„Es war nicht, was ich von mir selbst erwartet hatte“ – Gian van Veen hadert trotz Finaleinzug mit eigener Leistung beim Premier-League-Debüt

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 06 Februar 2026 um 10:00
Gian van Veen
Für Gian van Veen war der gestrige Donnerstagabend einer, den er so schnell nicht vergessen wird. Sein allererster Auftritt bei der Premier League Darts 2026 endete direkt mit einem Finaleinzug und drei wichtigen Punkten auf dem Konto. Und das, obwohl er selbst als Erster zugibt, dass es spielerisch bei Weitem nicht perfekt lief. Genau das macht diesen Auftaktabend für den jungen Niederländer vielleicht umso aussagekräftiger.
„Es war schon positiv“, blickte van Veen bei Viaplay ehrlich zurück. „Ich war heute Abend nicht gut. Das hat jeder gesehen. Es war nicht das, was ich vielleicht von mir erwartet hatte.“ Worte, die zu einem Spieler passen, der sich kritisch einschätzt, aber zugleich das große Ganze nicht aus den Augen verliert. Denn trotz schwankender Scores und verpasster Doppel stand van Veen am Ende des Abends im Finale um den Spieltagssieg.

Nicht gut – trotzdem ein Finale

Es klingt fast widersprüchlich: unzufrieden mit dem eigenen Spiel, aber beim Premier-League-Debüt dennoch bis ins Finale vorstoßen. Doch genau das erlebte van Veen. „Im Scoring lief es nicht ganz“, gab er offen zu. „Aber wenn du dann trotzdem das Finale erreichst – ja, das ist einfach ein ordentlicher Abend.“
Diese Feststellung griff auch der Interviewer auf. An einem Abend, an dem man glaubt, am absoluten Limit agieren zu müssen, tat van Veen genau das nicht – und gewann trotzdem seine Spiele. „Das ist auch ganz angenehm“, sagte er mit einem Lächeln. „Es gibt Selbstvertrauen, dass es auch geht, wenn du nicht in Bestform bist.“
Dieses Gefühl wiegt womöglich schwerer als ein hoher Average oder ein spektakuläres Finish. Das Wissen, auch an schwächeren Tagen auf allerhöchstem Niveau bestehen zu können, markiert einen entscheidenden Entwicklungsschritt für jeden Topsportler.

Überleben statt dominieren

In seinen ersten Partien hatte van Veen sichtbar zu kämpfen. Er ließ Doppel liegen, Legs zogen sich länger als gewünscht – doch immer wieder arbeitete er sich zurück. „Auch wenn du nicht in Topform bist, fliegst du nicht direkt in Runde eins raus“, erklärte er. „Dass es dann trotzdem so läuft, gibt zusätzliches Vertrauen für die kommenden Wochen.“
Diese Widerstandskraft kommt nicht von ungefähr. Van Veen gilt als Spieler mit starker Mentalität, als jemand, der nicht schnell die Nerven verliert. Das bestätigte sich auch an diesem Abend. Sowohl im ersten als auch im zweiten Match vergab er Chancen auf die Doppel, blieb aber von sich überzeugt. Im Finale schrieb die Geschichte dann ein anderes Kapitel.

Enttäuschung gegen van Gerwen

Dort wartete niemand Geringerer als Michael van Gerwen. Für Van Veen ein Gegner, gegen den man immer noch ein paar Prozent mehr abrufen will. „Darüber ärgere ich mich enorm“, sagte er ehrlich. „Im Scoring war ich gegen Michael einfach nicht gut. Und natürlich willst du so einen Abend gewinnen. Gerade gegen Michael. Das ist eben ein Match, das du besonders gerne gewinnen willst.“
Der Respekt vor van Gerwen ist deutlich spürbar, gleichzeitig klingt auch der Hunger durch, ihn zu schlagen. Dass es an diesem Abend nicht gelang, akzeptierte van Veen ohne Ausreden. „Heute war es einfach nicht drin. Das ärgert mich, aber gut – das gehört dazu.“
Diese nüchterne Haltung passt zu ihm. Keine übertriebene Enttäuschung, kein Frust über sich selbst – sondern die klare Einsicht, dass manche Abende schlicht nicht das Maximum hergeben. Selbst dann, wenn man „nur“ Zweiter wird.

Eine Halle, die beeindruckt

Neben dem Sportlichen rückte auch das Erlebnis in den Fokus. Die Premier League Darts steht für große Arenen, Lichtshows und intensive Atmosphäre – für van Veen war all das Neuland. „Großartig“, sagte er sichtlich begeistert. „Es ist schön, hier mein Debüt zu geben. Erste Premier-League-Nacht überhaupt, zwei Matches gewonnen und ein Finale erreicht. Das genieße ich ungemein.“
Auch das Setting hinterließ Eindruck. „So eine immense Halle… es wirkt hier fast so groß wie Ahoy“, wurde ihm vorgehalten. Van Veen nickte. „Es war wunderschön. Ich habe das enorm genossen.“
An diese Inszenierung müssen sich viele Spieler erst gewöhnen. Die Premier League lässt sich mit einem regulären Ranglistenturnier nicht vergleichen – alles ist größer, lauter und intensiver. Dass Van Veen sich dort scheinbar mühelos zurechtfand, unterstreicht sein Potenzial.
Am Ende des Abends zog er auch in Zahlen Bilanz: drei Punkte, ein Finalplatz und ein starker Start in der Tabelle. „Drei Punkte im Sack“, sagte er zufrieden. „Damit kannst du nach Hause kommen.“
Mit einem Augenzwinkern blickte er sogar schon voraus: „Zweiter im Ranking. Meinetwegen können sie jetzt abbrechen. Auf zur O2 Arena.“ Natürlich ein Spaß – aber auch ein klares Signal. Van Veen fühlt sich in diesem Feld sichtbar wohl. Er gehört in die Premier League. Und er weiß es.
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