Cameron Menzies hat am Freitagabend in Kiel sein bestes Match der Saison gespielt. Der Schotte setzte sich in der ersten Runde der
Baltic Sea Darts Open überzeugend gegen
Rob Cross durch und notierte dabei einen beeindruckenden Schnitt von 108,41.
Für Menzies bedeutete das nicht nur einen 6:4-Sieg gegen einen ehemaligen Weltmeister, sondern auch einen kräftigen mentalen Schub nach einem schwierigen Start ins Jahr. Auf der Bühne strahlte der Schotte nach dem Match sichtlich vor Erleichterung.
„Habe ich vier Darts gebraucht? Sechs Darts? Zehn Darts? Keine Ahnung. War das wirklich so? Bist du sicher? Dann bekomme ich in meinem Fall sechs. Ich habe einfach extrem schnell geworfen — ihr habt es gar nicht gesehen“, witzelte er.
„Aber ehrlich gesagt fühlte ich mich in diesem Spiel gut. Rob hat gespielt... Gegen Ende wurde ich nervös, als ich zwei Darts auf Doppel 6 zum Match bekam. Der erste ging an den Draht — oder vielleicht knapp außerhalb. Der zweite tat weh.
Ich dachte: ‚Rob spielt hier gut, bring es einfach zu Ende.‘ Ich sagte mir immer wieder: ‚Halte dein eigenes Leg, halte dein eigenes Leg.‘ Am Ende habe ich sein Leg gebreakt und das Match gewonnen.“
Mit sechs Maxima und einem sensationellen 170-Finish zeigte Menzies, wozu er in Topform fähig ist. Er selbst schien nach dem Match kaum zu realisieren, wie hoch sein Niveau tatsächlich gewesen war.
Als Interviewer Philip Brzezinski ihm sagte, dass er seinen höchsten European-Tour-Schnitt aller Zeiten gespielt habe, reagierte Menzies mit seinem typischen Humor. „Bist du sicher, dass ich nicht sechs Darts gebraucht habe? Ich habe einfach so schnell geworfen, dass du es nicht gesehen hast.“
Erleichterung nach schwieriger Phase
Der Sieg kam für Menzies zum richtigen Zeitpunkt. Der Schotte gab zu, in den vergangenen Wochen viele Zweifel gehabt zu haben und sogar erwogen zu haben, an diesem Wochenende wegen seines vollen Terminkalenders nicht anzutreten.
„Mein Manager hat mir Nachrichten geschickt und ich habe tatsächlich gezögert, ob ich dieses Wochenende spielen soll“, sagte er. „In den kommenden Wochen bin ich extrem beschäftigt, aber so ein Sieg macht alles wieder lohnenswert.“
Damit spielte Menzies auch auf seinen starken Auftritt am vorherigen Euro-Tour-Wochenende an, bei dem er erstmals das Halbfinale erreichte. Dieser schöne Lauf endete jedoch schmerzhaft mit einer deutlichen 0:7-Niederlage gegen Ross Smith.
„Das tat wirklich weh“, gab Menzies ehrlich zu. „Ich war nicht einmal so sehr enttäuscht, dass ich verloren habe, sondern vor allem, dass es 0:7 ausging. Das hat hart getroffen.“
Dennoch versuchte er, die positiven Aspekte dieses Wochenendes mitzunehmen. „Am Ende gab mir das aber das Vertrauen, das ich nach dem schlechten Start in die Saison gebraucht habe“, sagte er. „Es ist ein sehr seltsames Gefühl. Im einen Moment bist du ganz oben, und eine Stunde später fühlst du dich wieder völlig leer.“
Deutsche Fans geben Menzies Energie
Auch das Publikum in Kiel beeindruckte den Schotten, der sich sichtbar auf der deutschen Bühne zu Hause fühlte. „Das Publikum war großartig, wie immer in Deutschland“, so Menzies. „Vor allem Kiel ist ein fantastischer Ort.“
Natürlich konnte er es nicht lassen, noch eine typische Menzies-Bemerkung anzufügen. „Nur das Wetter… das ist hier ja wie in Schottland. Sonne, Gewitter und Blitz am selben Tag, was ist das?“