„Ich war definitiv nervöser gegen Barney als vor dem London Marathon“ – Soutar reagiert nach Sieg über Van Barneveld in Graz

PDC
Samstag, 09 Mai 2026 um 16:00
Alan Soutar (2)
Alan Soutar hat am Freitagabend bei den Austrian Darts Open für eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der ersten Runde gesorgt. Der Schotte bezwang Raymond van Barneveld in Graz souverän mit 6:2 und zog verdient in die nächste Runde ein. Im Anschluss sprach Soutar jedoch nicht nur über seinen Erfolg auf der Bühne, sondern auch über den London Marathon, Charity-Arbeit und sein Leben außerhalb des Dartsports.
Für Van Barneveld verlief der Abend enttäuschend. Der fünffache Weltmeister fand nie zu seinem Rhythmus und kam lediglich auf einen Average von 77,79 Punkten. Schon früh hatte der Niederländer große Probleme im Scoring, während Soutar in den entscheidenden Momenten konsequent zur Stelle war. Der Schotte kontrollierte die Erstrundenpartie bei den Austrian Darts Open über weite Strecken, nutzte die Fehler seines Gegners eiskalt aus und setzte mit einem starken 101-Finish ein Ausrufezeichen.

Soutar spricht offen über das Duell mit Van Barneveld

Nach dem Match gab Soutar zu, dass ihn das Duell mit Van Barneveld emotional stärker beschäftigt habe als der London Marathon wenige Tage zuvor.
„Ich war definitiv nervöser gegen Barney als vor dem London Marathon“, erklärte Soutar gegenüber Dartsnews.de. „Er ist eine absolute Legende, und das spürst du auf der Bühne sofort. Wenn er Probleme in seinem Spiel hat, merkt das jeder in der Halle. Man empfindet fast Mitgefühl, aber am Ende musst du das ausblenden und versuchen, das Match zu gewinnen.“
Gerade diese Mischung aus Respekt und Konzentration machte den Sieg für Soutar besonders wertvoll. Obwohl Van Barneveld weit unter seinem üblichen Niveau blieb, musste der Schotte fokussiert bleiben und jede sich bietende Chance nutzen. Das gelang ihm eindrucksvoll.
Abseits des sportlichen Erfolgs sorgte Soutar in den vergangenen Wochen bereits mit einer anderen Leistung für Aufmerksamkeit. Der 47-Jährige absolvierte den London Marathon – trotz eines vollgepackten Turnierkalenders auf der PDC-Tour. Hinter der Aktion steckte allerdings weit mehr als sportlicher Ehrgeiz.
„Ich habe den Marathon für Guide Dogs UK gemacht“, sagte Soutar. „Meine Partnerin Amanda und ich trainieren Hunde für Menschen mit Sehbehinderung, damit sie ein unabhängiges Leben führen können.“
Gemeinsam sammelte das Paar fast 17.000 Pfund für den guten Zweck. Für Soutar war genau das der entscheidende Antrieb während des Rennens.
„Als es nach etwa 21 Meilen richtig hart wurde, habe ich daran gedacht, warum wir das machen. Dann läufst du nicht mehr für dich selbst, sondern für andere Menschen.“

Schmerzen, Pro Tour und kein Gedanke ans Aufgeben

Der Marathon hinterließ dennoch deutliche Spuren. Soutar reiste unmittelbar danach wieder zu den nächsten Turnieren der Pro Tour – körperlich stark angeschlagen.
„Ich konnte kaum laufen“, verriet der Schotte. „Meine Beine und Füße haben komplett wehgetan. Ich hatte sogar Angst vor Bounce-outs, weil ich mich dann bücken musste und sofort Krämpfe bekommen habe.“
Eine Pause kam für ihn trotzdem nicht infrage. Als Spieler außerhalb der absoluten Topplätze müsse er nahezu jedes Turnier mitnehmen.
„Ich habe nicht den Luxus, einfach Events auszulassen. Deshalb war für mich immer klar, dass ich spielen werde.“
Dabei half ihm vor allem seine mentale Stärke. Soutar sieht genau darin einen wichtigen Unterschied auf der Tour.
„Ich habe einen starken Kopf und einen starken Körper. Dann arbeitest du dich eben durch den Schmerz und tust das, was für deine Familie und deine Karriere notwendig ist.“
Auch sportlich zeigt sich Soutar mit seinem bisherigen Jahr zufrieden. Der Schotte sammelte auf der Pro Tour mehrere starke Ergebnisse und befindet sich auf Kurs Richtung Qualifikation für den Alexandra Palace.
„Ich bin stolz darauf, wie die Saison bisher läuft“, sagte er. „Ich stehe gut für die WM und auch für die Players Championship Finals.“ Vor allem die European Tour besitzt für ihn inzwischen einen enormen Stellenwert. Die Atmosphäre auf den großen Bühnen helfe ihm dabei, sich weiterzuentwickeln.
„Die Euro Tour ist unglaublich wichtig. Die Erfahrungen auf den Bühnen in Deutschland, Österreich und Belgien helfen dir enorm bei den großen Turnieren.“ Besonders das Publikum in Graz beeindruckte Soutar erneut. „Die Fans waren fantastisch. Und wenn Mensur Suljovic spielt, wird die Stimmung komplett verrückt.“

Soutar will auch neben dem Dartsport etwas bewegen

Innerhalb der PDC gilt Soutar seit Jahren als einer der bodenständigsten Spieler auf der Tour. Neben seiner Karriere als Profi arbeitet der Schotte weiterhin bei der Feuerwehr und engagiert sich regelmäßig sozial. Für ihn gehört das seit jeher zu seinem Leben.
„Ich habe mein ganzes Leben im Dienst anderer Menschen verbracht“, erklärte Soutar. „Ich war beim Militär, danach bei der Feuerwehr. Wenn ich auch nur einer Person helfen kann, dann mache ich das.“
Diese Einstellung zeigt sich für ihn auch im Umgang mit den Fans. „Wenn jemand ein Foto oder ein Autogramm möchte, dann nehme ich mir die Zeit dafür. Es ist wichtig, den Menschen etwas zurückzugeben.“
Ein Karriereende beschäftigt Soutar aktuell ohnehin nicht. Der Schotte plant bereits die nächsten Projekte und will auch in Zukunft neue Wege gehen.
„Ich habe noch 18 Monate bei der Feuerwehr vor mir, aber ich habe bereits ein neues Unternehmen gegründet“, verriet er. „Ich kann noch viel mehr tun, und genau das werde ich auch machen.“
Außerdem möchte Soutar künftig weitere Profis aus der PDC für Charity-Projekte begeistern. „Ich würde gerne mehr Spieler dazu bringen, beim London Marathon oder anderen Aktionen für wohltätige Zwecke mitzumachen. Da kann man gemeinsam wirklich etwas bewegen.“
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