Jim Long steht nach einem echten Krimi in der zweiten Runde der
World Series of Darts Finals in Amsterdam. Der Kanadier drehte gegen Adam Leek einen Rückstand von 1:4 und sicherte sich am Ende mit 6:5 den Sieg.
Im Anschluss an die Partie sprach Long ausführlich über die besondere Stimmung in der Halle und seinen bevorstehenden möglichen Abschied von der PDC Tour.
Leek lieferte von der ersten Aufnahme an eine Show ab und bezog das Amsterdamer Publikum immer wieder ins Geschehen ein. Long ging die Partie hingegen auf seine gewohnt zurückhaltende Art an. „Adam war am Anfang urkomisch. Er hat wirklich mit dem Publikum gespielt. Solche Dinge würde ich selbst nie machen, aber er hat es sichtlich genossen.“
Long genießt mögliche letzte Monate auf der Tour
Der Australier bekam schnell die Zuschauer auf seine Seite. Long spürte das früh: „Mein erster Wurf begann mit einer Fünf, und das Publikum buhte mich sofort aus. Das hat mich am Anfang etwas aus dem Konzept gebracht. Mental muss ich stärker werden und solche Situationen besser einkalkulieren.“
Long gewann 5 der letzten 6 legs gegen Adam Leek und setzte sich schließlich mit 6:5 gegen den Australier durch.
Trotzdem biss sich der Kanadier zurück in die Partie und drehte den Rückstand. „Es war schon überraschend, dass ich von 1:4 zurückkam – vor allem, weil Adam kurz zuvor mit einem 140er-Finish in nur zwölf Darts zum 5:4 gebreakt hatte.“
Die ausgelassene Art, mit der Leek seine Legs feierte, störte Long nicht im Geringsten. „Das ist mir egal, ich finde es unterhaltsam und mag Adam sehr. Ich selbst würde es nur nie so machen – ich bin eher ruhig und versuche, gelassen zu bleiben. Adam hat das Publikum mitgerissen, und das nehme ich ihm überhaupt nicht übel.“
Für Long gewinnt sein Auftritt auf den großen PDC-Bühnen zusätzlich an Bedeutung, weil er bereits angedeutet hat, dass diese Saison seine letzte mit Tour Card sein könnte. Daran hat sich wenig geändert: „Ich habe jede Minute genossen, seit ich auf die Tour gekommen bin. Ich liebe jede Sekunde. Wäre ich Europäer, würde ich alles daransetzen, hierzubleiben.“
Die vielen Reisen aus Nordamerika erschweren ihm diesen Plan jedoch enorm. Nur ein außergewöhnlich starkes WM-Ergebnis könnte ihn zum Umdenken bewegen: „Bei einem wirklich guten WM-Lauf würde ich überlegen, mir für sechs Monate eine Wohnung zu nehmen. Aber als Nordamerikaner ist das kaum machbar, wenn man nicht komplett umziehen will.“
Vor allem die langen Flüge und der Jetlag zehren an seinen Kräften: „Ein jüngerer Spieler wie Matt Campbell schafft das vielleicht. Ich bin zwanzig Jahre älter – eine schlaflose Nacht im Flieger und dann die Zeitumstellung, das ist hart.“
Am meisten bleiben Long ohnehin die Freundschaften im Gedächtnis: „Bei einem ProTour-Turnier all die Spieler zu treffen, die ich sonst nur bei PDC TV sehe, und jede Woche mit Peter Wright zusammenzusitzen – das ist etwas ganz Besonderes.“