Nick Kenny hat eine besondere Geschichte über seine Teilnahme am
WDF World Cup 2019 erzählt. Der Waliser führte sein Land damals zum Titel im Teamwettbewerb und holte individuell Bronze, zahlte dafür aber körperlich einen hohen Preis. Kenny spielte bereits mit einer Stressfraktur und verschlimmerte die Verletzung bei der Feier nach dem Turnier deutlich.
Der inzwischen 33-jährige Kenny reiste für den World Cup nach Rumänien und merkte früh im Turnier, dass mit seinem Fuß etwas nicht stimmte. Trotzdem spielte er weiter. Im Einzel schaffte es der Waliser sogar bis ins Halbfinale, in dem der Australier Peter Machin schließlich mit 6:3 zu stark war.
„Wir fuhren zum World Cup, und das Einzelturnier wurde am ersten Tag gespielt“, erzählt Kenny
im Podcast Tops and Tales. „Ich gewann und gewann und gewann, und plötzlich stand ich im Halbfinale.“
Sportlich fühlte sich Kenny hervorragend. „Ich hatte den ganzen Tag großartig gespielt und dachte: Das muss ich jetzt eigentlich gewinnen. Aber mein Fuß tat furchtbar weh.“
„Ich stand weinend an der Oche“
Der Schmerz wurde schließlich so heftig, dass Kenny im Halbfinale kaum noch wusste, wie er damit umgehen sollte. Aufgeben wollte er jedoch nicht.
„Ich stand weinend an der Oche, mit Tränen in den Augen. Ich konnte einfach nicht aufgeben“, blickt er zurück. „Es war Peter Machin, der Australier. Ich dachte nur: Mein Fuß ... hier stimmt etwas nicht.“
Kenny vermutete zunächst, seine Haltung an der Oche könnte eine Rolle spielen. „Ich dachte, es läge vielleicht daran, dass ich mich an die Oche anlehnte.“
Am Ende verlor er das Halbfinale. „Ich verlor das Match schließlich und war am Boden zerstört.“ Sein Turnier war damit jedoch noch nicht vorbei. Kenny blieb den Rest der Woche im Einsatz und erhielt Hilfe vom medizinischen Team vor Ort. „Die ganze Woche hielt ich durch, weil die anwesenden Sanitäter mir Spray gaben.“
Mit Wales folgte anschließend dennoch ein großer Erfolg. Kenny gewann mit seinen Teamkollegen den Weltmeistertitel bei den Teams. Im Finale wurde Hongkong besiegt. „Wir gewannen den Team Cup. Wir schlugen Hongkong, also besiegten wir Paul Lim, Kai Fan Leung und Royden Lam. Wir gewannen, und danach wurde natürlich gefeiert.“
Nick Kenny sorgte bei der WM 2025 gegen Raymond van Barneveld für eine Überraschung
Feierabend endet schmerzhaft
Kenny hatte zunächst gar nicht vor, groß zu feiern. Wegen seines schmerzenden Fußes war er ins Bett gegangen, bekam dann aber Besuch von Jim Williams und Neil Duff.
„Jim Williams kam zusammen mit Neil Duff in mein Zimmer“, erzählt Kenny. „Sie sagten: ‚Komm schon, Nick, steh auf und komm mit zum Galaabend.‘“
Kenny ließ sich schließlich überreden. „Wir gingen runter und tranken ein paar Drinks. In dem Moment hatte ich meinen Fuß völlig vergessen.“
Das änderte sich schnell, als er auch noch auf die Tanzfläche musste. „Sie brachten mich dazu zu tanzen, und ich fing an, auf und ab zu springen. Dann machte es ‚knack‘. Ich spürte den Schmerz durch die Knochen ziehen.“
Die Diagnose lautete schließlich Stressfraktur. „Ich hatte mir den Fuß also praktisch gebrochen. Aber diese Woche war wahrscheinlich die beste meines Lebens.“
Laut Kenny hatte sich der Bruch bereits angekündigt, das Springen bei der Feier gab letztlich den Ausschlag. „Es hatte sich angebahnt, und dann ist es passiert. Danach bin ich sechs Wochen mit einer Schiene herumgelaufen.“
Auch die Rückreise sorgte dadurch für besondere Szenen. Kenny konnte kaum laufen und erhielt Hilfe von Deta Hedman. „Deta Hedman schob mich im Rollstuhl über die speziellen Zugänge.“
Später doch noch zur PDC
Einige Jahre nach seiner besonderen World-Cup-Woche wagte Kenny den Schritt ins professionelle PDC-Circuit. 2023 sicherte er sich seine Tour Card als Vierter der UK Q School Order of Merit.
Seitdem erreichte der Waliser unter anderem die dritte Runde der PDC-WM. Bei der Ausgabe 2025 feierte er dabei einen denkwürdigen Sieg gegen Raymond van Barneveld.
In diesem Jahr durfte Kenny zudem erneut die Farben von Wales bei einem World Cup vertreten, diesmal innerhalb der PDC. Gemeinsam mit Jonny Clayton erreichte er das Viertelfinale des World Cup of Darts. Dort verloren die Waliser knapp mit 8:7 gegen England, das später das Turnier gewann.