrennte Trainingsräume genutzt hätten. Laut „The Nuke“ stand das jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Vorfall aus der Vorwoche.
„Es gab zwei Trainingsräume und ich fragte die Security, wer wo spielt. Die Security sagte, dass Luke Humphries, Gian van Veen, Michael van Gerwen und Jonny Clayton im einen Übungsraum waren und Josh Rock, Gerwyn Price und Stephen Bunting im anderen. Dorthin bin ich dann gegangen, um es auszugleichen“, erklärte er.
„Ich kann so gut werden, wie ich will“
Trotz seines jungen Alters ist sich Littler bewusst, dass seine Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist – sowohl sportlich als auch mental. „Die älteren Spieler haben über Jahre Erfahrung gesammelt. Ich bin auf einen Schlag hineingerutscht. Ich lerne noch immer, wie ich mit allem umgehen muss, auf und neben dem Oche. Solange ich weiter lerne und meine Familie mich unterstützt, werde ich nur besser.“
Seine Ziele formuliert er entsprechend klar. „Ich kann so gut werden, wie ich selbst will. Ich werde definitiv noch besser. Ich muss einfach weiter Punkte sammeln und vielleicht wieder die Spitzenposition angreifen.“
Änderungen am Material und Blick auf Rotterdam
Neben den Ereignissen auf der Bühne sprach Littler auch über Anpassungen an seinem Material. „Ich hatte nicht viel Training, nur vor Brighton. Im Training lief es eigentlich okay, aber auf der Bühne hat es nicht funktioniert. Ich glaube, ich war zu sehr im Kopf. Deshalb bin ich wieder auf die Gen-1-Darts zurückgegangen.“
Gleichzeitig plant er weitere Tests in den kommenden Tagen. „Ich werde heute Abend hier noch mit den Prototypen trainieren und schauen, wie sie sich anfühlen. Und im Laufe der Woche Richtung Rotterdam stehe ich wieder regelmäßig am Practice Board.“
Fokus bleibt auf den kommenden Aufgaben
Trotz des dichten Programms richtet Littler seinen Blick konsequent nach vorn. „Wir bereiten uns immer auf das vor, was direkt vor uns liegt. Heute Abend geht es erstmal darum, ein bisschen Spaß zu haben. Man spielt gegen ein paar Fans und versucht natürlich, sich die 170er oder 120er stehen zu lassen – dreimal Tops.“
Mit Blick auf die nächsten Turniere wird der Fokus dann wieder geschärft. „Sobald ein Turnier beginnt, konzentriert man sich voll darauf. Wir schauen auf Rotterdam nächste Woche und die Woche danach. Die großen Events sind nicht mehr weit entfernt.“
Und wenn diese Momente kommen, zeigt sich Littler überzeugt: „Ich werde definitiv wieder aufblühen – hoffentlich schon in den kommenden Wochen.“