Manchmal sagen die Emotionen nach dem Finale mehr als jede Statistik.
Cameron Menzies fand kaum Worte, als er nach seinem Triumph beim
Players Championship 23 in Leicester vor die Kamera trat. Der Schotte kämpfte sichtbar mit den Tränen, während er zu erklären versuchte, was dieser Titel für ihn bedeutet. Nicht nur, weil es sein dritter Pro-Tour-Sieg ist, sondern vor allem, weil er selbst nicht mehr daran glaubte, jemals wieder ein Players Championship zu gewinnen.
„Ich dachte wirklich, diese Tage lägen hinter mir“,
gestand Menzies direkt im Anschluss. „Es war ein unglaublich schweres Jahr. Ich werde nicht so tun, als hätte ich heute alles dominiert. Gegen Dave Chisnall hatte ich Momente, in denen ich Glück hatte, gegen Josh Rock auch, und auch früher am Tag kippten manche Schlüsselmomente zu meinen Gunsten. Aber vielleicht brauchte ich dieses Glück einfach einmal.“
Eine Saison voller Zweifel
Für Menzies fühlt sich dieser Titel wie eine enorme Erleichterung an. Während er in den Vorjahren auf der ProTour regelmäßig für Überraschungen sorgte, verlief 2025 für den Schotten äußerst zäh. Gute Leistungen blieben aus, und das Selbstvertrauen bröckelte langsam. „Ich hätte nie gedacht, dass ich heute hier stehen würde. Hätte mir jemand vor zwei Tagen gesagt, dass ich mein drittes
Players Championship gewinne, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt. So schlecht fühlte sich mein Spiel in den vergangenen Monaten an.“
Dieses Ungläubige war im Interview noch immer hörbar. Selbst nachdem die Trophäe gesichert war, entschuldigte sich Menzies beinahe für seinen Erfolg. „Ich habe dieses ganze Jahr noch kein Boardfinale gewonnen. Deshalb dachte ich wirklich, dass ich nie wieder so ein Turnier gewinnen würde. Dass ich jetzt meinen dritten Pro-Tour-Titel hole … das ist eigentlich unbegreiflich.“
Von einem 0:3-Rückstand zum Titel
Obwohl Menzies selbst den Fokus auf das Glück unterwegs legte, verwies der Interviewer auf die Fakten. In seinem Match gegen Josh Rock lag der Schotte 0:3 hinten, ehe er sechs Legs in Serie gewann. Gegen Dave Chisnall profitierte er zwar von einigen verpassten Doppeln seines Gegners, traf aber selbst in den entscheidenden Momenten nahezu fehlerfrei.
Auch das Finale hatte eine kuriose Phase. In der fünften Leg bekamen beide Spieler mehrere Chancen, die Leg zuzumachen, doch keiner traf ein Doppel. „Die Leg war eigentlich vom Scoring her gut“, blickte Menzies zurück. „Nur wollte niemand das Doppel treffen. Als ich sie schließlich verlor, fühlte sich das wie ein riesiger Schlag an.“
Dennoch fing er sich sofort. Kurz darauf legte er ein glänzendes 124-Finish auf, mit dem er das Match wieder auf seine Seite zog. „Das ist Darts. Erst denkst du, alles bricht zusammen, weil du eine Chance vergibst, und dann wirfst du plötzlich ein 124-Finish. Manchmal ist dieser Sport einfach nicht zu erklären.“
Cameron Menzies gewann Players Championship 23
Die dunkle Phase nach der WM
Der Sieg bekommt zusätzliche Bedeutung durch alles, was Menzies in den vergangenen Monaten erlebt hat. Der Schotte sprach im Interview offen über die schwierige Zeit nach seinem Ausraster bei der Darts-WM. „Ich habe einen großen Fehler gemacht. Darum mache ich keinen Bogen. Ich habe nicht nur mich enttäuscht, sondern auch meine Familie und meine Freunde. Das ist etwas, wofür ich die Verantwortung übernehmen muss.“
Obwohl er auf den Vorfall nicht erneut ausführlich einging, machte Menzies deutlich, wie schwer die persönlichen Folgen für ihn waren. „Vor zwei oder drei Monaten dachte ich ernsthaft, dass meine Karriere vorbei ist. Das meine ich wirklich so. Ich habe meinen Lebenslauf bereits aktualisiert und sogar Kontakt mit Zeitarbeitsfirmen gehabt. Ich dachte, mein Darts bricht komplett auseinander.“
Diese Worte zeigen, wie tief die Zweifel saßen. Während er jetzt erneut einen ProTour-Titel holt, dachte er vor wenigen Monaten noch über ein Leben außerhalb des Dartsports nach.
Genau deshalb fühlt sich dieser Sieg für ihn wie weit mehr an als nur ein gewonnener Ranglistentitel. Er ist der Beweis, dass er trotz aller Rückschläge und persönlichen Fehler sportlich wieder den Weg nach oben gefunden hat.
Das Players Championship geht heute bereits weiter, dann steht in Leicester das 24. Turnier des Jahres auf dem Programm. Kann Menzies zum zweiten Tag in Folge das längste Ende ziehen oder bekommen wir einen anderen Sieger? Sie können es heute Nachmittag selbstverständlich in unserem Liveblog verfolgen.