Chris Dobey ist mit einem ungefährdeten Auftakterfolg ins World Matchplay 2025 gestartet. Beim 10-5-Sieg über Ricardo Pietreczko zeigte sich der Engländer spielerisch solide – und doch sprach er im Anschluss von gemischten Gefühlen. In der Pressekonferenz nach dem Spiel erklärte er unteranderem gegenüber Dartsnews.de, warum persönliche Freundschaften seine Stimmung dämpften.
„Luke Humphries und Nathan Aspinall sind zwei meiner besten Kumpel auf der Tour. Man will sie einfach dabei haben“, sagte Dobey. „Wir verbringen mehr Zeit miteinander als mit unseren Familien. Es war nicht schön, sie so früh ausscheiden zu sehen – aber am Ende muss ich mich auf mein eigenes Spiel konzentrieren.“
Holpriger Start, starker Endspurt
Dobey, an Nummer sechs gesetzt, erwischte gegen Pietreczko einen nervösen Beginn, erlang jedoch rechtzeitig die Kontrolle zurück. Nach frühem Rückstand gewann er sieben der letzten acht Legs und zog zum vierten Mal in Folge ins Achtelfinale von Blackpool ein.
Sorgte für das zweite deutsche Aus des Turniers: Chris Dobey
„Der Start war chaotisch“, so Dobey. „Ich war überhastet, hatte Mühe, meinen Rhythmus zu finden. Ricardo hatte ein paar Bounce-outs und hat sich bei seinen Würfen Zeit gelassen. Ich wollte mitgehen – und habe dadurch meinen eigenen Takt verloren. Aber sobald ich mich beruhigt hatte, lief es. Die Doppel haben anfangs nicht gesessen, aber am Ende wurde es besser.“
Dass er trotz schwankender Form den Sieg holte, wertete der 2023er Masters-Champion als wichtiges Zeichen: „Es ist schön, auch mal hässlich zu gewinnen. Wer solche Spiele über die Linie bringt, zeigt Charakter. Es geht darum, was man macht, wenn man nicht bei 100 Prozent ist.“
Majorsehnsucht und Kritik am System
Dobey, noch ohne Ranglisten-Titel auf der großen Bühne, macht keinen Hehl aus seinem Anspruch: „Ich bin bereit für ein Major“, sagte er entschlossen. „Der Masters-Sieg war ohne Ranglistenpunkte – und fühlt sich ewig her an. Ich spiele gut, arbeite hart – jetzt geht’s darum, im richtigen Moment zu liefern.“
Dabei sieht der Engländer die Struktur der Order of Merit kritisch: „Es ist brutal. Nathan ist raus, Michael Smith war gar nicht erst dabei. Das zeigt, wie unbarmherzig das System ist. Eine einjährige Rangliste würde mehr Sinn machen. Smith hat nur deshalb gefehlt, weil er Geld von der WM verteidigen musste – und dabei war seine Saison keineswegs schlecht.“
Fokus auf das Hier und Jetzt
Dobey selbst lässt sich von Rechenspielen nicht ablenken. „Wenn ich gut spiele, weiß ich, dass ich dieses Turnier gewinnen kann. Und wenn nicht – dann habe ich es auch nicht verdient, und fahre nach Hause.“
In der nächsten Runde wartet mit Gerwyn Price eine echte Herausforderung. Der Engländer zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Ich glaube, dass ich zu den besten Spielern der Welt gehöre. Mein Scoring passt, mein Spielgefühl ist da – und wenn die Doppel kommen, kann ich jeden schlagen.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.