Dimitri van den Bergh hat erstmals ausführlich über die technischen Probleme gesprochen, die ihm in den vergangenen Monaten zu schaffen machten. Der 31-jährige Belgier erlebte eine schwierige Phase und enthüllte nach seinem Sieg in der Auftaktrunde der
Baltic Sea Darts Open, dass er sogar seine vertraute Wurfbewegung vollständig verloren hatte. Der frühere Sieger des World Matchplay und der UK Open berichtet offen über die Unsicherheit, die erzwungene Anpassung seiner Technik und die Motivation, die er aus seiner Familie zieht.
Für Van den Bergh bedeutete sein Sieg bei den
Baltic Sea Darts Open weit mehr als nur einen Platz in der zweiten Runde. Mit einem 6:2-Erfolg gegen Alan Soutar beendete er eine Wartezeit von ganzen 418 Tagen ohne Sieg bei einem European Tour-Event. Im Anschluss blickte der Belgier auf eine besonders schwierige Zeit zurück, in der er nicht nur mit seinen Resultaten haderte, sondern vor allem mit seinem eigenen Spiel.
„Ich weiß ehrlich gesagt immer noch nicht genau, wie es passiert ist“, sagte Van den Bergh. „Ich habe im vergangenen Jahr von September bis Ende November zusammen mit meinem Bruder trainiert. Irgendwann kam Spannung in meinen Arm und in meine zwei äußeren Finger. Jedes Mal, wenn ich meinen Arm hob, spürte ich diese Anspannung wieder.“
Laut der aktuellen Nummer 37 der Welt hatte das gravierende Folgen für sein Spiel. „Ich verlor meinen Wurf. Ich hatte keine Kontrolle mehr darüber und es fühlte sich völlig falsch an. Das Vertrauen verschwand komplett, weil ich schlichtweg nicht mehr wusste, was passieren würde, wenn ich einen Dart losließ.“
Radikale Entscheidung
Die Probleme hielten monatelang an und wirkten sich klar auf seine Leistungen aus. Van den Bergh schaffte es in dieser Saison bei keinem einzigen Players Championship-Turnier in ein Viertelfinale. Auch bei den Majors lief es nicht mehr rund.
Mit seiner Position in der Weltrangliste unter Druck fasste der Belgier zu Beginn dieses Jahres einen drastischen Entschluss. Kurz vor den UK Open warf er seine vertraute Technik über Bord und begann mit einer komplett neuen Wurfbewegung.
„Seit diesem Jahr, eine Woche vor den UK Open, habe ich entschieden, meinen Wurf zu verändern“, erklärte er. „Ich habe angefangen, auf eine neue Art zu werfen, mit nur drei Fingern. Das ist jetzt mein neuer Wurf. Damit versuche ich, mehr Kontrolle zu bekommen und dafür zu sorgen, dass weniger Dinge schiefgehen können.“
Auch wenn sich die Ergebnisse auf dem Scoreboard noch nicht immer widerspiegeln, spürt Van den Bergh selbst deutliche Fortschritte. „Ich fühle mich damit wohler. Ich mache mir viel weniger Sorgen als vor drei oder vier Monaten. Das ist für mich ein enormer Schritt nach vorn.“
Dimitri Van den Bergh besiegte in der Auftaktrunde Alan Soutar mit 6:2
Kampf um den Erhalt der PDC Tour Card
Der Belgier weiß zugleich, dass der Druck hoch bleibt. Seine Position in der Rangliste ist alles andere als sicher und ihm ist bewusst, dass eine starke zweite Saisonhälfte notwendig ist, um seine Zukunft auf der PDC Tour abzusichern.
„Ich habe ein sehr wichtiges Jahr vor mir“, so Van den Bergh. „Es besteht eine realistische Chance, dass ich meine PDC Tour Card verliere, wenn ich nicht genügend Ergebnisse einfahre. Ich stehe aktuell wieder in den Top 64, aber mein wichtigstes Ziel ist es, mich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren.“
Dieses Ziel mag für einen Spieler, der in der Vergangenheit mehrere Majors gewonnen hat, selbstverständlich erscheinen, doch die Realität ist, dass Van den Bergh zuletzt vor allem damit beschäftigt war, sein Basisniveau wiederzufinden. Der Sieg bei den Baltic Sea Open könnte dabei ein wichtiger Mutmacher sein.
Bewusste Darts-Pause
Um mental wie technisch wieder Ruhe zu finden, entschied sich Van den Bergh früher in diesem Jahr für eine vorübergehende Auszeit. Zwischen April und Juni nahm er bewusst Abstand vom Darts, was ihm nach eigenen Angaben sehr gutgetan hat.
„Ich habe von April bis zum World Cup of Darts eine Pause gemacht“, erzählte er. „In der ersten Woche oder den ersten zwei habe ich sogar bewusst keinen einzigen Dart angefasst. Ich wollte meinen Kopf freibekommen, an meinem Erholungsprozess arbeiten und einfach wieder durchatmen.“
Diese Phase half ihm, die Dinge in Perspektive zu setzen. Wo Ergebnisse und Ranglisten lange Zeit seine volle Aufmerksamkeit beanspruchten, wurde ihm klar, dass es mehr gibt als nur sportliche Erfolge.
„Es gibt im Leben viel mehr als nur Darts“, betonte er.
Seine Kinder als größte Motivation
Eine wichtige Rolle in dieser neuen Sichtweise spielt seine Familie. Van den Bergh will seine Familie stolz machen und sagt, dass sie der Hauptgrund ist, warum er weiterkämpft, um zu seinem alten Niveau zurückzukehren.
„Ich bin Vater von zwei Kindern“, sagte er. „Sie sind meine größte Motivation, im Darts gut zu sein. Ich will sicherstellen, dass ich für sie sorgen kann und ihnen die Möglichkeit gebe, ihre eigenen Träume zu verwirklichen.“
Diese Worte zeigen eine andere Seite des belgischen Publikumslieblings. Wo Van den Bergh jahrelang für seine energiegeladenen Walk-ons und seine flamboyante Ausstrahlung auf der Bühne bekannt war, spricht nun vor allem ein gereifter Sportler, der gelernt hat zu relativieren und Prioritäten zu setzen.
Mit einem erneuerten Wurf, frischem Vertrauen und zusätzlicher Motivation aus seiner Familie hofft Van den Bergh, den Weg nach oben wieder einzuschlagen. Der Sieg bei den Baltic Sea Open liefert dafür zumindest einen ersten positiven Hinweis. Die kommenden Monate werden zeigen, ob „The Dreammaker“ seine schwierige Phase endgültig hinter sich lassen und wieder um die größten Titel der Dartswelt mitspielen kann.