In einer brodelnden Arena in Glasgow hat
Gian van Veen seine zweite Finalteilnahme an drei Spielabenden der
Premier League Darts erreicht. Der Abend endete für den Niederländer jedoch enttäuschend, der im Endspiel mit 6:2 gegen
Jonny Clayton unterlag. Trotz des klaren Ergebnisses blieb Van Veen nüchtern in seiner Analyse. „Scoring war ich einfach nicht gut genug. Er war im scoring deutlich besser als ich.“
Clayton setzte von Beginn des Finals an mit hohen Scores den Ton, während Van Veen zu oft hinterherlief. Wo Van Veen sich früher am Abend noch mit seinen Finishes retten konnte, gelang ihm das im Finale nicht. „Beim Finishen lief es heute Abend gut“, stellte er anschließend im Gespräch bei
Viaplay fest. „Aber das brauchte ich auch, weil ich scorend etwas zurücklag. Dann kommst du ab und zu mit ein paar guten Finishes wieder heran. Bis ins Finale hinein habe ich das sehr schön lösen können.“
Diese klinische Doppelquote hinterließ Eindruck. In früheren Partien des Abends zog Van Veen Legs an sich, die auf dem Papier verloren schienen. Das gab ihm sichtbar Vertrauen. „Daraus ziehst du dann wieder sehr viel Selbstvertrauen. Und dann ist es schön, dass du wieder ein Finale erreichst.“
Im Endspiel konnte er den Unterschied im Scoring jedoch nicht mehr kompensieren. „Aber ja, genau wie ich sage: bis ins Finale. Im Finale liefen die Tripplefelder einfach nicht gut genug.“
Zwei Finals in drei Abenden: „Darauf bin ich stolz“
Dass Van Veen erneut ein Finale erreichte, sagt viel über seinen Start in dieser prestigeträchtigen Konkurrenz aus. Zwei Mal unter die letzten Zwei an den ersten drei Spielabenden. Es zeigt, dass er zwischen den Allerbesten konstant abliefern kann. „Aus drei Abenden zwei Mal das Finale erreichen, das ist einfach sehr stark“, sagte Van Veen. „Darauf bin ich auch unglaublich stolz.“
„Ich weiß für mich ganz genau, wo die Verbesserungsansätze liegen. Es ist manchmal schade, dass du das nicht zeigst, aber das gehört auch dazu.“ Für Van Veen ist es sein Debütjahr in der
Premier League. Wöchentlich spielt er in Arenen mit Zehntausenden Zuschauern. „Es sind sehr große Hallen. Zehn-, zwölftausend Leute jede Woche, vor denen du spielst. Daran bist du überhaupt nicht gewöhnt. Aber ich genieße es sehr.“
Glasgow bedeutete zudem eine Premiere. „Das erste Mal überhaupt, dass ich in Schottland gewesen bin. Dass man für seinen Sport hierherkommen darf, das genieße ich schon.“
Zusätzlicher Druck nach WM-Finale
Seit seinem Aufstieg auf die Weltbühne hat die Aufmerksamkeit für Van Veen deutlich zugenommen. Sein Finaleinzug bei der WM und seine
hohe Position in der Weltrangliste haben die Erwartungen nach oben geschraubt. Das spürt er auch.
„Es steht natürlich schon etwas zusätzlicher Druck drauf“, gab er zu. „Du musst heute Abend gegen Stephen Bunting beginnen. Dann sagen die Leute: das Spiel musst du gewinnen, denn er steht niedriger im Ranking. Aber es gibt so viele gute Spieler. Alle acht Spieler hier können 100, 105 oder 110 im Average werfen. Es macht wenig aus, gegen wen du spielst.“
Das Umfeld blickt anders auf ihn, stellt er fest. „Jetzt, wo du das WM-Finale erreicht hast und in der Weltrangliste weit oben stehst, erwarten die Leute mehr von dir. Das merkt man schon. Aber ich denke, dass ich bisher gut zeige, was ich kann.“
Nach dem verlorenen Finale folgte noch ein auffälliger Moment. Als die Partie vorbei war, ging Van Veen auf Clayton zu und machte eine spielerische Bewegung, als wolle er ihm einen Klaps geben. Mit einem Lächeln blickte er darauf zurück. „Ich habe mich zurückgehalten“, lachte er. „Aber ich hätte ihm gern fest auf den Hinterkopf gehauen, so nach dem Motto: ‚Du warst heute Abend einfach einen Tick zu gut.‘ Aber ich habe mich ordentlich zusammengerissen.“
Lange kann er bei der Niederlage nicht verweilen. Der Darts-Kalender rollt nämlich schon weiter. „Morgen Nachmittag fliegen wir weiter nach Polen“, erzählte Van Veen. „100 Prozent Lust drauf. Es ist das erste European Tour Turnier des Jahres, deshalb freue ich mich darauf.“