„Ich werde wahrscheinlich meinen Flug am Morgen verpassen, also sorry, Schatz“ — Nathan Aspinall teilt nach seinem Titel in München schlechte Nachrichten für seine Frau mit

PDC
Dienstag, 07 April 2026 um 11:59
Nathan Aspinall (2)
Nach Monaten voller Suche, Zweifel und Enttäuschungen hat Nathan Aspinall endlich wieder Grund zu lächeln. Beim Turnier der European Tour in München sicherte sich der Engländer seinen ersten Titel im Jahr 2026 – und viel wichtiger: Er fand die Freude am Spiel wieder, die ihn in den vergangenen Jahren getragen hat.
Der Sieg beim German Darts Grand Prix, den er mit 8:5 gegen Danny Noppert im Finale holte, bedeutete für Aspinall weit mehr als nur einen Pokal. Die Erleichterung war ihm im Anschluss deutlich anzusehen und anzuhören. In den vergangenen Wochen hatte der 34-Jährige mit sich gerungen – weniger wegen mangelnder Qualität, sondern aufgrund körperlicher und mentaler Belastung sowie des fordernden Reiseplans im Profi-Darts.

Ein Wochenende, das alles verändert

„Es ist einfach unglaublich“, erklärte Aspinall nach seinem Triumph. „Ich habe seit September kein Turnier mehr gewonnen. Klar, ich stand dieses Jahr schon einmal im Finale, aber sonst gab es nichts zu feiern.“
Die vergangenen Monate hatten Spuren hinterlassen. Immer wieder schied er früh aus Turnieren aus, oft schon in der zweiten Runde. „Das ist hart. Woche für Woche anzureisen und früh zu verlieren, das zermürbt. Aber genau für solche Abende spiele ich diesen Sport. Ich liebe ihn. Und die Unterstützung an diesem Wochenende war überragend.“
Noch 24 Stunden vor seinem Titelgewinn klang Aspinall völlig anders. Offen sprach er darüber, dass er aktuell keinen Spaß am Darts habe – eine bemerkenswerte Aussage für einen Spieler, der normalerweise von Emotionen und Leidenschaft lebt. Doch im Spitzensport kann ein einziger Moment alles drehen.
„Ein Wochenende kann alles verändern“, sagte er. „Die Probleme mit dem Reisen sind noch da, das hat sich nicht plötzlich erledigt. Aber dieser Sieg hat mir so viel Motivation und Hunger gegeben. Ich will sofort wieder spielen, am liebsten schon nächste Woche.“
Diese neu gewonnene Energie passt zu Aspinalls Mentalität. Statt in der Vergangenheit zu verharren, richtet er den Blick sofort nach vorn. „Vorher war es oft so: Erste Runde verloren, wieder ein schlechtes Wochenende. Aber diesmal habe ich fantastisch gespielt – und darauf bin ich stolz.“
Auch das nötige Quäntchen Glück gehörte dazu. Besonders im Spiel gegen Ricardo Pietreczko entging Aspinall nur knapp einer Niederlage. Eine verpasste Match-Dart-Chance seines Gegners ließ ihn im Turnier bleiben. Mit gewohnt britischem Humor kommentierte er die Situation: Man brauche eben manchmal auch Glück, um solche Turniere zu gewinnen.

Harte Arbeit hinter den Kulissen

Der Erfolg kam nicht aus dem Nichts. In den Wochen zuvor hatte Aspinall intensiv an sich gearbeitet. Gemeinsam mit seinem Sportpsychologen suchte er gezielt nach Lösungen für seine Formkrise.
„Ich habe mich wieder aufgerappelt und in den letzten zwei Wochen extrem hart gearbeitet“, erklärte er. „Wir haben viel analysiert und neue Ansätze gefunden – und das hat funktioniert. Mein Sportpsychologe Sean hat großen Anteil daran, aber ich selbst auch.“
Nathan Aspinall beim Walk-on
Nathan Aspinall gewann am vergangenen Wochenende den German Darts Grand Prix
Ein weiterer Rückschlag war das Verpassen der Teilnahme an der Premier League. Für einen Spieler seines Formats ein herber Dämpfer. „Der Start ins Jahr war schlecht. Die Nicht-Nominierung für die Premier League hat wehgetan. Es ist nicht leicht, sich dann immer wieder neu zu motivieren.“
Doch genau diese Herausforderung verbindet ihn mit Spielern wie Danny Noppert. „Wir sind in einer ähnlichen Situation. Du musst dich ständig selbst pushen – und manchmal ist das verdammt schwer.“
Der Sieg in München wirkte daher wie ein Befreiungsschlag. „Für solche Abende spielen wir diesen Sport“, sagte Aspinall. „Ich bin völlig aus dem Häuschen. Ich werde jetzt mit meinen Jungs feiern – wahrscheinlich verpasse ich morgen sogar meinen Flug, also sorry, Schatz.“

