„In Europa sind die Leute vor allem mit Trinken und Feiern beschäftigt, hier kommen sie, um Darts zu sehen“ – Gerwyn Price lobt das Publikum bei den Saudi Arabia Darts Masters

PDC
Dienstag, 20 Januar 2026 um 10:30
Gerwyn Price
Gerwyn Price hat bei den Saudi Arabia Darts Masters 2026 einen Traumstart hingelegt. Der Waliser feierte einen souveränen 6:0-Erfolg über Alexis Toylo und überzeugte mit starker Form und einer entschlossenen Körpersprache vor außergewöhnlicher Kulisse. Zufrieden zeigte sich Price nicht nur mit seiner Leistung, sondern auch mit den Bedingungen und der Atmosphäre in der Halle.
Viele hatten im Vorfeld gezweifelt, ob Darts in Saudi-Arabien funktionieren kann – Price gehört nicht dazu. Er sieht das Turnier als Chance: für sich, für den Sport und für neue Fans auf einem bislang unbekannten Markt. „Das war eindeutig besser als letzte Woche in Bahrain“, sagte der 38-Jährige offen, nachdem er beim dortigen Turnier im Halbfinale ausgeschieden war. „Heute Abend hat es sich einfach besser angefühlt.“

Kontrolle statt Konfrontation: Price passt sich Toylo an

Alexis Toylo gilt im Tour-Zirkus als unbequemer Gegner. Der Filipino variiert sein Tempo, unterbricht bewusst den Spielfluss und versucht so, den Rhythmus des Gegenübers zu stören. Price stellte sich darauf ein. „Ich wusste, dass er langsamer spielen würde als die meisten“, erklärte er. Statt sich provozieren zu lassen, reagierte der Waliser mit Anpassung.
Gerwyn Price in Aktion
Gerwyn Price trifft im Viertelfinale auf Luke Humphries
„Ich habe mich bewusst zurückgenommen und versucht, meinen eigenen Ablauf zu finden – beim Gang zum Oche und beim Wurf.“ Price ließ Toylo Raum, gab ihm Zeit und begann seine Vorbereitung erst, wenn der Gegner vollständig fertig war. Dieser Ansatz zeigte Wirkung. Price blieb ruhig, konzentriert und jederzeit Herr der Lage. Das Match entwickelte sich genau in die Richtung, die er geplant hatte.
Diese Fähigkeit, Situationen zu lesen und das eigene Spiel flexibel anzupassen, zählt mittlerweile zu den großen Stärken von Price. Neben seiner bekannten Scoring-Gewalt hat er sich eine ausgeprägte Spielintelligenz erarbeitet. Gegen Toylo war sie ein entscheidender Faktor für den klaren Erfolg.

Ein ungewohntes, aber aufmerksames Publikum

Auch die Atmosphäre in der Halle sorgte nach dem Match für Gesprächsstoff. Darts in Saudi-Arabien ist Neuland, sowohl für Spieler als auch für Fans. Price zeigte sich positiv überrascht. „Ich fand es eigentlich ziemlich gut“, sagte er. Einzelne Reaktionen aus dem Publikum waren zu hören, insgesamt wirkte die Stimmung zurückhaltender als bei großen Events in Europa. Doch genau das hatte seinen Reiz.
„Man hat gemerkt, dass sie auf etwas warten. Sie wollten Teil des Moments sein.“ Dieses Gefühl beeinflusste sogar Prices Entscheidungen am Board. Beim 170er-Finish wich er bewusst von seiner üblichen Herangehensweise ab. Normalerweise hätte er sich in dieser Situation, in der Toylo noch auf keinem mögliche Checkout stand, auf Doppel 20 Rest gestellt, um in der nächsten Aufnahme drei klar Darts auf die Doppel zu haben. „Aber es fühlte sich richtig an, diesen Moment zu spielen – auch fürs Publikum.“
Price betrachtet die Zuschauer nicht als bloße Kulisse. Für ihn sind sie ein aktiver Bestandteil des Spiels. In Riad spürte er Neugier, Aufmerksamkeit und eine besondere Form von Spannung. Das Publikum wartete auf Highlights – und Price lieferte sie.

