„Halb elf abends? Lieber nicht, ich bin ein alter Mann und brauche meinen Schlaf“ – Dave Chisnall hofft in Krakau auf die Wende

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 20 Februar 2026 um 14:30
Dave Chisnall
Mit Dave Chisnall kehrt an diesem Wochenende einer der erfolgreichsten Spieler der Turnierserie auf die European Tour zurück. Der 45-jährige Engländer ist in Krakau gelandet, wo am Wochenende die Poland Darts Open ausgetragen werden. Nach einem frustrierenden Jahr 2025 auf dem europäischen Circuit hofft „Chizzy“ in Polen auf die Wende.
Vor zwei Saisons hatte sich Chisnall noch zum besten Spieler der European Tour gekürt, doch im vergangenen Jahr folgte eine beispiellose Serie von Rückschlägen. Gleich achtmal in Folge scheiterte er in der ersten Runde. „Ich weiß, dass das nicht gut aussieht“, sagt Chisnall offen. „Achtmal in Folge in Runde eins raus, das liest sich nicht gut. Aber ich hatte auch wirklich Pech.“

Rückschläge trotz starker Leistungen

So traf er unter anderem auf Ryan Searle, der gegen ihn einen Average von 104 spielte. „Ich habe selbst gut gespielt, aber er war einfach noch besser. Da kannst du dir wenig vorwerfen.“
Dave Chisnall trifft zum Auftakt der Poland Darts Open auf Darryl Pilgrim
Dave Chisnall trifft zum Auftakt der Poland Darts Open auf Darryl Pilgrim
Auch gegen Raymond van Barneveld bekam Chisnall die volle Klasse seines Gegners zu spüren. In Budapest unterlag er dem Niederländer mit 1:6. „Barney spielte eines der besten Matches, die ich seit Jahren von ihm gesehen habe“, blickt Chisnall zurück. „Manchmal läufst du einfach in etwas Besonderes hinein.“
Als wäre das nicht genug gewesen, folgte wenig später eine weitere Demonstration – diesmal durch Luke Woodhouse, der einen Average von 111 auflegte. Für Chisnall steht diese Phase sinnbildlich für seine Saison: selbst solide spielen, aber immer wieder auf einen Gegner treffen, der genau das Quäntchen mehr bringt.

Ein mentaler Unterschied

Trotzdem zieht Chisnall einen wichtigen Unterschied. „Wenn du gut spielst und trotzdem geschlagen wirst, ist das leichter zu akzeptieren, als wenn du schlecht spielst und knapp verlierst. Mental ist das ein großer Unterschied. Dann glaubst du wenigstens weiter daran, dass dein Niveau stimmt.“
Bei den Poland Darts Open startet Chisnall gegen Darryl Pilgrim. Auf dem Papier ein Gegner, den er schlagen kann – doch Unterschätzung ist tabu, gerade mit Blick auf die Erfahrungen aus dem Vorjahr.
Auffällig: Diesmal greift Chisnall bereits am Freitag ins Geschehen ein, statt als gesetzter Spieler erst am Samstag einzusteigen. „Vielleicht spielt mir das sogar in die Karten“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Letztes Jahr habe ich oft am Samstagmittag oder spät am Abend gespielt. Diese späten Partien sind nichts für mich.“
Damit spielt er unter anderem auf seinen Auftritt beim Winmau World Masters in Milton Keynes an, wo er als einer der Letzten die Bühne betrat – direkt nach einem Match von Publikumsliebling Luke Littler. „Ich verstehe, dass TV-Sender auf Quoten schauen und die Leute wegen Luke Littler dranbleiben, aber um halb elf abends anzufangen, ist nicht ideal. Ich bin inzwischen ein alter Mann, ich liebe meinen Schlaf“, schreibt Chisnall in seiner Kwiff-Kolumne.
Der Austragungsort selbst stimmt ihn jedoch optimistisch. Krakau war ihm in der Vergangenheit wohlgesonnen, und die polnischen Fans gelten als besonders leidenschaftlich. „Das Publikum hier ist immer fantastisch. Ich hoffe, dass ich ihnen an diesem Wochenende etwas zum Jubeln geben kann.“

Jüngste Auftritte machen Mut

Auch seine jüngsten Auftritte auf der Pro Tour stimmen positiv. Bei den Players Championships in Wigan fühlte sich Chisnall am Oche sichtlich wohl. Zwar schied er am ersten Tag direkt aus – nach einer 3:6-Niederlage, in der er viele Doppel-Darts vergab –, doch sein Grundgefühl blieb gut. „Das war einfach so ein Tag, an dem die Doppel nicht fielen. Den hakt man ab.“
Einen Tag später spielte er nach eigener Aussage noch besser, verlor aber gegen Daryl Gurney. „Daryl hat in den richtigen Momenten hohe Scores geworfen und seine Doppel getroffen, wenn es nötig war. Genau das brauchst du in diesem Sport.“
Trotz der wechselhaften Ergebnisse klingt Chisnall kämpferisch. „Mein Spiel ist in einem viel besseren Zustand als vor zwölf Monaten. Ich fühle mich gut.“ So ist der Engländer auch wieder zu Scherzen aufgelegt: „Mein Manager hat mir diesmal sogar ein Shirt besorgt, das passt“, witzelt er.
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