Die besondere Magie der European Tour

Auffällig ist, dass Aspinall besonders auf der European Tour regelmäßig seine besten Leistungen zeigt. Mit dem Titel in München baut er seine beeindruckende Bilanz weiter aus: Vier Turniersiege innerhalb von zwölf Monaten auf dieser Bühne sprechen eine klare Sprache.
Was macht ihn dort so stark?
„Ich bin einfach ein Bühnen-Spieler“, erklärte er. „Auf der Stage fühle ich mich wohler. Aber es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, wie ich mit dem Ablauf umgehen muss.“
Die Struktur der European Tour stellt Spieler vor besondere Herausforderungen: lange Turniertage, Pausen zwischen den Matches, ständige Entscheidungen über Ernährung, Ruhe und Vorbereitung.
„Ich habe letztes Jahr einen Weg gefunden, damit umzugehen“, sagte Aspinall. „Und genau das habe ich diesmal wieder umgesetzt. Das hat sich ausgezahlt.“

Körperliche und mentale Belastung

Die European Tour gilt als besonders intensiv. Reisen, spielen, warten – alles in einem engen Zeitplan. Für viele Spieler ist das eine enorme Belastung, und auch Aspinall spürt das.
„Es ist extrem anstrengend“, gab er zu. „Aber ich bin 34. Es gibt viele Spieler, die älter sind als ich.“ Dabei verwies er auf Gegner wie Andrew Gilding oder Jonny Clayton.
Ausreden sucht er dennoch nicht. Im Gegenteil: Er nutzt die Situation als Antrieb. „Wenn ich nicht noch fünf oder zehn Prozent mehr geben kann als sie, dann läuft etwas falsch.“

Der Kampf mit sich selbst

Diese Haltung prägt Aspinalls Spiel. Er ist kritisch, fordernd – und ständig auf der Suche nach Verbesserung. Während des Turniers in München führte er immer wieder innere Dialoge, um sich selbst zu pushen.
„Ich habe mir immer wieder gesagt: Du bist noch nicht alt, also los, motivier dich“, erzählte er.
Im modernen Darts reicht Technik allein längst nicht mehr aus. Die mentale Stärke entscheidet oft über Sieg oder Niederlage. Aspinall weiß das genau. „Ich musste meine Energie hochfahren. Und ja, manchmal hilft auch einfach eine Dose Red Bull.“
Besonders emotional wurde er, als er über seine Rückkehr zur Freude am Spiel sprach. „Ich habe am Samstag gesagt, dass ich keinen Spaß habe. Ich wollte diese Liebe zum Darts wiederfinden.“
München lieferte die Antwort.
„Dieses Wochenende hat mir die Liebe zurückgegeben. Das Publikum war unglaublich. Ich habe mein Spiel genossen, ich habe gut gespielt – und ich habe gewonnen.“

Ein Neuanfang?

Mit dem Titel in München scheint Aspinall ein neues Kapitel in seiner Saison aufzuschlagen. Der Erfolg ist nicht nur ein sportlicher Meilenstein, sondern vor allem ein mentaler Befreiungsschlag.
Wo zuvor Zweifel und Frust dominierten, zeigt sich nun wieder die Energie, die ihn zu einem der gefährlichsten Spieler auf der Tour macht. Für die Konkurrenz ist das eine klare Warnung: Ein selbstbewusster Aspinall kann jederzeit jedes Turnier gewinnen.
Gleichzeitig bleibt der Engländer realistisch. Ein starkes Wochenende allein macht noch keine perfekte Saison. Doch es gibt Richtung und neues Selbstvertrauen.
„Solche Abende sind der Grund, warum ich diesen Sport spiele“, betonte er erneut. „Ich liebe es.“
Ein entscheidender Faktor war dabei auch die Unterstützung der Fans. Gerade auf der European Tour sorgen die Zuschauer regelmäßig für eine besondere Atmosphäre.
„Die Unterstützung an diesem Wochenende war fantastisch“, sagte Aspinall.
Und vielleicht war genau das der fehlende Baustein: die Verbindung zwischen Spieler, Bühne und Publikum. In München hat Aspinall sie wiedergefunden – und mit ihr seine Form, seine Motivation und vor allem seine Leidenschaft.
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