Beau Greaves hat sich in Milton Keynes unsterblich gemacht. Die 22-jährige Engländerin
gewann als erste Frau überhaupt ein PDC-Ranglistenturnier und setzte sich in einem hochklassigen Finale von
Players Championship 11 mit 8:7 gegen Michael Smith durch. Für Greaves markiert dieser Triumph den größten Moment ihrer Karriere seit ihren Erfolgen im Lakeside.
Direkt nach dem entscheidenden Dart rang die junge Engländerin um Worte. „Ehrlich gesagt kann ich kaum glauben, dass ich dieses Finish getroffen habe“, erklärte sie sichtlich bewegt. Ihr Jahr verläuft stark, doch mit einem Titel auf dieser Bühne hatte sie selbst nicht gerechnet. Der emotionale Ausbruch zeigte, welche Bedeutung dieser Erfolg für sie hat.
Dominanz gegen Weltmeister – Greaves beeindruckt mit Nervenstärke
Greaves lieferte über den gesamten Turniertag hinweg Darts auf absolutem Topniveau. Sie gewann sieben Matches in Folge und bezwang auf dem Weg zum Titel gleich mehrere Schwergewichte des Sports. Besonders beeindruckend: In den letzten drei Partien eliminierte sie mit Rob Cross, Gary Anderson und Smith gleich drei ehemalige Weltmeister.
Der Auftakt verlief bereits vielversprechend. Gegen Aden Kirk setzte sie sich trotz eines gegnerischen Averages von über 100 mit 6:4 durch. Auch Thomas Lovely musste sich anschließend mit 4:6 geschlagen geben. Mit weiteren Siegen gegen Jeffrey Sparidaans und Karel Sedlacek zog Greaves souverän in ihr drittes Players-Championship-Viertelfinale in Serie ein.
Im Viertelfinale setzte sie ein erstes echtes Ausrufezeichen. Gegen Cross entwickelte sich ein Spiel auf höchstem Niveau. Greaves spielte einen Average von 102,56, ihr Gegner lag sogar knapp unter 106 Punkten im Schnitt. Im entscheidenden Moment behielt die Engländerin jedoch die Kontrolle, breakte mit einem starken 11-Darter und sicherte sich den 6:5-Erfolg.
„Das letzte Mal, als ich gegen Rob gespielt habe, verlor ich 0:6“, sagte Greaves. „Als ich diesmal ein Leg holte, dachte ich: Vielleicht ist heute etwas drin. Ich habe gespürt, dass ich ihn unter Druck setze. Wenn ich das durchziehe, kommen meine Chancen.“
Anderson klar bezwungen
Im Halbfinale ließ Greaves dann keine Zweifel mehr an ihrer Tagesform aufkommen. Gegen Gary Anderson dominierte sie von Beginn an, gewann mit 7:1 und spielte dabei einen starken Average von 105,56. Sie zog sieben Legs am Stück durch und nahm dem zweifachen Weltmeister früh jede Hoffnung.
Nach dem Turnier wirkte Greaves selbst überrascht von der eigenen Stärke. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier heute gewinne“, sagte sie. „Ich weiß, dass ich das Talent habe und dieses Niveau erreichen kann, aber dann Spieler wie Gary Anderson zu schlagen … ich konnte es kaum glauben.“
Auch auf den Hinweis, dass sie Anderson nicht nur besiegt, sondern deutlich distanziert hatte, reagierte sie mit einem Lachen. „Ich weiß. Sogar Michael zu schlagen … ich weiß nicht, was hier passiert“, sagte sie mit Blick auf ihren außergewöhnlichen Turniertag.
Thriller im Finale
Das Endspiel gegen Michael Smith entwickelte sich zu einem echten Krimi. Greaves geriet früh mit 0:2 in Rückstand, antwortete dann aber mit fünf Legs in Serie und zeigte dabei Darts auf höchstem Niveau. In dieser Phase checkte sie unter anderem ein 121-Finish und brachte mehrere Legs in 15 Darts oder weniger nach Hause.
Smith kämpfte sich zurück, glich zum 6:6 aus und hielt die Partie bis ins Entscheidungsleg offen. Beide Spieler holten danach noch je ein Leg, sodass das 15. Leg die Entscheidung bringen musste.
Dort schien zunächst alles für Smith zu laufen. Der frühere Weltmeister stellte sich mit einer starken 142er-Aufnahme auf Doppel 10 Rest und stand damit unmittelbar vor dem Titelgewinn. Doch Greaves blieb ruhig, setzte selbst zum großen Schlag an und checkte außergewöhnliche 142 Punkte – diesmal über Doppel 11 – zum historischen Sieg.
„Ich bin wirklich schockiert“, sagte sie danach. „Meine Finishes waren heute gut, aber dann so eines in diesem Moment zu spielen … das passiert mir nicht oft. Das jetzt zu schaffen, ist einfach unglaublich.“
Emotionen nach dem Sieg
Nach dem Match konnte Greaves ihre Gefühle kaum verbergen. Mehrfach entschuldigte sie sich im Interview für ihre Tränen und sprach offen darüber, wie viel ihr dieser Erfolg bedeutete. „Ich weiß nicht, warum ich so emotional bin, aber ich bin einfach so glücklich. Und vor allem stolz auf mich“, sagte sie.
Dieser Stolz hat auch mit einem schwierigen Saisonstart zu tun. Greaves erklärte, dass sie sich zu Beginn des Jahres schwergetan habe und sich erst über einen längeren Zeitraum wieder in Form bringen musste. Genau deshalb habe dieser Titel für sie noch einmal eine besondere Bedeutung.
„Der Jahresanfang war wirklich hart für mich. Ich habe ziemlich gekämpft. Deshalb bedeutet das jetzt vielleicht noch einmal extra viel“, sagte sie.
Greaves hat in ihrer Karriere bereits zahlreiche Erfolge auf der Women’s Series und der Development Tour gefeiert. Trotzdem fühlt sich dieser Sieg für sie anders an. „Einen Titel auf der Development Tour zu gewinnen, ist schon schwer genug. Aber hier einen zu holen … das fühlt sich unwirklich an“, erklärte sie.
Ein Meilenstein nach Lakeside – und ein Blick in die Zukunft
Beau Greaves stuft den PDC-Titel als ihren größten Erfolg nach den Lakeside‑Weltmeisterschaften heraus. „Neben Lakeside ist das wahrscheinlich mein größter Sieg überhaupt“, sagt sie. Für sie zählten Freude und Vertrauen, mit denen sie jedes Leg genossen und sich auf ihre Stärke verlassen habe. Auch Talent allein reiche nicht, betont sie: „Heute hatte ich Vertrauen – und das machte den Unterschied.“ Für die Zukunft bleibt sie bodenständig, sieht aber Chancen: „Vielleicht ist das erst der Anfang. Ich hoffe, das kann ich auch im Fernsehen bestätigen.“