Mehr Fokus auf das Spiel, weniger Ablenkung

Im Vergleich zu europäischen Turnieren nahm Price einen klaren Unterschied wahr. „Hier schauen die Leute wirklich auf das Spiel“, erklärte er. Mehrfach blickte er nach seinem Auftritt in die Halle und sah ein Publikum, das dem Geschehen aufmerksam folgte. Jeder Wurf wurde beobachtet, jede Aufnahme registriert.
In vielen europäischen Hallen sei das nicht immer der Fall, räumte Price ein. „In Europa sind die Leute vor allem mit Trinken und Feiern beschäftigt. Die Leute sind wegen der Stimmung da, aber nicht jeder verfolgt jeden Dart.“ In Saudi-Arabien stehe das Spiel stärker im Mittelpunkt. „Hier kommen sie, um Darts zu sehen.“
Für einen Spieler wie Price, der von Intensität, Fokus und emotionaler Kontrolle lebt, ist das ein klarer Vorteil. Die Konzentration überträgt sich von den Rängen auf die Bühne. Jeder Wurf bekommt Gewicht, jede Situation Bedeutung.

Der Littler-Sieg: Anerkennung ohne Selbstzufriedenheit

Der Blick zurück auf das Turnier in Bahrain brachte zwangsläufig den Sieg über Luke Littler ins Gespräch. Monatelang hatte der junge Engländer kein Match verloren, Price beendete diese Serie. Dennoch misst er diesem Erfolg keine übermäßige Bedeutung bei. „Ehrlich gesagt messe ich dem nicht zu viel bei“, sagte er sachlich.
Sein Anspruch geht weiter. „Ich trete an, um Turniere zu gewinnen – egal gegen wen.“ Entsprechend unzufrieden war er mit dem Halbfinal-Aus. „Ich habe verloren, und das macht mich nicht glücklich.“ Der Sieg über Littler brachte ihm Genugtuung, aber keinen Trost. „Ich gehe nicht zu einem Turnier, um im Halbfinale auszuscheiden.“
Diese kompromisslose Haltung prägt Prices Karriere seit Jahren. Einzelne Erfolge bedeuten ihm wenig, wenn am Ende der Titel fehlt. Genau dieser Anspruch treibt ihn weiter an.

Saudi-Arabien als Chance für den Dartsport

Price hat sich bereits mehrfach offen zur Ausrichtung großer Darts-Events im Nahen Osten geäußert. Auch nach seinem Auftaktsieg bekräftigte er diese Position. „Viele sagen, das funktioniert hier nicht – wegen der Atmosphäre oder weil es keinen Alkohol gibt“, erklärte er. „Ich sehe das anders.“
Für Price ist es eine Frage der Entwicklung. Das Interesse sei da, die Neugier spürbar. „Wenn hier eine Weltmeisterschaft stattfinden würde, mit langen Matches und großen Momenten, dann würde das Publikum automatisch mitgehen.“ Stimmung entstehe nicht auf Knopfdruck, sondern wachse mit dem Event.
Dass die WM in den kommenden Jahren in London bleibt, stellt er nicht infrage. Gleichzeitig zeigt er sich offen für neue Wege. „Mir ist das nicht mehr so wichtig“, sagte er. Im Alexandra Palace habe er meist ein gutes Publikum hinter sich, das schätze er. Doch er vertraut der PDC. „Wo auch immer sie die WM austragen, ich bin sicher, es wird eine gute Entscheidung.“

Kühle Luft, klare Würfe

Zum Abschluss ging es um die Bedingungen auf der Bühne. Mehrere Spieler hatten von niedrigen Temperaturen berichtet. Für Price stellte das kein Problem dar. „Im Aufwärmraum hat es sogar ein wenig gezogen“, sagte er mit einem Lächeln. Kurzzeitig habe er gehofft, dass es auf der Bühne angenehmer sei.
Am Ende passte alles. „Es war etwas kühl, aber es hatte keinen Einfluss auf mein Spiel.“ Im Gegenteil: Price fühlt sich bei niedrigeren Temperaturen wohl. Seine Hände blieben locker, die Darts lagen gut in der Hand. „Sie sind einfach sauber geflogen.“
Ein gelungener Auftakt, ein klarer Sieg und ein positives Gesamtbild – Gerwyn Price hat in Riad nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch gezeigt, warum er Veränderungen im Dartsport eher als Chance denn als Risiko begreift.
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