„Ich rief ihn an und sagte: Ich habe das Halbfinale erreicht. Da sagte er: Ruf mich erst an, wenn du etwas gewinnst“ – Phil Taylor über die harte Vorgehensweise seines Mentors Eric Bristow

PDC
Samstag, 25 April 2026 um 17:15
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In der Welt des Darts ist Phil Taylor ein Name, der mit Dominanz gleichgesetzt wird. Doch hinter den 16 Weltmeistertiteln steckt keine Selbstverständlichkeit. In dem Double Tops-Podcast blickt „The Power“ auf seine Anfangsjahre, seine Antriebe und die mentale Realität des Gewinnens – und vor allem des ständigen Gewinnens – zurück.

Der Einfluss von Eric Bristow

Taylor nennt ohne Zögern seinen Mentor Eric Bristow als bestimmenden Faktor in seiner Entwicklung. Nicht durch sanfte Führung, sondern durch knallharte Reize. „Er fragte immer: Wohin gehst du dieses Wochenende? Dann sagte ich: zu den Derbyshire Open. Und ich musste ihn anrufen, wenn ich zurückkam – Handys gab es natürlich noch nicht.“
Was folgt, ist eine Geschichte, die Bristows Mentalität perfekt zusammenfasst. Taylor musste eine funktionierende Telefonzelle finden, was damals keineswegs selbstverständlich war, um seinen Mentor anzurufen. Doch ein gutes Ergebnis wurde nicht mit Lob belohnt.
„Ich rief ihn an und sagte: Ich habe das Halbfinale erreicht. Dann sagte er: Ruf mich an, wenn du etwas gewinnst. Ich hatte gerade zwanzig Telefonzellen abgeklappert, und das bekamst du dann an den Kopf geworfen.“ Diese Herangehensweise zeigte Wirkung. „Er machte mich wütend. Und er wusste, dass das funktionieren würde.“
Auch bei großen Turnieren blieb Bristow für Taylor ein ständiger Herausforderer. Als Taylor mit mehreren Shirts in den Winter Gardens in Blackpool reiste, bekam er zu hören, dass er nur zwei brauche. „Ich dachte: Was meinst du? Natürlich brauche ich sieben. Und dann gewann ich einfach jedes Match. Er sagte hinterher: Siehst du, ich wusste, dass ich dich aufziehen kann.“
Den Gewinn eines Weltmeistertitels sieht man oft als ultimativen Moment der Euphorie. Doch Taylor zeichnet ein anderes Bild. „Es ist eigentlich ein Antiklimax. Man träumt davon, so wie vom Lottogewinn. Und wenn es passiert, ist es großartig – fünf Tage lang.“ Danach folgt die Leere. „Du machst deine Presse, Interviews, alles, was dazugehört. Und nach etwa fünf Tagen fällst du ab. Dann wirst du emotional.“
Dieses Phänomen ist als „arrival fallacy“ bekannt: die Vorstellung, dass das Erreichen eines Ziels dauerhaftes Glück bringt. Taylor räumt ein, dass auch er das erlebt hat, doch es hielt ihn nicht davon ab, weiterzumachen.
Während viele Spieler an Erwartungen und Vorausdenken scheitern, hielt Taylor es simpel. „Ich spielte nur gegen den Spieler, der vor mir stand. Manchmal wusste ich nicht einmal, gegen wen ich danach musste. Das fragte ich erst hinterher.“
Darin sieht Taylor einen großen Unterschied zu anderen Dartspielern. „Manche denken: Den habe ich immer, und den danach auch. Sie schauen schon aufs Halbfinale. Und dann fliegen sie in der ersten Runde raus.“ Seine Philosophie war klar: Jeder Gegner verdient maximalen Respekt. Erst wenn der geschlagen ist, darfst du weiterblicken.
Phil Taylor küsst die World Matchplay-Trophäe.
Taylor gewann in seiner PDC-Karriere 101 offizielle TV-Turniere, darunter 83 Majors.

Erziehung und Mentalität: „Bist du ein Mann oder eine Maus?“

Taylors mentale Widerstandskraft wurde früh geprägt. Seine Eltern spielten dabei eine entscheidende Rolle. „Hätte ich gesagt, dass ich mentale Probleme habe, hätte meine Mutter gesagt: ‚Bist du ein Mann oder eine Maus?‘ Mach weiter.“
Das klingt hart, doch laut Taylor kennzeichnet es die Zeit, in der er aufwuchs. „Einfach weitermachen. Du hattest eine Familie zu versorgen. Im Bett liegen bleiben? Keine Option.“ Er erzählt lachend, wie seine Mutter ihn buchstäblich aus dem Bett bekam – notfalls mit einem Eimer Wasser. „Das passierte nur ein einziges Mal. Danach stand ich sofort auf, wenn sie die Treppe hochkam.“
Sein Vater hatte eine andere, aber mindestens ebenso wichtige Lektion. „Er sagte immer: Stell den Pokal dort ab und bereite dich auf den nächsten vor. Du bist nur so gut wie dein nächstes Turnier.“
Während später Ehre und Vermächtnis im Mittelpunkt standen, war Geld anfangs Taylors größte Motivation. „Ich hatte nichts. Also ja, Geld war wichtig.“ Sein erstes Preisgeld, 500 Pfund, gab er für ein Luxusgut aus: eine Dusche. „Ich kaufte eine Power Shower. Leute aus der Straße kamen vorbei. ‚Phil, dürfen wir uns deine Dusche ansehen?‘“
Als er seinen ersten WM-Titel gewann und 24.000 Pfund verdiente, sorgte das in der Nachbarschaft erneut für Verwunderung. „Die Nachbarn fragten, ob sie das Geld sehen dürften. Sie dachten, ich hätte einen Koffer voller Bargeld. Aber es lag einfach auf der Bank“, schließt er mit einem Lächeln.
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