Ricky Evans hat bei den
Baltic Sea Darts Open ein klares Signal an die Dartswelt gesendet. Der Engländer, der seit Jahren für seinen blitzschnellen Wurfstil und seine ausladenden Walk-ons bekannt ist, zeigte in Kiel, dass hinter dem Entertainment auch ein ernstzunehmender Spitzensportler steckt. Mit einem überzeugenden 6:3-Sieg gegen Daryl Gurney qualifizierte sich der ehemalige UK-Open-Viertelfinalist für die dritte Runde eines PDC-Turniers, etwas, das ihm in dieser Saison noch nicht gelungen war.
Für Evans bedeutete
der Sieg mehr als nur einen Platz in der nächsten Runde. Die aktuelle Nummer 49 der Weltrangliste sieht es als Bestätigung, dass er nach einer schwierigen Phase Schritt für Schritt wieder auf dem Weg zurück ist. Gegen Gurney lieferte er einen äußerst soliden Auftritt ab, bei dem er unter anderem zwei Finishes von über hundert notierte. Vor allem sein sehenswertes 121-Finish zählte zu den Höhepunkten der Partie. Zudem war er auf die Doppelfelder außergewöhnlich effektiv, mit sechs Treffern aus neun Versuchen.
„Ich kämpfe immer noch, aber ich komme zurück“
Nach dem Match sprach Evans offen über seine aktuelle Form und sein wachsendes Selbstvertrauen. „Ich kämpfe immer noch, aber ich komme zurück, glaub mir“, so Evans. „Wenn ich mein bestes Spiel abrufe, sind diese Spieler in Gefahr. Ich spiele noch nicht großartig, aber mein Selbstvertrauen wächst. Ich glaube wieder an mich, und deshalb gibt es keinen Grund, warum ich nichts erreichen sollte.“
Der Sieg über Gurney verschaffte ihm zudem zusätzliche Genugtuung. Die beiden verstehen sich abseits der Bühne gut, doch auf der Bühne zählte nur das Resultat. „Es ist schön, Daryl mal zu schlagen. Wir kommen gut miteinander aus. Er wird wahrscheinlich ein paar Tage nicht mit mir reden, aber das ist mir egal. Ich habe gewonnen“, witzelte Evans.
Der Spitzname „Rapid Ricky“ hat ihm im Laufe der Jahre weltweite Bekanntheit eingebracht. Sein pfeilschneller Wurf gehört zu den markantesten Stilen im Profidarts. Zudem wurde er dank seiner energiegeladenen Walk-ons und auffälligen Outfits bei großen Turnieren, darunter die WM im Alexandra Palace, zum Publikumsliebling.
Die Kehrseite seines Rufs
Doch dieser Ruf hat auch eine Kehrseite. Laut Evans schauen viele Menschen vor allem auf seine Persönlichkeit und zu wenig auf seine Qualitäten als Darter. Genau dieses Bild möchte er nun ändern. „Ich versuche den Leuten zu zeigen, dass ich kein Gimmick bin“, erklärte er. „Ich bin nicht nur jemand, der für einen Lacher sorgt. Ich bin nicht nur ein Spieler, der schnell wirft. Ich bin nicht einfach nur ein schneller Clown.“
Diese Aussage bringt vielleicht perfekt auf den Punkt, wo Evans derzeit in seiner Karriere steht. Der Engländer weiß, dass seine Ausstrahlung ihn beliebt gemacht hat, möchte aber zugleich als Spitzensportler ernst genommen werden. Deshalb versucht er auch bewusster mit Matches umzugehen. „Ich spiele nicht mehr so schnell und ich mache auch nicht mehr so verrückt. Ich versuche, die richtigen Dinge zu tun. Ich feiere nicht mehr übertrieben. In mir steckt irgendwo ein echter Darter, und das versuche ich allen zu zeigen.“
Ricky Evans trifft in der dritten Runde auf James Wade
Laut Evans ist die wichtigste Person, die er überzeugen muss, am Ende er selbst. Das Wiederfinden von Vertrauen und Stabilität auf höchstem Niveau ist ein Prozess, der Zeit braucht, doch die Anzeichen wirken positiv. „Ich beweise es den Leuten, aber vor allem mir selbst. Ich komme langsam zurück und jeder sollte aufpassen.“
Mit seiner Leistung in Kiel hat Evans jedenfalls gezeigt, dass er weiterhin die Qualitäten besitzt, starke Gegner zu bezwingen. Auch wenn er selbst angibt, noch nicht auf seinem Topniveau zu sein, scheint der Aufwärtstrend klar erkennbar. Hält er in den kommenden Monaten diese Form, könnte „Rapid Ricky“ schon bald wieder eine feste Größe in den Endphasen von PDC-Turnieren sein.
Für die Konkurrenz ist die Botschaft jedenfalls eindeutig: Ricky Evans ist noch lange nicht fertig und hat sein Comeback deutlich eingeleitet.