Luke Littler hat beim
Saudi Arabia Darts Masters 2026 einen überzeugenden Start hingelegt. In Riad besiegte der 18-jährige Engländer niemand Geringeren als Paul Lim, eine Ikone des Sports. Es war bereits das zweite Duell der beiden innerhalb einer Woche – und erneut zog der Youngster den Sieg an sich. Doch nach dem Match ging es nicht nur um das Ergebnis. Littlers Worte erzählten von Respekt vor den Legenden, dem Umgang mit einer ungewohnten Atmosphäre und seiner wachsenden Rolle als Aushängeschild einer neuen Darts-Generation.
Als die Auslosung Littler erneut mit Lim zusammenbrachte, zeigte er sofort seinen charakteristischen Mix aus Bescheidenheit und Ehrgeiz. „Ich war sehr froh, ihn wieder spielen zu dürfen“,
sagte Littler nach dem Match. „Aber am wichtigsten ist natürlich, dass ich hier den Sieg mitnehme.“
Respekt vor einer Legende
Paul Lim ist ein Name, der in der Dartswelt Ehrfurcht weckt. Der Mann aus Singapur schrieb mit dem ersten Neun-Darter auf einer WM-Bühne Geschichte – ein Moment, der bis heute in Erinnerung bleibt. Auch Littler spricht über den 71-Jährigen mit spürbarer Hochachtung. „Es geht vor allem um die Zahl seiner WM-Teilnahmen“, erklärte er. „Und natürlich dieser erste Neun-Darter, vor so vielen Jahren. Er war immer Teil der Weltmeisterschaft. Eine absolute Legende.“
Luke Littler trifft im Viertelfinale auf Gian van Veen
Dass Littler innerhalb einer Woche zweimal gegen ihn spielte, empfand er als besonderes Privileg. „Ich bin froh, dass ich ihn in so kurzer Zeit zweimal spielen durfte“, sagte er lächelnd. Solche Aussagen zeigen, dass sich der Teenager seiner Position bewusst ist. Trotz seines rasanten Aufstiegs verliert er den Blick für die Geschichte seines Sports nicht – und das macht ihn unter Kollegen und Fans gleichermaßen beliebt.
Ein stiller Saal in Saudi-Arabien
Wer
Luke Littler kennt, weiß, dass er die großen Bühnen liebt. Voll besetzte Arenen, laute Chöre, die typischen Fangesänge – das alles gehört für ihn zum Spielgefühl dazu. In Saudi-Arabien war alles anders. Stille dominierte die Halle, die Stimmung war ungewohnt gedämpft. „Es ist ganz anders“, gab er zu. „Ich habe es nicht erwartet. Aber genau deshalb sind wir hier. Es wird hier nicht laut sein.“
Littler nahm die Situation mit Verständnis, auch wenn sie ihn sichtlich irritierte. „Eigentlich brauchen wir ein bisschen Lärm“, fügte er hinzu. „Das sind wir nicht wirklich gewohnt.“ Auf die Nachfrage, ob er diese Atmosphäre mit anderen Erfahrungen vergleichen könne, überlegte er kurz. „Nicht wirklich. Das Einzige, womit ich es vergleichen kann, ist, als ich vor ein paar Jahren in der WDF gespielt habe. Aber sonst sind alle Hallen, in denen ich auftrete, richtig laut. Das hier ist wirklich ganz anders.“
Dieser Moment verdeutlicht, wie sehr sich der Dartsport verändert hat. Während frühere Generationen oft in kleinen Sälen oder Pubs ohne große Kulisse spielten, sind heutige Stars wie Littler auf das Brodeln der Zuschauer eingestellt. Für ihn ist der Lärm längst ein Teil des Spiels geworden.
Endlich mal wieder verlieren
Wenige Tage zuvor erlebte Littler in Bahrain eine seltene Situation – er verlor. Nach 22 Siegen in Folge setzte es gegen Gerwyn Price die erste Niederlage seit Monaten. „Es fühlte sich an, als wäre es drei Monate her“, scherzte er. „Ich wusste von der Serie nach der WM, aber als ich gegen Price verlor, habe ich nicht daran gedacht. Erst als es in den sozialen Medien aufkam, wurde mir klar, wie lange das her war.“
Die Reaktion des Teenagers zeigte, warum er trotz seines jungen Alters schon wie ein erfahrener Profi wirkt. Statt Frust oder Enttäuschung kam Gelassenheit: „Es ist, wie es ist. Es hat drei Monate gedauert, bis mich jemand schlagen konnte.“ Selbstbewusst, aber nicht überheblich.
Gegen Price hatte Littler bis dahin eine Serie von acht oder neun Siegen aufgebaut. „Ich bin sicher, dass ich diese Serie auch wiederholen kann“, sagte er. Es ist genau diese innere Ruhe, die ihn auszeichnet. Littler betrachtet Rückschläge als Antrieb, nicht als Störung. Seine Aussagen strahlen Reife aus – Reife, die viele erst nach Jahren im Profisport entwickeln.
Das neue Gesicht des Darts
Das Interview machte deutlich, wie stark Littler inzwischen das Bild des Dartsports prägt. Lange galt Michael van Gerwen als unumstrittener Star der Szene. Doch mit Littlers kometenhaftem Aufstieg steht nun ein Teenager im Zentrum der Aufmerksamkeit. Wie geht der 18-Jährige mit dieser Rolle um?
„Das gehört dazu“, erklärte er klar. „Wenn du Titel gewinnst, wirst du zum Gesicht des Sports. Dann musst du an bestimmten Orten sein, präsent bleiben.“ Die World Series führt ihn durch die ganze Welt – Saudi-Arabien, Australien, die USA. Es sind Showturniere und Marketingplattformen zugleich, und Littler hat begriffen, dass es mittlerweile mehr als nur um Pfeile und Doppelfelder geht.
Trotzdem bleibt er realistisch: „Solange ich da bin und die Fans da sind, sind auch die anderen Spieler glücklich.“ Es ist eine Aussage, die seine Sicht aufs Ganze widerspiegelt. Littler weiß um seine Rolle, aber er versteht sie nicht als Ego-Projekt. Er sieht sich als Teil eines globalen Ganzen, in dem jeder seinen Beitrag zum Wachstum des Sports leistet.
Lieber unter dem Radar
So viel Aufmerksamkeit bringt Schattenseiten mit sich. Littler gab offen zu, dass das ständige Rampenlicht anstrengend sein kann. „Ich würde eigentlich lieber unter dem Radar bleiben“, gestand er. „Aber jetzt stehe ich an der Spitze, und das ist natürlich, wo ich sein will. Hoffentlich kann ich dort bleiben.“
Gleichzeitig weiß er, wie schnell sich das Blatt im Dartsport wenden kann. Er verweist auf Michael van Gerwen, der nach Jahren der Dominanz schwierige Phasen durchlief. „Schau dir Michael an. Er hat es schwer gehabt und ist etwas zurückgefallen. Aber wie ich oft gesagt habe: Michael kommt zurück.“
Diese Worte sind mehr als Respekt – sie sind Selbstreflexion. Littler erkennt, dass niemand dauerhaft unantastbar bleibt. „Das haben wir in der Vergangenheit bei vielen gesehen“, sagte er. „Du kannst zurückfallen. Vielleicht bin ich in ein paar Jahren wieder unter dem Radar und spreche nicht mehr mit euch.“