Luke Littler hat die internationale Darts-Welt im Rekordtempo erobert. Gerade einmal 19 Jahre alt, sammelt der Engländer einen großen Titel nach dem anderen und scheint derzeit kaum aufzuhalten zu sein. Ex-Weltmeister
Keith Deller sieht aktuell sogar nur einen Spieler, der „The Nuke“ dauerhaft ernsthaft gefährlich werden kann:
Luke Humphries.
Allein in diesem Jahr triumphierte Littler bereits bei der Darts WM, dem World Masters, den UK Open, der Premier League und dem World Matchplay. Seit seinem endgültigen Durchbruch im Jahr 2024 hat er damit bereits 14 große Titel gewonnen. Und nun nimmt der Engländer eine Leistung ins Visier, die in der Geschichte des Sports einmalig wäre: den Gewinn sämtlicher großer PDC-Turniere innerhalb eines Jahres.
Fünf Titel fehlen Littler zur historischen Leistung
Dafür müsste Littler 2026 allerdings noch fünf weitere Haupttitel gewinnen: die
World Series of Darts Finals, den World Grand Prix, die European Championship, den Grand Slam of Darts und die Players Championship Finals. Sollte er tatsächlich auch bei diesen fünf Turnieren triumphieren, würde ihm etwas gelingen, das vor ihm noch kein Spieler geschafft hat.
Luke Littler dominiert die Darts-Welt und jagt einen Rekord nach dem anderen. Laut Ex-Weltmeister Keith Deller kann ihm vor allem Luke Humphries gefährlich werden.
Doch nicht nur dieser historische Meilenstein rückt für „The Nuke“ zunehmend in Reichweite. Bezieht man das Ende des Jahres 2025 mit ein, hat Littler mittlerweile sieben große PDC-Turniere nacheinander gewonnen. Damit gerät auch die Bestmarke von Phil Taylor immer stärker in Sichtweite, der einst neun Turniersiege in Serie feierte.
Humphries als größte Bedrohung für Littler
Für Deller gibt es derzeit im Grunde nur einen Spieler, der Littlers beeindruckenden Siegeszug stoppen kann. „Ich denke, das Problem ist, dass es nur einen Spieler gibt, der ihn schlagen kann, und das ist Luke Humphries.“
Der Weltmeister von 1983 verweist vor allem darauf, dass Humphries bereits bewiesen hat, Littler ausgerechnet in den entscheidenden Momenten bezwingen zu können. „Ich persönlich denke das, weil er ihn bereits in ein paar Finals geschlagen hat. Luke hat das Spiel, um in großen Finals zu liefern.“
Hinzu kommt, dass Humphries nach Einschätzung Dellers zuletzt wieder neues Selbstvertrauen getankt hat. „Luke Humphries kommt jetzt wieder ein bisschen rein. Letzte Woche, als er ein Floor-Turnier gewann, strahlte er noch nicht übertrieben viel Selbstvertrauen aus. Aber wenn du gewinnst, kommt dieses Vertrauen automatisch. Das ist für mich die einzige Sorge: wenn Luke Humphries früh ausscheidet.“
Deller hält es sogar für möglich, dass ein frühes Ausscheiden von Humphries bei der Konkurrenz einen erheblichen mentalen Effekt auslösen könnte. „Denkt Luke Littler dann: Okay, das war’s, gebt mir jetzt den Pokal? Ich meine, er gewinnt die meisten Trophäen ohnehin.“
Dass Deller ausgerechnet Humphries als Littlers größten Widersacher ausmacht, ist keineswegs unbegründet. Littler hat in diesem Jahr lediglich ein Finale verloren – und sein Gegner hieß ausgerechnet Luke Humphries. Beim US Darts Masters entschied Humphries einen dramatischen 8:7-Thriller für sich.
Inzwischen hat der achtfache Major-Sieger Littler bereits in drei TV-Finals bezwungen. Häufiger ist das bislang keinem anderen Spieler gelungen. Michael van Gerwen schaffte es bisher einmal, Littler in einem TV-Endspiel zu schlagen.
Littler nimmt Taylors Rekorde ins Visier
Wie außergewöhnlich Littlers derzeitige Dominanz ist, lässt sich auch anhand seiner Statistiken ablesen. Beim diesjährigen World Matchplay in Blackpool stellte er einen neuen Rekord für den höchsten Turnieraverage auf. Über das gesamte Event hinweg spielte Littler einen Average von 111,05 und übertraf damit die bisherige Bestmarke von Taylor deutlich. Dessen Average von 106,32 hatte seit 2010 als Rekord Bestand.
Auch über längere Distanzen erweist sich Littler derzeit als nahezu unbezwingbar. Mit seinem Erfolg gegen Gerwyn Price im Finale des World Matchplay feierte er bereits seinen 29. Sieg in Folge in Partien, die über mehr als zwanzig Legs ausgetragen wurden.
Deller erkennt deshalb immer mehr Ähnlichkeiten zu jener Zeit, in der Taylor den Darts-Sport über Jahre hinweg dominierte. „Zu unserer Zeit war es mit Phil Taylor ein bisschen dasselbe. Dennis Priestley war damals einer, der ihm stets Paroli bieten konnte, ebenso wie Rod Harrington.“
Der frühere Weltmeister beschäftigt dabei vor allem die Frage, ob Littler seinen Konkurrenten inzwischen nicht nur spielerisch, sondern auch mental enteilt ist. „Ich denke, das Problem ist, dass ich mir etwas Gedanken gemacht habe, als Gerwyn Price nach dem Erreichen des Matchplay-Finals sagte, sie seien alle vor ihm ängstlich.“
Deller weiter: „Meiner Meinung nach hat Gerwyn zwölf von vierzehn Matches gegen ihn verloren. Die anderen Topspieler, von denen wir wissen, dass sie großartig sind, sind einfach nicht gut genug, um ihn zu schlagen. Wie man es auch dreht, das ist ein Anliegen. Gleichzeitig ist das, was Luke getan hat, großartig für den Sport.“
Littlers Wirkung reicht längst über das Board hinaus
Dass Littler mittlerweile weit mehr verkörpert als lediglich den aktuell erfolgreichsten Spieler der Darts-Welt, wurde Deller vor Kurzem bei einem Zwischenstopp an der A1 bewusst. „Das Lustige ist, dass ich neulich an einer Raststätte an der A1 war.“
Was er dort beobachtete, verdeutlichte ihm Littlers enorme Strahlkraft. „Normalerweise siehst du dort vor allem Fußballtrikots. Aber ich sah zwei Jungs mit Trikots von Luke Littler. Es lief nicht einmal Darts! Ich dachte mir: Das habe ich noch nie gesehen. Das zeigt, wie groß sein Einfluss ist.“
Vollkommen unangreifbar ist Littler nach Dellers Einschätzung dennoch nicht. Vor allem die kürzeren Partien auf der ProTour bieten seinen Konkurrenten Möglichkeiten. „Bei den Floor-Turnieren, mit Partien über Best-of-11 Legs, kannst du leicht mal verlieren. Wenn du keinen Average von 100 spielst, gibt es genug Spieler, die dich schlagen können.“
Sobald jedoch die TV-Kameras laufen und die Distanzen länger werden, verändert sich das Bild grundlegend. Auf den großen Bühnen scheint Littler sogar noch einmal eine zusätzliche Leistungsstufe zu erreichen. „Es scheint einfach so, dass er in diesen TV-Matches auf einem anderen Level ist.“