„Ich verliere jetzt gegen Spieler, gegen die ich in meiner besten Phase nicht verloren habe“ – Van Duijvenbode hofft, mental wieder Schritte machen zu können

PDC
Freitag, 18 September 2026 um 8:00
Dirk van Duijvenbode (6)
Dirk van Duijvenbode ist überzeugt, dass er auf dem Practice-Board inzwischen sogar besser wirft als in seinen besten Jahren. Auf der Bühne zeigt sich dieses Niveau jedoch noch nicht konstant. Das sorgt für Frust beim Niederländer, der am Donnerstagabend bei den World Series of Darts Finals nur knapp einer weiteren frühen Niederlage entkam.
Van Duijvenbode lag in der AFAS Live gegen Viktor Tingstrom 0:3 und später 1:4 zurück, drehte das Match aber komplett. Am Ende zog „Aubergenius“ mit 6:5 den Kopf aus der Schlinge und sicherte sich damit das Ticket für die nächste Runde.
Gerade wegen seiner jüngsten Erstrunden-Pleiten schlichen sich während der Partie Zweifel ein. „Natürlich. In der ersten Hälfte, in den ersten zwei legs, habe ich eigentlich gut gespielt. Aber dann liegst du 0:2 hinten, und irgendwann beginnst du eben zu zweifeln“, sagte Van Duijvenbode bei Online Darts. „Ich hatte das Gefühl, großartig zu werfen, und trotzdem verlierst du. In Budapest habe ich beispielsweise gut gespielt und bin dennoch in der ersten Runde ausgeschieden.“
Diese Resultate beeinflussen laut Van Duijvenbode zwangsläufig das Selbstvertrauen. „Wenn ich ehrlich bin, sorgt das natürlich für eine gewisse Unsicherheit vor so einem Match. Normalerweise würdest du sagen: ist okay. Jetzt denkst du: ich will nicht schon wieder in Runde eins raus. Und nächste Woche steht auch noch der World Grand Prix an.“

Familie gibt Van Duijvenbode extra Schub

Van Duijvenbode beschloss, sich während des Spiels bewusst anzutreiben. Dabei half auch die Präsenz seiner Familie. Seine Partnerin saß im Publikum, was ihm nach eigener Aussage zusätzliche Motivation gab, sich nicht früh zu ergeben.
„Vielleicht schlich sich das doch in meinen Kopf. Ich habe mich dann mit ein paar Ausrufen gepusht. Meine Familie war da, und meine Freundin war dabei. Da denkst du: okay, sie ist jetzt weg von den Kindern. Die Kinder mögen das nicht. Dann willst du nicht, dass sie das umsonst macht. Das hat mir mental einen Schub gegeben.“
Dieser Umschwung half Van Duijvenbode, sich zurückzukämpfen. Wo er früher womöglich eher akzeptiert hätte, dass es nicht läuft, blieb er diesmal im Fight. Am Ende wurde das mit dem Einzug in die nächste Runde belohnt.
Dirk van Duijvenbode jubelt nach einer starken Aufnahme
Dirk van Duijvenbode drehte gegen Viktor Tingstrom einen 1:4-Rückstand in einen 6:4-Sieg

„Ich verliere Matches, die ich früher nicht verlor“

Van Duijvenbodes Frust hat seiner Meinung nach wenig mit der verlorenen Halbfinale beim World Matchplay zu tun. Das Problem liegt vor allem darin, dass er spürt, wie sein Niveau steigt, sich das aber noch nicht stabil in den Resultaten zeigt.
„Es ist keine Frustration, weil ich ans World Matchplay denke. Aber natürlich ist da Frust, weil ich das Gefühl habe, zurück zu sein, und dann bleiben die Ergebnisse aus.“
Van Duijvenbode erkennt dabei einen klaren Unterschied zu der Phase, in der er über Jahre konstant auf hohem Level performte. Matches, die er damals meist auf seine Seite zog, gehen jetzt häufiger verloren.
„Ich sage es einfach. Ich verliere jetzt gegen Spieler, gegen die ich in meiner besten Phase… Na ja, ‚Prime‘ ist vielleicht nicht das richtige Wort. Aber in den Jahren, in denen ich sehr gut spielte, verlor ich solche Spiele nicht.“
Dabei betonte der Niederländer, dass es ihm nicht um die Namen der Gegner geht. „Es geht nicht um die Spieler selbst, sondern um die Art der Matches. Früher, wenn ich in Form war, fiel ich eigentlich nicht unter 97 average. Jetzt spielst du Partien mit 93 oder 90 average. Da denkst du: Was machst du da, Mann?“

Niveau im Training sogar höher

Bemerkenswert ist, dass Van Duijvenbode auf dem Practice-Board genau das Gegenteil erlebt. Dort sieht er nach eigener Aussage genügend Belege, dass seine besten Darts noch da sind.
„Ich verstehe es einfach nicht. Irgendwann musst du es akzeptieren. Manchmal kannst du, wenn du akzeptierst, dass du nicht gut spielst, trotzdem ein Match gewinnen. Genau das habe ich heute eigentlich gemacht. Die Darts fallen nicht, wie du willst, aber dann musst du weiterkämpfen.“
Sein Trainingsniveau macht Van Duijvenbode Mut, dass deutlich mehr drin ist. „So, wie ich trainiere… Ich bin im Training echt gut. Richtig, richtig gut. Gleichzeitig weiß ich, dass es nahezu unmöglich ist, dieses Level auf der Bühne abzurufen, sonst würde ich fast Rekorde brechen. Und ich bin natürlich nicht der Einzige, der im Training zu solchen Dingen fähig ist.“
Gerade deshalb versucht er im Match häufiger zu akzeptieren, dass nicht jeder Pfeil perfekt sitzt. „Manchmal musst du akzeptieren, dass du nicht der Beste bist. Oder besser gesagt: akzeptieren, dass du in dem Moment nicht bei deinem Besten bist oder nicht gut spielst. Akzeptiere es und gehe dann in den Kampf. Ich glaube, genau das habe ich heute getan.“

Mentale Komponente muss noch folgen

Van Duijvenbode sieht vor allem mental noch Luft nach oben. Technisch und im Training fühlt er sich mindestens so stark wie in seiner erfolgreichen Phase, doch das damalige Match-Vertrauen ist noch nicht vollständig zurück. „Im Training bin ich besser als damals, aber mental bin ich, glaube ich, noch nicht so gut wie früher. Das braucht Zeit, aber ich glaube daran.“
Zudem weiß Van Duijvenbode, dass er noch nicht alles tut, was ihm in seiner besten Phase half. „Ich mache noch nicht alles, was ich damals gemacht habe. Aber im Training habe ich manchmal das Gefühl… Eigentlich nicht nur manchmal. Ich denke, ich bin besser als damals.“
Daher bleibt der Glaube an die vollständige Rückkehr zu seinem alten Niveau groß. Mehr noch: Van Duijvenbode traut sich zu, am Ende sogar stärker zu sein als in den Jahren, in denen er sich konstant mit der Weltspitze maß. „Ich muss es nur alles zusammenbekommen. Und wenn das gelingt, glaube ich, dass ich besser sein werde als damals.“
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