Gerwyn Price gewann bei den
World Series of Darts Finals in Amsterdam sein Auftaktmatch gegen Brody Klinge mit 6:4 – und experimentierte dabei mit ungewohntem Material. Der Waliser setzte auf längere Punkte und will damit rechtzeitig zum entscheidenden Saisonfinale noch einmal zulegen.
Zunächst sah alles nach einem klaren Erfolg für „The Iceman" aus. Price zog blitzschnell auf 5:0 davon, ehe Klinge auf 5:4 verkürzte und die Partie noch einmal spannend machte. Am Ende brachte der Ex-Weltmeister den Sieg dennoch über die Ziellinie.
Längere Punkte für Price
„Ich begann gut, aber dann ließ es nach und ich ließ ihn zurück ins Match kommen", analysierte Price nach der Partie bei
Online Darts. „Ich gab ihm Chancen, und er checkte zwei starke Finishes, die richtig wehtaten. Danach versuchte ich eigentlich nur noch, irgendwie über die Ziellinie zu kommen. Ich startete gut, ließ ihn aber entwischen."
Gerwyn Price gewann in der ersten Runde der World Series Finals mit 6:4 gegen Brody Klinge
Vor allem in den ersten fünf Legs überzeugte der Waliser mit einem veränderten Setup. Price griff zu anderen Darts und testete andere Punkte. „Ich habe andere Darts und andere Punkte genutzt. Heute habe ich mit Switch Points und längeren Punkten gespielt. Damit trainiere ich seit ein paar Wochen."
Im Training liefert die Umstellung laut Price bereits hervorragende Ergebnisse. „Ich schwöre: Wenn ich damit so spielen kann wie zuhause – was auf der großen Bühne ziemlich schwierig ist –, dann score ich großartig. Zuhause treffe ich alles. In den ersten fünf Legs hat man davon wahrscheinlich schon etwas gesehen, aber zum Ende hin ließ es nach."
Price erwartet vor allem, dass er mehr Matchpraxis mit dem angepassten Material braucht. „Das liegt einfach an mir und daran, wie ich die Darts ins Board bringe. Mit mehr Matches und mehr Zeit damit auf der großen Bühne werde ich automatisch mehr Vertrauen bekommen."
Die neuen Punkte messen laut Price etwa fünf Millimeter mehr als seine üblichen Exemplare. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, verändert für den Waliser aber spürbar, wie seine Pfeile im Board stehen.
„Es macht einen Unterschied, weil die Darts dadurch etwas höher stehen und man viel mehr von der Triple 20 sieht. Wenn der erste Pfeil gut sitzt, fühlt es sich an, als könntest du nicht mehr verfehlen. Ich kam gut rein. Beim nächsten Mal muss ich es nur besser zu Ende bringen."
Price gilt eigentlich als Spieler, der stark an Gewohnheiten festhält. Trotzdem sieht er genug Potenzial, um der Anpassung weiter eine Chance zu geben. „Mit diesen Darts weiß ich, dass noch hundert Prozent extra im Tank sind, weil ich damit so gut score. Es geht nur darum, das auch auf der großen Bühne in mein Spiel zu bekommen. Wenn ich das Vertrauen finde, sie so zu nutzen wie heute, dann funktioniert es. Gib mir noch ein paar Matches, dann passt das."
Price zielt auf Majors
Mit dem wichtigsten Teil der Saison direkt vor der Tür zeigt sich Price zuversichtlich. Eine schwächere Partie hakt er inzwischen bewusst schnell ab.
„Nimm dir eine oder zwei Wochen frei und steig dann einfach wieder aufs Pferd. Du kannst es nicht mehr ändern. Du musst es parken und versuchen zu vergessen, so schwer es auch ist. Ich versuche, es bestmöglich auszublenden und weiterzumachen."
Seine Ambitionen für die kommenden Monate formuliert Price klar. „So gut, wie ich derzeit spiele, habe ich Vertrauen. Gegen Ende der Saison stehen einige Majors an, die ich gewinnen kann, und es sind auch Turniere dabei, auf die ich mich gezielt fokussiere."
Auch Luke Littlers Jagd auf eine außergewöhnliche Serie von TV-Titeln kam im Gespräch zur Sprache. Price würde diese Serie gern selbst stoppen, gönnt Littler den Erfolg aber, sollte er selbst leer ausgehen.
„Wenn ich sie nicht gewinne, hoffe ich, dass er es tut. Alle Achtung vor ihm. Natürlich will ich selbst Turniere gewinnen, aber wenn das nicht klappt, darf er meinetwegen Geschichte schreiben. Wenn er jedes Turnier gewinnt: großartig. Aber ich bin natürlich da, um ihn aufzuhalten."
Mehr Floor-Turniere nötig
Price erkennt zugleich einen klaren Ansatzpunkt in seiner Vorbereitung auf die großen Turniere. Seine Teilnahme an Premier League und World Series lässt ihm nicht immer genug Raum, ausreichend Players Championships und European Tours zu spielen.
„Ich würde viel lieber mehr Pro Tours und European Tours spielen, denn das ist die Vorbereitung, die du brauchst. Wenn du Premier League und World Series spielst, kannst du schlicht nicht alles machen und musst wichtige Turniere auslassen."
Price steht gerne auf den großen Bühnen, betrachtet diese Matches aber nicht automatisch als beste Vorbereitung auf die Majors. „Versteht mich nicht falsch: Es ist großartig, in der Premier League und bei den World Series zu spielen, aber es ist keine gute Vorbereitung. Manchmal verlierst du am Donnerstagabend gleich dein erstes Match und hast vielleicht nur drei Spiele gemacht. Auch die World Series ist nicht die beste Vorbereitung."
Für Price liegt die eigentliche Basis auf den kleineren Bühnen. „Du musst die Pro Tours und European Tours spielen, wenn du für die großen Majors scharf sein willst. Das ist etwas, das ich nächstes Jahr häufiger machen will."
Für den Rest des Jahres 2026 bleibt sein Programm noch reduziert. Price plant, die verbleibenden zwei European Tours zu spielen und dazu zwei Players Championships in Leicester mitzunehmen.
„Die Pro Tours geben dir Vertrauen, besonders wenn du dort weit kommst. Es ist gutes Training. Du siehst nicht alle Jungs von der Pro Tour ständig bei den Majors, aber sie sind enorm stark. Auf der Floor spielen sie ihr bestes Darts – und genau das macht dich scharf."
Deshalb steht Price sein Plan für die nächste Saison bereits fest. „Wenn ich Majors gewinnen will, muss ich deutlich mehr von diesen Turnieren spielen. Das ist dein tägliches Brot, damit legst du die Basis. Nächstes Jahr werde ich viel mehr davon spielen. Dieses Jahr mache ich wahrscheinlich noch zwei European Tours und zwei Pro Tours. Hoffentlich bin ich dann bereit für das wichtige Saisonfinale."