Nathan Aspinall startete mit einem breiten Grinsen in die
Saudi Arabia Darts Masters – und mit einem klaren Statement am Oche. Der Engländer gewann sein Auftaktmatch in Riad souverän mit 6:1 gegen den Filipiner
Lourence Ilagan und strahlte dabei vor Spielfreude. Doch nicht nur das Ergebnis brachte ihn zum Lächeln. Für „The Asp“ war der Auftritt in Saudi-Arabien ein Erlebnis der besonderen Art.
„Wir sind erst gestern angekommen und haben heute eigentlich nur am Pool gelegen“,
erzählte Aspinall lachend. „Ich bin sogar ein wenig verbrannt. Danach ging’s in die Halle – und ich habe ziemlich gut gespielt.“ Bei rund 25 Grad genoss der 32-Jährige die angenehmen Bedingungen, weit entfernt von der Winterkälte in England. „Es gibt im Moment schlechtere Orte, an denen man sein kann“, scherzte er. „Ich hätte auch im Schnee sitzen können.“
Ein Darts-Abend der anderen Art
Wer im Fernsehen das Turnier verfolgte, bemerkte schnell: Die Stimmung in Riad unterschied sich deutlich von den lauten, stimmungsgeladenen Arenen in Europa. Kein Fangesang, keine gebrüllten Klassiker – stattdessen ein konzentriertes Publikum, das das Geschehen aufmerksam beobachtete. „Es war anders, aber ich habe es wirklich genossen“, sagte Aspinall. „Man schaute in die Halle und sah, dass alle tatsächlich das Match verfolgten.“
Nathan Aspinall trifft im Viertelfinale der Saudi Arabia Darts Masters auf Man Lok Leung.
Gerade diese Ruhe sorgte für kuriose Momente. „Ich traf eine Triple 20 – und es wurde sofort geklatscht, obwohl ich noch zwei Pfeile in der Hand hatte“, berichtete er schmunzelnd. „Oder ich stand auf Doppel sechs, warf daneben – und trotzdem kam Applaus. Da musste ich das ganze Match über lachen. Es war einfach witzig.“ Für Aspinall war schnell klar: Das Publikum befindet sich noch in der Lernphase, aber genau das machte den Abend besonders. „Es war besser, als ich gedacht hatte. Und es waren mehr Zuschauer da, als ich erwartet hatte. Hoffentlich ist es morgen wieder so.“
Die Herausforderungen der Stille
Die ruhige Atmosphäre stellte einige Spieler jedoch vor ungewohnte Herausforderungen. Aspinall zeigte Verständnis für seinen Gegner, der während des Spiels Ohrstöpsel trug. „Manchmal ist es sogar schwieriger, wenn es still ist“, erklärte er. „Dann hörst du alles – jemanden, der deinen Score ruft oder etwas dazwischen sagt. Das kann dich schnell aus dem Rhythmus bringen.“
Er erinnerte sich an eine ähnliche Szene in Bahrain: „Ich stand auf Doppel zehn, und kurz bevor ich werfen wollte, rief jemand ‚double ten, double ten‘. Da musst du dich komplett neu fokussieren. In kleineren Hallen mit ruhiger Atmosphäre ist das manchmal schwieriger als auf einer großen Premier-League-Bühne.“
Trotz dieser kleinen Ablenkungen zeigte Aspinall am Oche eine überzeugende Leistung. Der deutliche Auftaktsieg stärkte sein Selbstvertrauen – auch wenn er selbst betonte, dass seine Prioritäten nun woanders liegen.
Fokus auf das große Ganze
Die verpasste Nominierung für die Premier League spielt für ihn keine Rolle mehr. „Die Entscheidung ist gefallen, das kann ich jetzt nicht ändern“, sagte er nüchtern. „Ich konzentriere mich auf die Ranglistenturniere und will wieder unter die Top Acht. Dann bin ich nächstes Jahr automatisch dabei.“
Zum Schluss sprach Aspinall über die Bedeutung des Turniers für die Zukunft des Dartsports in der Region. Er zeigte sich realistisch, ohne den Optimismus zu verlieren. „Es liegt noch ein langer Weg vor uns“, stellte er fest. „Es ist hier anders, die Halle war klein, und ehrlich gesagt hatte man nicht immer das Gefühl, dass alle Leute freiwillig da waren. Aber jedes Projekt muss irgendwo anfangen.“
Entscheidend sei, dass die Zuschauer mit einem positiven Eindruck nach Hause gehen. „Wenn die Leute rausgehen und sagen: ‚Das hat Spaß gemacht‘, und wenn die Medien hier positiv berichten, dann gibt es keinen Grund, warum das nicht fortgesetzt werden sollte.“
Nathan Aspinall zeigt sich damit einmal mehr als einer der sympathischsten Vertreter seines Sports – und als Botschafter einer globalen Dartsbewegung, die längst nicht mehr nur in Europa zu Hause ist.